Zum Hauptinhalt springen

Bankrat Stocker kaufte Euros

Gesehen & Gehört So ungerecht und so schmutzig kann Politik sein: Die ganze Welt schaute nach Bern, als Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand seinen Rücktritt bekannt gab. Und in Zürich diskutierte der Kantonsrat mit Verve über die verschiedenen Methoden der Gülleausbringung, über Schleppschlauchtechnik und Hofdüngermanagement (siehe oben). Die Zürcher Kantonsräte sind überzeugt, dass das Mistmanagement der Bauern für die Menschheit wichtiger ist als das Missmanagement von Hildebrand bezüglich seiner Frau. Obstfachmann Robert Brunner (Grüne, Steinmaur) sagte es so: «Bei zu viel Ammoniak im Boden finden die Wurzeln keinen Halt mehr, und die Bäume stehen bloss noch aus Gewohnheit.» Also: lieber mehr Dünger für den Euro als für unsere Wälder. * Während der Rat im Saal engagiert über Gülle diskutierte, wartete draussen im Foyer Regierungsrat Ernst Stocker (SVP). Er steht wie kein anderer genau zwischen diesen beiden Welten. Als gelernter Bauer ist ihm der Mist näher als die Geldpolitik, als Zürcher Volkswirtschaftsdirektor aber sitzt er im Bankrat der Nationalbank. Stocker gestand, dass auch er getradet hat, und zwar ebenfalls im heiklen letzten Sommer: 1500 Euro für die Ferien in Italien. «Den Rest habe ich mit Kreditkarte bezahlt.» Und wie Hildebrand hat auch Stocker eine starke und selbstbewusste Frau, die in gewissen Dingen schneller ist, als es ihrem Mann lieb sein kann: Christine Stocker wurde an regionalen Meisterschaften schon zweimal Melkkönigin – weit vor ihrem Mann. Ernst Stocker ist als Bankrat gefragter Experte, wenn es um die Ausschüttung der Nationalbank an die Kantone geht. Denn da gehts um mehr als eine milde Spende an die Berghilfe. Bekommt Zürich 116 Millionen Franken, oder bleibt der Geldsegen diesmal aus? «Wir wissen es noch nicht», sagt Stocker – und lässt sich im Foyer des Rathauses mit Polizeidirektor Mario Fehr (SP) auf eine Wette ein. Fehr wettete mit Stocker ein Nachtessen. Stocker glaubt nicht an die Nationalbankmillionen, Fehr hingegen schon. Der Entscheid ist für den Kanton nach der verweigerten Steuererhöhung von grosser Bedeutung: Muss an Schulen und Spitälern hart oder nur halbbatzig gespart werden? * SVP-Fraktionschef Hans Frei (Regensdorf) geisselte im Rat den Entscheid der Pensionskasse BVK, ihre Wertschriften von der amerikanischen Investmentbank J. P. Morgan verwahren zu lassen. Banker und FDP-Kantonsrat Hans-Peter Portmann (FDP, Thalwil) schüttelte darüber nur den Kopf und stänkerte: «Die SVP kriegt sicher auch von J. P. Morgan Screenshots und damit volle Transparenz.» * Wichtigste Frage im Moment bei der FDP: Bleibt Beat Walti (Zollikon) nach den durchzogenen Wahlresultaten als Parteipräsident? Heute Abend nimmt der Parteivorstand eine Auslegeordnung vor. Walti selber: «Ich gebe vor dieser Sitzung keinen öffentlichen Barometerstand ab.» Redseliger sind seine Schäfchen. Regine Sauter (Zürich), die neue Direktorin der Handelskammer: «Walti ist ein Superpräsident, ich würde es begrüssen, wenn er bleibt.» Gabriela Winkler (Oberglatt): «Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit bleibt er.» Und Beat Badertscher (Zürich): «Ich schätze seine sachliche, unaufgeregte Art – ich glaube, er bleibt.» * SP-Fraktionschef Raphael Golta (Zürich) ist ein Computerfreak von Kindsbeinen an. Programmieren lernte er auf dem legendären Commodore 64; heute ist er, wie fast die halbe SP-Fraktion, Apple-Fan. In dieser Eigenschaft hat Golta erreicht, wovon viele bloss träumen: Er hat eine App für iPhone und iPad entwickelt, die gratis über den App-Store heruntergeladen werden kann. Ein Quotenheuler ist die App noch nicht – und wird es wohl auch nie werden: Denn sie eignet sich nicht zum Gamen, sondern widmet sich dem Kantonsrat Zürich. Einen gewissen Spassfaktor allerdings hat Golta integriert: Ein Abstimmungsrechner liefert – neben Traktandenliste und Sitzplan – eine genaue Vorschau, sofern man das Verhalten der Parteien kennt. Bisherige Downloads: «Gut 100», wie Golta sagt, «sogar einige aus dem Ausland.»Ruedi Baumann Beat Walti bleibt wahrscheinlich FDP-Präsident. Foto: Nicola Pitaro Ernst Stocker hat als Bankrat im Sommer Euros gekauft. Foto: Dominique Meienberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch