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Babybauch soll zur Wahl verhelfen

Genüsslich am Rauchen oder umringt von der Familie – so präsentieren sich Unterländer Kantonspolitiker kurz vor den Wahlen auf ihren Internetseiten. Für den Werber Frank Baumann ist das die falsche Kommunikationsstrategie.

Von Fabian Boller Auf der Internetseite so mancher Unterländer Kantonspolitiker findet sich unter dem Menüpunkt «Bilder» die eine oder andere sehr persönliche Aufnahme aus dem Familienalbum. Werber und Fernsehmoderator Frank Baumann ist nicht begeistert darüber, wie sich die Volksvertreter im Netz präsentieren. «Das geht gar nicht. Hoffentlich ist das kein neuer Trend», sagt er. Zum Beispiel Priska Seiler Graf, Kantonsrätin und Stadträtin in Kloten. Sie zeigt sich mit Schwangerschaftsbauch. «So ein Bild wäre selbst auf der Seite für eine psychotherapeutische Praxis fehl am Platz», lästert Baumann in seiner gewohnten Rolle als Provokateur. Seiler Graf aber steht zu ihren Fotos. Neben dem Babybauch zeigt sie auch zahlreiche Aufnahmen ihrer Kinder und ihres Ehemannes. «Ich finde Bilder einfach spannender als Texte», sagt sie. Mit den veröffentlichten Aufnahmen würde sie bewusst den Voyeurismus der Leute befriedigen. Als Lokalpolitikerin dürfe man sich auch von einer etwas privateren Seite zeigen, findet sie. Dennoch gibt es auch für Seiler Graf Grenzen. «Mein Mann und meine Kinder haben alle Bilder, auf denen sie zu sehen sind, abgesegnet», sagt die SP-Politikerin. Im Bikini würde sie sich zum Beispiel nicht zeigen. Auch eine Kussaufnahme mit ihrem Mann ginge der Stadträtin zu weit. Mit nacktem Oberkörper Rümlangs Gemeindepräsident und Kantonsrat Thomas Hardegger gewährt in seinem Online-Auftritt ebenfalls Einblicke ins Familienalbum. Besonders ins Auge sticht eine Aufnahme, die Hardegger als jungen Mann im Fluss badend zeigt – daneben seine zwei kleinen Kinder. Eigenwillig ist auch das Bild, das den bärtigen jungen Hardegger mit Zigarette im Garten zeigt. Komödiant und Kommunikationsprofi Baumann, der unter anderem auch Ständerätin Verena Diener berät, mag auch daran keinen Gefallen finden: «Das Bild wirkt auf mich etwas hilflos.» Der Angesprochene bezeichnet die Bildauswahl auf seiner Website als «zurückhaltend». «Ich halte nicht viel von Homestorys à la Schweizer Illustrierten», sagt er. Bei seinem Internetauftritt habe er versucht, sowohl den privaten als auch den politischen Thomas Hardegger zu zeigen. Der stolze Hockeyspieler Als Hockeyspieler des EHC Kloten zeigt sich der Winkler SVP-Kantonsrat Heinrich Frei im World Wide Web. Der Politiker spielte mit Kloten einst in der Nationalliga A und ist bis heute stolz darauf. Baumann vermag das aber nicht zu beeindrucken. «Ich will einen Politiker und keinen Hockeyspieler», sagt er. Frei aber verteidigt seinen Internetauftritt. Dieser sei durchaus professionell. «Bei den Fotos geht es mir darum, den Menschen hinter dem Politiker zu zeigen», erklärt der Ex-Hockeyaner. Der Sport sei für ihn eine Lebensschule gewesen: «Insbesondere weil man lernt, auch einmal zu verlieren.» Wallisellens SVP-Gemeindepräsident und Kantonsratskandidat Bernhard Krismer ist ebenfalls ein grosser Fan des Eishockeys, wie er auf seiner Internetseite schreibt. Er zeigt sich im Netz vor allem mit seiner Familie. Doch auch das funktioniert laut Baumann nicht. «Die Familie sieht aus, als wäre sie aufs Bild gezwungen worden», sagt er. Krismer verteidigt sich: «Ich könnte meine politische Arbeit nicht machen ohne meine Familie.» Diese würde ihm stets den Rücken stärken, und sie sei gerne aufs Foto gekommen. Baumann geht es in seinen Aussagen nicht um blosse Provokation. Vielmehr deckt er seiner Meinung nach fehlerhafte Kommunikationsstrategien auf. Ihm gefällt zwar, dass manche der Bilder der Volksvertreter ehrlich sind und nicht gestellt wirken. Doch: «Die Konkurrenz einer Internetseite eines Politikers ist nicht die eines anderen Politikers, sondern die grossen Nachrichtenportale», sagt er. Und dagegen könne man nicht mit selbst gebastelten Internetseiten und Privatfotos antreten. Auch die Nutzung von Facebook müsse von Politikern sorgfältig erfolgen. Einfach das private Profil der Allgemeinheit zugänglich zu machen, sei ein Fehler. «Auch Homestorys in der‹Schweizer Illustrierten› sind für Politiker absolut verboten», sagt er. Nicht alle inszenieren sich Nicht alle Unterländer Politiker zeigen sich denn auch so privat wie die oben erwähnten. Einige setzen ganz bewusst nur auf zurückhaltende Aufnahmen. «Die Leute wählen einen Politiker und nicht sein Umfeld», sagt zum Beispiel der Klotener EVP-Kantonsrat Peter Reinhard. Er veröffentlicht keine Familien- oder Jugendaufnahmen im Internet. «Bei den Wahlen geht es um die Politik und um nichts anderes.» Der bärtige SP-Kantonsrat Thomas Hardegger aus Rümlang im Jahr 1984. Der grünliberale Kantonsrat Jörg Mäder in jüngeren Jahren am Computer. SVP-Kantonsrat Heinrich Frei spielte einst für den EHC Kloten. Priska Seiler Graf, SP-Kantonsrätin aus Kloten, zeigt sich mit Babybauch.

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