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Auf dem richtigen Weg

Münchner Schläger Harte Urteile allein reichen nicht. Von Stefan Hohler Die Reaktionen auf die Urteile gegen die drei «Münchner Schläger» in der Schweiz waren eindeutig: Endlich habe die Justiz einmal hart durchgegriffen, die drei jungen Männer hätten noch härtere Strafen verdient. Das deutsche Strafmass von zehn Jahren für Jugendliche hätte ruhig ausgeschöpft werden sollen. Dabei vergessen viele, dass die drei ehemaligen Schüler in der Schweiz mit einer bedeutend tieferen Strafe (maximal vier Jahre) davongekommen wären – dafür aber eine weit intensivere therapeutische und erzieherische Betreuung erhalten würden. Während in Deutschland offenbar der Sühnegedanke im Vordergrund steht, wird in der Schweiz bei Jugendlichen primär auf Resozialisierung gesetzt. Denn harte Strafen allein nützen wenig und schrecken nicht ab. «Kuscheljustiz» heisst es jeweils im Volksmund, wenn ein krimineller Jugendlicher zu einer Therapie verdonnert wird, statt im Gefängnis eine Strafe absitzen zu müssen. Viel Zeit und Geld Nur: Mit dem Rachegedanke allein ist zwar kurzfristig dem Volkswillen Genüge getan, längerfristig hilft er aber der Gesellschaft wenig. Denn Jugendliche sind noch formbar. Viele der jungen Täter können längerfristig wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Aber dies kostet viel Zeit und vor allem viel Geld. Und es darf nicht vergessen werden: Jeder rückfällige Jugendliche kostet den Steuerzahler zusätzliches Geld. Nicht zu vergessen das Leid, das er seinem Opfer antut. Dass die Schweiz mit der Philosophie «Massnahme vor Strafe» im Jugendstrafrecht auf dem richtigen Weg ist, zeigen die Rückfallquoten. Jeder dritte Jugendliche im Massnahmezentrum Uitikon verübt später, wenn er wieder draussen ist, erneut ein gröberes Delikt. Wird die Massnahme aber vorzeitig abgebrochen, erhöht sich die Rückfallquote auf über die Hälfte. Die Justiz muss vor allem schnell und konsequent bei jugendlichen Tätern einschreiten, die am Anfang einer kriminellen Laufbahnen stehen. Hier müssen rechtzeitig Pflöcke eingeschlagen und muss hart durchgegriffen werden. Bericht Seite 19

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