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Alle Hoffnung hängt an einer möglichen Komplizin

Die Mutter der entführten Zwillinge hilft den Fahndern auf Korsika. Sie appellierte gestern an die Öffentlichkeit.

Von Oliver Meiler, Marseille «Ich bitte Sie, rufen Sie die Polizei an, auch wenn Sie Zweifel haben oder die Hinweise gering erscheinen!» Mit diesem Appell richtete sich Irina S., die Mutter der verschwundenen 6-jährigen Zwillingsschwestern Livia und Alessia, gestern vor den Medien an die Öffentlichkeit. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihre Töchter lebend gefunden werden können. Eine Frau mit blond gefärbten Haarsträhnen, wohl rund 50-jährig, nährt die kleine Hoffnung auf ein glückliches Ende. Am 1. Februar soll die mysteriöse Frau vor einer Bäckerei im südkorsischen Ort Propriano in Gesellschaft von Matthias S. und dessen beiden Kindern gewesen sein, die eben erst mit einer Fähre aus Marseille dort angekommen seien. Das jedenfalls erzählt eine Zeugin aus Propriano, Olga Orneck, die den Fahndern glaubwürdig erscheint. Sie berichtet, zu dieser Jahreszeit würde in Propriano, einer kleinen Ortschaft, jeder Fremde sofort auffallen. «Wie sie so miteinander redeten, schien es, als würden sich die Erwachsenen sehr gut kennen», sagte Orneck der französischen Zeitung «Nouvel Observateur». Das Zeugnis ist in diesem traurigen Familiendrama deshalb so zentral, weil bis heute unklar ist, ob Matthias S. die Fähre nach Propriano tatsächlich mit seinen Töchtern bestiegen und verlassen hatte. Und ob er seine Mädchen umgebracht hat, wie er das in einem Brief schrieb. Wenn eine zweite Erwachsene in den Fall involviert sein sollte, womöglich eine Komplizin des Vaters, dann könnte es sein, dass die Kinder in deren Obhut sind. «Ich bin krank, am Ende» Irina S. reiste gestern nach Korsika, um mit der Polizei im Helikopter einige jener Orte im Süden und im Norden der Insel zu überfliegen, die als mögliche Aufenthaltsorte der Kinder gelten. Als die Familie noch glücklich war, hatte sie in Korsika Ferien gemacht. Offenbar fuhr Matthias S. in den letzten Tagen seines Lebens alle Stationen aus schönen Zeiten ab: von Korsika über Ascoli Piceno, dem Heimatort seiner Frau in den Abruzzen, und die Amalfi-Küste bis nach Cerignola in Apulien. In einem der Briefe, die der Ingenieur kurz vor seinem Selbstmord an seine Frau schrieb, beklagt er sich, dass sie seine Probleme nach ihrer Trennung ignoriert habe: «Alle wollten mithelfen, nur du nicht.» Und: «Ich bin völlig verrückt, krank, am Ende, zerstört. Hilfe!» Irina S. sagte gestern: «Ich bin verzweifelt, doch ich muss stark bleiben. Ich werde alles daransetzen, die beiden zu finden.» Irina S., die Mutter, gestern mit Stofftieren der Töchter.Foto: Key

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