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Aus Spass wurde Ernst

GCDer Fussballklub erwägt, nach Aarau ins Exil zu gehen. Von Res Strehle Der Vorschlag von Urs Linsi, Präsident des Grasshopper-Clubs, die Heimspiele seines Teams in der Super League künftig in Aarau, Winterthur oder St.?Gallen auszutragen, hat eine seltsame Eigendynamik entwickelt. Hielt man ihn erst für eine ganz gewöhnliche Schnapsidee, weil Fussball ähnlich wie Medien oder Fasnachtscliquen von der lokalen Verankerung lebt, so wird er inzwischen ernsthaft diskutiert. Dabei würde GC als Zürcher Stadtklub in Aarau etwa so viel Begeisterung auslösen wie die Vogel-Gryff-Clique an der Zürcher Fasnacht. Nicht dass Fussball in den Städten rund um Zürich nicht die Massen mobilisieren könnte, aber sie interessieren sich naturgemäss eher für ihre Heimvereine. Wenn diese Teams halbwegs erfolgreich spielen, wird sich die ganze Region für ihre Lokalklubs begeistern. Aber für das Farmteam GC ausserhalb der Stadt Zürich? Da könnte man selbst Gratiszüge und Gratisbier organisieren – es würde neben ein paar Scouts anderer Klubs nur eine verschwindend kleine Zahl hartgesottener GC-Fans den Weg dorthin finden. So hätte GC künftig nur noch Auswärtsspiele, was immerhin das Problem der fehlenden Stürmer entschärfen könnte. Nun hat jeder schon Vorschläge in die Welt gesetzt, die sich bei näherer Prüfung nur als zweitbeste Lösung erweisen. Im besseren Fall wird man solche Vorschläge kleinlaut oder mit einem Schmunzeln zurücknehmen, als Missverständnis erklären, als Spass oder gezielte Provokation, die sich sogar als fruchtbar erwiesen habe. Im schlechteren Fall findet ein solcher Vorschlag Unterstützung. So geschehen in den vergangenen Tagen im Fall Linsis. Dabei war sein Vorschlag ursprünglich nur Drohkulisse, um gegenüber der Stadt Zürich tiefere Miet- und Polizeikosten im Letzigrund durchzusetzen. Wenn man dem TA-Interview mit Linsi letzten Samstag und dem «Blick» glauben darf, so scheint es dem GC-Präsidenten inzwischen aber ernst zu sein: Er will mit den Grasshoppers künftig wirklich ins Exil. Mehr noch: Auch der «Blick»-Sportchef mit Aargauer Wurzeln hält das für eine gute Idee und heisst GC in Aarau schon mal vorsorglich willkommen. Damit wäre sichergestellt, dass mindestens zwei Zuschauer die GC-Heimspiele im Brügglifeld verfolgen.

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