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Aus einer Wette wurde ein Staatsbesuch

Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein sprach vor dem Kiwanis Club Zollikon über die Schweiz – und plauderte dabei auch aus dem privaten Nähkästchen.

Von Alexandra Falcón Zollikon – Solch illustre Gastreferenten wie den Fürsten Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein kann der Kiwanis Club nicht alle Tage aufbieten. Dabei hat alles ganz harmlos angefangen: mit einer Wette. Rolf Moser, Programmchef des Kiwanis Zollikon, wettete mit seiner in Liechtenstein arbeitenden Partnerin Jenna Müllener, dass es ihr nie möglich sein würde, den Fürsten Hans-Adam II. als Referenten für den Kiwanis Club zu gewinnen. Durch ihre berufliche Tätigkeit im Fürstentum hatte sie aber so einige Kontakte. Eines Abends habe seine Partnerin ein triumphierendes Lächeln aufgesetzt, erinnert sich Rolf Moser schmunzelnd. «Da wusste ich, der Fürst kommt wirklich.» Der stets zu einem Scherz aufgelegte Regent nahm die Einladung gerne an. «Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz und vor allem Ihre Hartnäckigkeit», sagte Fürst Hans-Adam II. gestern Mittag in der Trichtenhauser Mühle und lachte. «Normalerweise bin ich bei solchen Anfragen nämlich eher zurückhaltend.» Aber der mittlerweile 14-fache Grossvater freute sich, das erste Staatsoberhaupt zu sein, das den Zollikerberg besucht und von Gemeindepräsidentin Katharina Kull (FDP) nicht ganz ohne Stolz willkommen geheissen wird. Die Schweiz als Vorbild Den Weg nach Zollikerberg zu finden, stellte für ihn auch keine Schwierigkeiten dar. «Wir haben nicht einmal das GPS gebraucht», sagte Hans-Adam II. Das mag zum Teil auch daran liegen, dass «Ihre Durchlaucht» viel mit der Schweiz und sogar der Region Zürich verbindet, wo er 1945 zur Welt kam. Einen Teil seiner Gymnasialzeit verbrachte der Fürst in Zuoz, und in St. Gallen studierte er an der Hochschule. «Am liebsten hätte ich Archäologie oder Physik studiert», gab Hans-Adam II. schmunzelnd zu. «Aber mein Vater sagte, das könnten wir uns nicht leisten, und so studierte ich eben Wirtschaft.» Die 80 Anwesenden in der Trichtenhauser Mühle erlebten trotz polizeilicher Zulassungskontrolle und besonderen Sicherheitsvorkehrungen einen entspannten und offenen Regenten, fast schon einen Fürsten zum Anfassen, der ebenso gerne aus dem privaten Nähkästchen plauderte, wie über die Zukunft der Staatsform philosophierte. Die Schweiz sei für ihn ein Vorbild, sagte der Fürst in seiner Rede. «Eigenständigkeit ist ein wichtiger Bereich, der sich zu pflegen lohnt», betonte er. Besonders geschätzt habe er seit je die Volksnähe der Politiker, die auch in Liechtenstein viel gebracht habe. Hans-Adam II. war schon früh ein Anhänger der direkten Demokratie. «Das haben wir von der Schweiz übernommen, es war natürlich nicht unsere Idee.» Als jungen Mann beeindruckte ihn, wie im Kanton Bern ein Minderheitenproblem zwischen deutsch- und französischsprachigen Bürgern gelöst wurde. «Für mich war diese friedliche Lösung ein Paradebeispiel für ein gelungenes Experiment des Selbstbestimmungsrechtes auf Gemeindeebene», erinnerte er an die Gründung des Kantons Jura. Er sieht in der direkten Demokratie auch das wichtigste Thema für den Staat im dritten Jahrtausend. «Die Zukunft eines Staates soll nicht mit der Waffe in der Hand, sondern mit dem Stimmzettel an der Urne entschieden werden.» Von den Menschen wünschte er sich, dass sie aufgeklärt, mit guter Ausbildung, kritisch und ruhig auch etwas aufmüpfig sein sollen. «Das war ich auch immer», räumte der Fürst ein. «In der Volksschule machten die Lehrer keinen Unterschied zwischen mir und den anderen Kindern, und so habe ich schon in der ersten Klasse nicht wenige Tatzen bekommen.» Fürst Hans-Adam II. (r.) im Gespräch mit der Zolliker Gemeindepräsidentin Katharina Kull und Gemeinderat Martin Byland. Foto: Reto Schneider

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