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Aufwind, Stürze, neue Startnummer

Lüthi, Aegerter und Krummenacher – gleich drei Schweizer fahren in der Motorrad-WM Seite an Seite.

Von David Wiederkehr, Doha Als es Nacht und kälter wurde in der Wüste, brummten die Motoren. Mit dem Nacht-GP von Qatar beginnt am Sonntag die neue Motorrad-WM; in den ersten freien Trainings versuchen die Fahrer, sich an die Bedingungen zu gewöhnen, zu denen auch frischer Wind und Sand auf der Strecke gehört. 1500 Flutlichtmasten weisen den Fahrern den Weg. Auch die Schweiz spielt in der neuen Saison eine wichtige Rolle: Die drei besten Schweizer Fahrer sind in der Moto2-Klasse erstmals Seite an Seite unterwegs – zwei von ihnen sogar auf einem Schweizer Motorrad. Angeführt wird das Trio von Tom Lüthi, dem Routinier mit 131 Grands Prix. Er startet gar als einer der Favoriten auf den WM-Titel in die neue Saison, ansprechende Resultate in den offiziellen Testfahrten Mitte März in Jerez verliehen dieser Erwartungshaltung zusätzlichen Schwung. Auch bei ihm selbst: «Ich habe seit 2005 nie mehr so gut getestet», sagt der Emmentaler – 2005 gewann er die Weltmeisterschaft. Für das zweite Jahr auf dem 600-cm3-Motorrad wechselte das Einmannteam den Chassishersteller, statt von Moriwaki aus Japan stammt der Rahmen nun aus Turbenthal und dem Werk von Eskil Suter. «Es fühlte sich von Anfang an gut und schnell an», lobt Lüthi und sieht sich in der neuen Saison fähig für den ersten Sieg seit Mai 2006. Allerdings ist die Konkurrenz trotz des Aufstiegs von Weltmeister Toni Elias in die MotoGP-Klasse weiterhin enorm stark. Lüthi ahnt: «Es gibt in dieser Saison mehr Siegfahrer als noch vergangenes Jahr.» Zum Ziel setzt sich der 24-Jährige «die konstante Klassierung in den Top 6». Aegerter mit Vorjahresmodell Weniger gross sind die Ambitionen zumindest vorübergehend bei Dominique Aegerter. Der 20-jährige Berner hat eine missratene Vorbereitung durchlebt, bei einem Sturz in den Februar-Tests in Valencia erlitt das Motorrad Totalschaden – Aegerter fährt darum wieder mit dem Vorjahresmodell des Suter-Rahmens. Ausserdem war nach insgesamt drei Stürzen in Valencia das Vertrauen des Oberaargauers in seine Maschine angekratzt. «Das hat mich weit zurückgeworfen», klagt Aegerter, der sich noch in den sieben letzten Rennen der vergangenen Saison fünfmal unter den besten zehn klassiert hatte. Das war eine grosse Leistung und zeigte sein Potenzial – hatte Aegerter doch schwer zu kämpfen mit dem Tod seines Teamkollegen Shoya Tomizawa beim GP von San Marino in Misano Anfang September. Sein neuer Teamgefährte heisst Kenan Sofuoglu, ein 26-jähriger Türke, der ihn in den ersten Testfahrten ordentlich abgehängt hatte. Im Training gestern in Doha kam Aegerter seinem ersten Widersacher näher. «Es motiviert mich, einen schnellen Teamkollegen zu haben», sagt er. Und hat trotz Rückstand viel vor: «In diesem Jahr will ich es erstmals aufs Podest schaffen.» Krummenachers Lehrjahr Diese Erfahrung hat ihm Randy Krummenacher voraus; der Zürcher Oberländer war vor bald vier Jahren als erst 17-Jähriger in Barcelona auf den dritten Platz gefahren. Bestätigen konnte er diesen Exploit nicht, im Gegenteil: Oft genug schien es, als reize er seine Möglichkeiten zu wenig aus, unterliege zu starken Schwankungen. Ohne einen Grand Prix gewonnen zu haben, stieg er nun aus der 125-cm3-Klasse in die Moto2 auf – weswegen bei den Achtellitern der Neuenburger Debütant Giulian Pedone als einziger Schweizer verbleibt. In der höheren Klasse angekommen, musste Krummenacher die Startnummer abgeben. Die 35 war besetzt, neu fährt er mit der 4. Dafür weiss er mit dem Team Switzerland einen eigens für ihn gegründeten Rennstall und mit Gary Reinders einen Chefmechaniker mit MotoGP-Erfahrung hinter sich. Und mit guten Ergebnissen in den Tests und den ersten Trainings in Doha schürt er die Erwartungen. Krummenacher sagt: «Ich denke, dass mir der Umstieg gut gelungen ist.» Aber er mahnt auch zu Geduld und stellt klar: «Das ist mein Lehrjahr.» Sein Ziel sei es, von Rennen zu Rennen Fortschritte zu machen, «spürbare Fortschritte». Als Neuling habe er jeden einzelnen Meter nötig. Dominique Aegerter, Tom Lüthi und Randy Krummenacher (von links): Das Schweizer Trio steuert die neue Saison an.Foto: Keystone

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