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Auch Senioren können sich noch selbst verteidigen &endash wenn sie wissen, wie

Ältere Menschen sind meist leichte Opfer für Kriminelle. Doch auch sie können lernen, sich zu wehren. So in einem Selbstverteidigungskurs in Stäfa.

Von Maria Zachariadis Stäfa &endash Godi Heidelberger steht mit seiner Frau Bernarda in der Turnhalle des Stäfner Schulhauses Beewies. Umringt von zwei Dutzend Damen und Herren über 60. Sie befolgen die Anweisungen des Karate-Instruktors und führen zu Beginn des Selbstverteidigungskurses einige Lockerungsübungen aus. Zweimal im Jahr organisiert die Ortsgruppe der Pro Senectute dieses Angebot für Senioren plus, das auf grosse Nachfrage stösst. Der 66-jährigen Elisabeth Trendle ist zwar noch nie etwas passiert. Dennoch hält sie den zweistündigen Kurs für sinnvoll: «Ich bin ein Nachtfalter, komme oft spätnachts mit dem Zug heim und möchte für den Nachhauseweg gewappnet sein.» Was folgt, sind zunächst theoretische Tipps, wie man sich schon zu Hause vor Einbrüchen schützen kann: Das Installieren von Lichtmeldern etwa bei einem Gartensitzplatz, das Schliessen der Fenster bei Dämmerung oder das Anbringen eines Schildes mit dem Hinweis «Achtung, bissiger Hund» sind Vorkehrungen, die nicht zu unterschätzen sind. Im Fall eines tätlichen Angriffs rät Heidelberger den Teilnehmern, Ruhe zu bewahren: «Angst macht steif, bleibt also locker, und werdet nicht nervös.» Auch sollte man einen Angreifer niemals provozieren, ihm also nicht in die Augen schauen. Werde dieser verbal ungehalten, sollte gar versucht werden, ihn zu beruhigen. Ein Schlüsselbund, ein Gurt und sogar Schirme sind für Heidelberger «Waffen, die ihr zum Schlagen einsetzen könnt». Man solle solche «Waffen» nicht unterschätzen und bewusst bereithalten, wenn man beispielsweise in der Dunkelheit unterwegs sei. Und sich immer vor Augen halten, dass Angreifer bei Senioren nie auf Abwehrreaktionen gefasst sind. «Bleibt stets wachsam, was um euch herum geschieht», rät Godi Heidelberger, der Jugendlichen und Erwachsenen 30 Jahre lang Karateunterricht erteilte. Überraschungseffekt nutzen Dann wird zu zweit geübt, was der Experte den Teilnehmenden vorher erklärt und mit seiner Frau vorgemacht hat: «Sobald sich euch jemand nähert und Anstalten macht, euch anzugreifen, weicht immer aus, bückt euch oder dreht euch zur Seite.» Der Karate-Experte umfasst den Hals seiner Frau von hinten und würgt sie. Sie hebt sofort beide Arme angewinkelt hoch, dreht sich blitzschnell um, sodass er nicht mehr auf ihre Kehle drücken kann und verabreicht ihm mit dem rechten Ellbogen einen Schlag ins Gesicht. «Nutzt diesen Überraschungsmoment, um ihn zu Boden zu stossen, und rennt weg.» Packt der Angreifer sein Opfer von vorne, kommt der «Scheibenwischer-Griff» zum Zug. Mit angewinkelten Armen werden die gestreckten Arme des Angreifers geöffnet und seitlich weggeschlagen. Tritt man fast gleichzeitig mit aller Kraft auf den Fuss des Angreifers, ist er für Sekunden ausser Gefecht gesetzt. Auch ein gezielter Schlag mit dem Knie zwischen die Beine verfehlt seine Wirkung nie. Empfindliche Stellen treffen Elisabeth Trendle übt mit Margareta Dekker, die sie vorne am Pullover mit einer Hand packt. Sogleich fasst die Angegriffene mit beiden Händen die fremde Faust an ihrer Brust und drückt den Daumen der Angreiferin von der geballten Hand weg. Keine Sekunde vergeht, bis Margareta Dekker den Griff vor Schmerz lockern muss. Trendle sieht ihre Chance, fasst die Angreiferin am Handgelenk und zwingt sie in die Knie. Jetzt noch ein fester Stoss mit dem Ellbogen auf die Schulter ihrer Gegnerin, und schon liegt diese rücklings auf dem Boden. «Gut gemacht!», lobt Fachmann Heidelberger. Den anderen ruft er in Erinnerung: «Haltet stets eure Hände bereit, und setzt eure Ellbogen ein, die sind auch noch mit 80 hart genug.» Kopf, Herz, Knie und Füsse, das sind laut dem Karate-Experten empfindliche Stellen. «Wenn ihr diese Stellen trefft, ist der Täter fürs Erste ausser Gefecht gesetzt.» Aber auch eine Ohrfeige oder das Blenden der Augen mit einer Taschenlampe könnten den Angreifer in die Flucht schlagen. Godi Heidelberger zeigt Elisabeth Trendle (links) und Margareta Dekker, wie sie reagieren müssen. Foto: Kurt Heuberger

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