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Albtraum in vermeintlichen Luxuswohnungen

Eine brandneue Siedlung in Stäfa muss saniert werden. Wegen Pfuschs floss Wasser in die Häuser.

Von Petra Schanz Stäfa &endash Die Aussicht von den Wohnungen auf den Zürichsee wäre eigentlich traumhaft. Wenn da nur nicht das Baugerüst vor den riesigen Wohnzimmerfenstern wäre, das den Blick verstellt. Hier ist gerade eine grosse Sanierungsaktion im Gang &endash obwohl die Überbauung Panorama in Stäfa erst vor zwei Jahren fertiggestellt wurde. Kaum hatten die Bewohner damals ihre als Luxusobjekte angepriesenen Eigentumswohnungen bezogen, merkten sie, dass beim Bau wohl nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen war. Wasser sammelte sich auf den Terrassen und tropfte von den Balkondecken. Es drang zum Teil in die Wohnungen ein und ruinierte Parkettböden. Zuerst tat sich gar nichts Die Eigentümer reklamierten beim Generalunternehmer Steiner, der unter anderem auch den Prime Tower und das Einkaufszentrum Sihlcity in Zürich realisiert hat. Antwort erhielten sie keine.Sie begannen zu mutmassen, die Verantwortlichen wollten die Angelegenheit absichtlich hinausschieben, um die Garantiefrist von zwei Jahren verstreichen zu lassen. «Erst als wir einen Anwalt einschalteten, redete man mit uns», sagt einer der Eigentümer, von denen keiner mit Namen genannt werden will. Zusammen mit der Firma Steiner haben sie schliesslich ein Sanierungsprogramm ausgearbeitet. Die Eigentümer bildeten dazu einen Ausschuss, in dem sich Baufachleute befinden. Der Generalunternehmer anerkennt die Mängel inzwischen und lässt die Arbeiten in Garantie ausführen. Moos und angebohrte Leitungen Die Subunternehmen, die im Auftrag von Steiner am Werk waren, bekommen die Gelegenheit, ihre Fehler auszubügeln. Und diese waren nicht unerheblich: Auf den Terrassen gab es entweder gar keine Wasserabflüsse, oder sie waren zu hoch oben angebracht. Das Gefälle der Terrassen stimmte gerade mal im ersten Stock, in den oberen Etagen gab es teilweise sogar ein Kontergefälle, das heisst, das Wasser lief in Richtung Wohnung. Ausserdem waren die Glasgeländer nicht abgedichtet. Das Wasser hat sich laut einem Eigentümer einen Weg innerhalb der Fassade gesucht, was dazu geführt hat, dass die Fensterrahmen verfaulten. Eine Eigentümerin berichtet von einem Wasserschaden, weil eine Leitung angebohrt worden war. Den Schaden bemerkte sie, weil Wand und Boden im Wohnzimmer grau wurden. Auf der Terrasse eines anderen Bewohners wuchs Moos auf den Granitplatten, weil das Wasser sich darunter angesammelt hatte. «Die Firma Steiner hat versagt» «Die Qualitätssicherung der Steiner AG hat versagt», sagt ein Eigentümer angesichts solcher Mängel. Die ausgeführten Arbeiten hätten nie und nimmer den Vorschriften entsprochen. Zusammen mit anderen Betroffenen zog er einen unabhängigen Experten für Flachdächer und Fassaden bei. Dieser habe einigen Subunternehmern klarmachen müssen, wie sie ihre Arbeiten auszuführen hätten. «Es sind Arbeiter auf der Baustelle herumgelaufen, die schlicht keine Ahnung hatten, was sie machen mussten.» Die Handwerker, die das Generalunternehmen für den Bau unter Vertrag genommen hat, stammen zum Teil aus der Region, zum Teil von weiter weg. «Bei einigen hätte die Steiner AG statt auf den Profit wohl besser auf die Qualität geachtet», kritisiert ein Eigentümer. Wenn ein Subunternehmer schon billige Arbeitskräfte beschäftige, dann sollte wenigstens der Vorarbeiter, der Chef oder der Bauleiter fachlich kompetent sein und Deutsch sprechen. Das sei nicht der Fall gewesen. Claude Sulser, Mediensprecher der Steiner AG, erwidert darauf: «Wir hatten für dieses Projekt Subunternehmer unter Vertrag, mit denen wir selbst, aber auch andere namhafte Unternehmen bereits mehrfach zusammengearbeitet haben.» In der Zwischenzeit scheint sich die Aufregung in Stäfa gelegt zu haben. Die Eigentümer sind mit den momentanen Sanierungsarbeiten zufrieden &endash auch wenn ein paar der Gebäude erst nächstes Jahr drankommen. Sie hoffen, demnächst endlich Ruhe zu haben und einfach wohnen zu können. Kosten in Millionenhöhe? Die Kosten der Sanierung schätzen Eingeweihte auf einen siebenstelligen Betrag. Eine Entschädigung für die beeinträchtigte Wohnqualität während der Dauer der Arbeiten hat Steiner den Eigentümern bisher nicht angeboten. Trotz allem scheinen die Panorama-Bewohner ihren Kauf nicht zu bereuen. «Die Wohnung ist schön, und nachher haben wir hoffentlich die nächsten 20 Jahre Ruhe», sagt eine Eigentümerin.

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