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Arbeitgeberin Schweiz in Echtzeit

Sie arbeiten für die Schweiz, und doch haben sie dieses Land und seine Hauptstadt noch nie gesehen. Lokalangestellte von Schweizer Vertretungen aus 16 Ländern haben Bern kürzlich besucht – und neue Eindrücke erhalten.

Nach einem anstrengenden Kurstag mit Vorträgen zu Geografie, Geschichte und zum politischen System der Schweiz treffen sich 20 Lokalangestellte aus 16 Ländern in der Bahnhofshalle, um die Hauptstadt der Eidgenossenschaft mit einer zweistündigen Schnellbleiche kennen zu lernen. Es dauert keine zwei Minuten, da zücken die ersten bei der Christoffel-Skulptur in der Unterführung ihre Kameras. Spätestens beim Bundesplatz liegen Yildirim Kirgöz aus Tel Aviv ein gutes Dutzend Fotoapparate zu Füssen. Smile, und schon sind Peking, Ramallah, Baku, Singapur, Havanna und Bratislava vereint auf einem Bild mit den Fontänen. «Wo bleibt die Aare?» fragt Ali Mardini aus Damaskus fast enttäuscht, nachdem die Stadtführerin ausführlich von der Flussschleife erzählt hat, der Weg aber durch die Gassen führt. Ein «Jacusi» im Münsterturm Die Zeit reicht gerade für die Innenstadt, moderne Attraktionen wie Westside, Zentrum Paul Klee oder Stade de Suisse bleiben auf der Strecke. Am Zytglogge steht mit den EDA-Angestellten aus aller Welt für einmal nicht eine homogene Gruppe von Japanern, Amerikanerinnen oder Deutschen vor dem Turm, sondern ein sichtlich durchmischtes Grüppchen. Das Unesco-Weltkulturerbe macht Eindruck. Erstaunt ist man ob der Trinkwasserqualität der Berner Stadtbrunnen. Die gebürtige Österreicherin Andrea Leitner arbeitet auf dem Konsulat in Atlanta, Georgia (USA), und kennt nur die Schweiz zwischen Bodensee und Zürich. Beim Anblick des Münsters, sagt sie, «kriegt man schon etwas Heimweh». Lilian Jones aus Miami kommt ursprünglich aus Basel. Sie hat als junge Frau zwar Bern besucht. «Doch Details wie die vielen Kellereingänge habe ich nicht bemerkt», gesteht sie. Vom hohen Gewölbe, dem schummrigen Licht und den Orgelklängen im Münster zeigt sich Hina Javed aus Karachi, Pakistan, beeindruckt. Die Gruppe staunt, als sie erfährt, dass die Hauswartwohnung im Münsterturm untergebracht ist. «Gibt es da eine Toilette?», so eine schüchterne Frage. Ja, und eine Badewanne. «Wenn Sie da drin baden und die Glocke schlägt, gibt’s Wellen», weiss die Stadtführerin zu berichten. «Das fühlt sich das an wie ein Jacusi.» Gelächter. 1. August als Höhepunkt Sie repräsentieren ein Land, das sie bisher nur aus der Ferne kannten. Ein Problem? Der Syrer Ali Mardini informiert sich täglich auf dem Internetportal Swissinfo, welches auch auf Arabisch über die Schweiz berichtet. Yildirim Kirgöz, gebürtiger Türke, ist mit einer Schweizer Diplomatin verheiratet, arbeitete mit ihr erst für die Botschaft in Rom und heute in Tel Aviv – «alles in allem recht chaotische Orte». Dank regelmässigen Familienbesuchen ist die Schweiz für ihn kein Neuland. Hier schätzt er die Ordnung und den öffentlichen Verkehr. Wie tragen sie als Einheimische die Schweiz nach aussen? Visa ausstellen und gestrandete Touristen gehören zur alltäglichen Arbeit. Der jährliche Höhepunkt des Jahres ist der 1. August, heisst es unisono. Dann kommen Auslandschweizer und einheimische Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammen. Auch einmalige Grossereignisse sorgen für Abwechslung. Von sportlicher Seite zeigte sich die Botschaft in der Slowakei im Mai: «Wir stellten in Bratislava ein Public Viewing für die Eishockey-WM auf», berichtet Viera Dobosova. Zu spüren bekam Yu-Kyung Bang aus dem südkoreanischen Seoul den Aufruhr um den Sohn des nordkoreanischen Herrschers, Kim Jong-un, der angeblich in Gümligen und Köniz zur Schule gegangen war: «Da kamen viele Anfragen von Medien und Interessierten,» erinnert sie sich. In Quito, Ecuador, organisiert Naylan Zurita als Kulturattaché regelmässig Veranstaltungen mit Künstlern, Musikern und Schriftstellern oder präsentiert Filme aus der Schweiz. «Wir haben in den letzten Jahren viel gezeigt, aber mit Abstand der grösste Renner war der Film ‹Die Herbstzeitlosen›», schmunzelt sie. Schweizer Humor, der auch jenseits des Ozeans ansteckt.Hannah Einhaus>

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