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Bauern fürchten um ihr Land

Die Umsetzung des neuen Gewässerschutzgesetzes sorgt bei den Bauern im Oberland für rote Köpfe.

Von Werner Gubser Hinwil – Das Interesse an der diesjährigen Regionalversammlung der Oberländer Bauern war gross: Weit über hundert Landwirte strömten in den Hirschen in Hinwil. Grund dafür war das Thema: die Umsetzung des neuen Gewässerschutzgesetzes. Als Gegenvorschlag zur eidgenössischen Renaturierungsinitiative genehmigten National- und Ständerat vor zwei Jahren den neuen Rechtserlass. Dieser sieht vor, im Verlauf der kommenden 80 Jahre rund ein Viertel der stark verbauten Gewässer in der Schweiz zu revitalisieren. Der Zürcher Bauernverband (ZBV) lud zwei Vertreter des Kantons ein. Den Chef des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) Jürg Suter und Gerhard Stutz von der Abteilung Wasserbau. Sie erläuterten die Konsequenzen des neuen Gesetzes. Für den Kanton Zürich ist vorgesehen, an den insgesamt 1750 Kilometern kanalisierten oder eingedolten Gewässern auf einer Länge von 400 Kilometern natürliche Ufer anzulegen. Dies hat im Verlauf von 80 Jahren zu geschehen. Nur 20 Jahre Zeit bleibt indes, um die ersten 100 Kilometer Bäche wiederzubeleben. Laut Gerhard Stutz hat der Kanton Zürich einen weit grösseren Anteil verbauter Gewässer als die übrige Schweiz. Düngung einschränken Im neuen Gesetz erfahren auch die geschützten Ufer eine andere Regelung. Einschränkungen sind für die Düngung vorgesehen. Neue Strassen und Wege dürfen nur noch ausserhalb der Uferzone erstellt werden. Dazu gibt es neue Vorschriften wegen des Hochwasserschutzes. Während der Ausführungen von Stutz und Suter war unter den Zuhörern hie und da ein Murren zu vernehmen. «Wir können kaum etwas dagegen unternehmen. Wir dürfen nur nicken, Ja und Amen sagen. Die Landwirtschaft wird mehr und mehr beschnitten», hiess es. Gerhard Stutz versuchte zu beschwichtigen: «Die Auswirkungen für die Landwirte werden kaum spürbar sein. 90 Prozent der Gewässer sind nicht betroffen.» Es werde sich für die Bauern nicht viel ändern, beruhigte er. Dass sich die Landwirte überrumpelt fühlen und bei ihnen das neue Gesetz auf Skepsis stösst, machten verschiedene Votanten deutlich. «Bäche, die durch erstklassiges Ackerland fliessen, dürfen doch nicht revitalisiert werden», wandte ein Landwirt ein. Er wurde lauter und bezeichnete es als dicke Post, dass in den neuen Bestimmungen davon nichts erwähnt werde. «Viele Hektaren bestes Ackerland werden so geopfert.» Beschwerdefrist verkürzt Ein weiterer Votant hatte Bedenken, dass wegen des breiten Uferstreifens viel mehr Agrarland verschwendet werde, als man sich jetzt vorstelle: Die revitalisierten Bäche würden ja nicht mehr geradeaus fliessen. Ob der Kanton die Art des Uferschutzes festlegen werde und ob die Gemeinden nichts zu sagen hätten, wollte ein anderer wissen. Awel-Chef Suter glaubt, dass da von Fall zu Fall abgewägt werde. Möglicherweise werde eine Verlegung des Gewässers ins Auge gefasst. In der Kritik stand auch das Vorgehen des Regierungsrats. Dieser habe am 6. Januar eine Verordnung über den Hochwasserschutz und die Wasserschutzpolizei erlassen und dabei die Beschwerdefrist auf 10 Tage verkürzt, sagte ZBV-Präsident Hans Staub. Gerade noch rechtzeitig habe der Bauernverband beim Verwaltungsgericht eine Beschwerde eingereicht.

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