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Arbeitgeber knausern bei den Ferien

Nur wenige grössere Gemeinden und Betriebe im Bezirk Horgen gewähren ihren Mitarbeitern mehr Ferienwochen, als das Gesetz im Minimum verlangt.

Von Sibylle Saxer und Bettina Ledergerber Die Stadt Wädenswil will all ihren Mitarbeitern neu fünf Ferienwochen zugestehen und sich damit als fortschrittlicher Arbeitgeber positionieren. Noch fehlt dazu allerdings die Zustimmung des Parlaments (TA vom 8. 2.). Damit würde Wädenswil mit Adliswil gleichziehen, das die fünfte Ferienwoche vor elf Jahren im Zusammenhang mit dem neuen Personalstatut eingeführt hat. Ausser in Wädenswil ist eine Änderung der Ferienregelung in keiner der anderen Bezirksgemeinden ein Thema. Alle zehn halten sich in ihrer Ferienregelung an die Mindestvorgaben des kantonalen Personalrechts. Dieses sieht ab dem 21. Altersjahr vier, ab dem 50. Altersjahr fünf und ab dem 60. Altersjahr sechs Ferienwochen pro Jahr vor. Kader zum Teil mit mehr Ferien Etwas mehr Urlaub wird den Kadermitgliedern in drei Gemeinden gewährt: vier zusätzliche Tage in Langnau und Rüschlikon, eine ganze Woche in Horgen. Horgen hat zudem insofern eine spezielle Regelung, als sich die Mitarbeiter für eine höhere Wochenarbeitszeit entscheiden können und entsprechend mehr Ferien zugute haben: Bei 42 Stunden Wochenarbeitszeit gibt es vier Wochen, bei 43 Stunden fünf Wochen und bei 44 Stunden sechs Wochen. In Thalwil war eine Erhöhung vor zwei Jahren ein Thema. «Aufgrund einer Personalumfrage wurde dem Gemeinderat Anfang 2009 der Antrag auf eine Erhöhung um drei Ferientage unterbreitet. Dieser wurde abgelehnt», sagt Heidi Egli, die Kommunikationsverantwortliche der Gemeinde Thalwil. Der Hauptgrund: die grosszügige Jahresarbeitszeitregelung. Auch sei damals die Wirtschaftslage unsicher gewesen. Wenn die Stadt Wädenswil geltend macht, sie wolle ein attraktiver Arbeitgeber sein, argumentiert sie ganz ähnlich wie Lindt & Sprüngli. Die Schoggiherstellerin mit Sitz in Kilchberg gewährt allen Mitarbeitenden der Produktion und allen Kadermitgliedern fünf Wochen Ferien. Mitarbeiter der Administration, die nicht Kader sind, erhalten grundsätzlich vier Wochen, bereits ab dem 35. Altersjahr erhalten sie aber drei zusätzliche Ferientage. «Ein motivierter Einsatz rechtfertigt eine grosszügige Regelung», sagt Mediensprecherin Sylvia Kälin. Anreiz für viele zu teuer Solche Motivationsspritzen sind aber längst nicht für alle Arbeitgeber finanzierbar. Explizit finanzielle Gründe macht Manuel Zimmermann, Mediensprecher des See-Spitals, dafür geltend, dass den Mitarbeitenden nur die gesetzlichen vier Ferienwochen zugestanden werden – von der Ärzteschaft über das Pflegepersonal und Mitarbeiter der technischen Dienste bis zum Reinigungspersonal. «Wenn wir mehr Ferien geben, dann werden wir teurer, und das ist gegen unseren Auftrag», sagt Zimmermann. Auch Patrons von kleineren Firmen gestehen ihren Mitarbeitern – wenn es nicht anders, etwa durch einen Gesamtarbeitsvertrag, geregelt ist – nur den gesetzlichen Mindestanspruch von vier Wochen zu. So etwa in der Ausee-Garage in der Au, wie Geschäftsführer Marc Weber sagt. Roger Weisskopf, Geschäftsführer bei Maler Grüninger in Wädenswil, sagt, in der Maler- und Gipserbranche sei der Preisdruck hoch. Der Gesamtarbeitsvertrag sieht derzeit 22 Ferientage vor. «Mehr Ferientage müsste ich auf die Preise und Stundenansätze für unsere Dienstleistungen abwälzen.» Wenn er einem seiner sieben Mitarbeiter einen zusätzlichen Ferientag zuspricht, dann, um seine individuelle Leistung zu honorieren. Auch unternimmt Weisskopf Ausflüge mit seiner Belegschaft – auf Geschäftskosten: «Wir waren schon drei Tage im Europa-Park. Das ist gut für den Zusammenhalt und erhöht die Motivation. Es ist immer ein Geben und ein Nehmen.» Wer im Bezirk Horgen arbeitet, kann selten einmal für mehr als vier Wochen verreisen.Foto: Keystone

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