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Artemis als Gebäude des Geistes

Nachruf Bruno Mariacher, Verleger Mit Bruno Mariacher ist einer der grossen Verleger der Schweiz gestorben. Er war 1956 in den Zürcher Artemis-Verlag eingetreten und hatte zwei Jahre später als Nachfolger von Verlagsgründer Friedrich Witz die Leitung des Verlags übernommen. Artemis war gerade dabei, sich durch die grosse 24-bändige Goethe-Ausgabe von Ernst Beutler international einen Namen zu machen. Mariacher setzte den Kurs fort und baute auf die grossen Pfeiler des Unternehmens: die Goethe-Literatur, die Antike, die Kunst- und Kulturgeschichte, Lexika, Bildbände, Kinderbücher, Belletristik und die Architektur, die auf dem Fundus des Girsberger-Verlags mit dem Le-Corbusier-Gesamtwerk aufbauen konnte. Damit hatte Bruno Mariacher ein selbst für die damalige optimistische Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs grosses Autoren- und Ideengebäude entworfen, dessen ständiger Ausbau dem umtriebigen Verleger in gut 30 Jahren beharrlicher Arbeit in ungewöhnlichem Ausmass glückte. Als hervorragender Kommunikator verstand er es, immer mehr Autoren an sich zu binden und den Verlag mit seinen zahlreichen Reihen (wie der Bibliothek der Alten Welt) und den zweisprachigen Tusculum-Bänden fest im Markt zu verankern. 1971 ergab sich die Möglichkeit, mit dem Kauf des Münchner Winkler-Verlags nicht nur die berühmte Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur unters Artemis-Dach zu holen, sondern auch einen soliden Standort im deutschen Buchmarkt zu schaffen &endash mit eigenen Titeln und Marketingaktivitäten. Die schweizerischen und zürcherischen Wurzeln des Unternehmens vergass er nicht und verlegte neben der grossen Zürcher Geschichte des damaligen Stadtpräsidenten Sigmund Widmer eine ganze Reihe von Turicensia. Er verhalf auch vielen belletristischen Schweizer Autoren wie Erika Burkart, Hermann Burger oder Hans Boesch zu ihren Erstlingen. Bei den Bildbänden waren es die grossen Fotobände von Emil Schulthess, später dessen 360-Grad-Panoramen, die auch drucktechnisch neue Massstäbe setzten. Dieses umfassende verlegerische Geistesgebäude hätte ohne das grosse finanzielle Engagement der Familie Bührle nicht Bestand gehabt. Mariacher hielt aber auch gegenüber Financiers und Mäzenen an seiner Auffassung vom universalen Verlag fest. Am 24. Oktober ist Bruno Mariacher 89-jährig in Rüschlikon gestorben. Hansrudolf Frey Bildlegende Text. Foto: Vorname Name (Agentur)

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