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Baupleitiers zogen gutgläubigen Anlegern 20 Millionen Franken aus der Tasche Baupleitiers zogen Anlegern 20 Millionen aus der Tasche

Rund 500 Menschen haben ihr Geld verloren, das sie in die Effretiker Baugenossenschaft Isenbach investierten. Involviert ist auch der Zürcher Baupleitier Fritz Kündig. Nun läuft eine Strafuntersuchung gegen die Verantwortlichen. Mehr als 500 Menschen haben ihr Geld verloren, das sie in eine Effretiker Wohnbaugenossenschaft investiert hatten. Involviert ist auch der Zürcher Baupleitier Fritz Kündig. Nun läuft eine Strafuntersuchung.

Von René Donzé Winterthur – Maya Huber* ist konsterniert und wütend. Vor einigen Jahren hat sie eine sechsstellige Summe in die Effretiker Wohnbaugenossenschaft Isenbach investiert. Nun ist das Geld weg. Höchstens wenige Tausend Franken wird sie noch zurückerhalten – wenn sie Glück hat. So wie ihr wird es 538 anderen Menschen aus der ganzen Schweiz gehen. Sie investierten zwischen wenigen Tausend und mehreren Hunderttausend Franken in Anteilscheine, weil sie glaubten, dass Anlagen in Immobilien sicher seien. Dass dem nicht so war, haben sie erst vor wenigen Wochen erfahren. An der ausserordentlichen Generalversammlung hat ihnen Unternehmensberater Urs Mantel eröffnet, dass praktisch das gesamte Genossenschaftskapital von 22 Millionen Franken verschwunden ist. Das Eigenkapital ist auf 1,2 Millionen Franken geschrumpft. «Die Situation ist katastrophal», sagte Mantel. Der einzige Ausweg sei eine «geordnete Liquidation» der Firma, um zu retten, was noch zu retten ist. Viel wird es nicht sein. Rund fünf Prozent des einbezahlten Kapitals dürften die Genossenschafter als «Liquidationsdividende» erwarten. Hotelprojekt in den Sand gesetzt Sie sind einer Firma aufgesessen, in denen zwei Unternehmer die Fäden zogen, die in der Branche einen zweifelhaften Ruf geniessen. Die Wohnbaugenossenschaft hat in der ganzen Schweiz Dutzende von Mehrfamilienhäusern erstellt, die sie verkauft oder vermietet. Verwaltungsratspräsident war bis vor kurzem der Effretiker Rolf Müller. Müller war auch bis Dezember 2009 Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Bad Rans, die in Sevelen einen Hotel- und Wellnesskomplex für 140 Millionen plante, aber nie baute. Über diese Firma hat das Kantonsgericht des Kantons St. Gallen im Mai den Konkurs eröffnet. An der Seveler Fehlplanung beteiligt war sein langjähriger Weggefährte Friedrich «Fritz» Kündig, der vor allem in den 80er- und 90er-Jahren mit Immobilienpleiten für Schlagzeilen und Strafverfahren sorgte. Kündig soll im Hintergrund auch an verschiedenen Projekten der Isenbach beteiligt gewesen sein – unter anderem in Schinznach und Gams. Erst im Frühjahr hatte das Zürcher Obergericht Kündig wegen mehrfacher Veruntreuung verurteilt, in einem Fall, der schon zweimal vor Bundesgericht lag. Kündig hat erneut Berufung eingelegt.Urs Mantel hat die Isenbach-Genossenschafter kürzlich in einem Brief gewarnt, dass «im Hintergrund Fritz Kündig an den Fäden zu ziehen versucht und dreckelt». Er bat sie, allfällige Kontaktversuche durch Kündig und Müller zu ignorieren. «Die Herren haben offenbar den Ernst der Lage noch nicht erkannt.» «Schludrige Projektleitung» Aufgedeckt hat die desolate Lage der neue Isenbach-Geschäftsführer Rudolf Bieri, der von Mitgliedern der Verwaltung beigezogen wurde, weil sie Zweifel an den ausgewiesenen Geschäftszahlen hatten. Bieri stellte fest, dass die Projekte zum Teil massiv überbewertet waren, und liess die Liegenschaftenbewertung extern überprüfen. Bieri spricht von «schludriger Projekt- und Bauleitung» und «mangelhafter Kalkulation». Dadurch entstand der Firma ein Verlust von gegen 20 Millionen Franken. Das Geld hat sich aber nicht in Luft aufgelöst. «Die neue Verwaltung prüft, ob und welche Personen sich durch ungerechtfertigte Honorare oder andere Bezüge widerrechtlich oder in betrügerischer Absicht bereichert haben», sagt Isenbach-Sprecher Ruedi Messmer. So wurden etwa Rechnungen bezahlt für nicht bezogene Leistungen und Rechnungen doppelt gestellt. Es besteht der Verdacht, dass sich Müller und Kündig für Dienstleistungen über Gebühr honorieren liessen. Profitiert haben aber auch die Vermittler, die für die Wohnbaugenossenschaft Isenbach Genossenschafter akquirierten. Laut Bieri beliefen sich die Kosten der Kapitalvermittlung auf 9 Prozent des vermittelten Kapitals.Maya Huber hätte nie geglaubt, dass etwas mit ihrer Geldanlage nicht stimmen könnte. Schliesslich warf sie am Anfang eine gute Rendite ab. Den Genossenschaftern wurden Zinsen von 5 Prozent ausbezahlt – auch vorletztes Jahr noch, als die Firma bereits rote Zahlen schrieb. Die «Zinsen» wurden indes nicht aus Gewinnen, sondern aus neuen Genossenschaftsbeiträgen berappt. Müller wittert eine Intrige Weder Kündig noch Müller waren für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erreichen. In einem Schreiben an die Genossenschafter spricht Müller von einer «Intrige» gegen ihn und «aktenwidrig dargestellten Sachverhalten». Er ist noch vor der ausserordentlichen GV im Mai aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt haben die Genossenschafter den Unternehmensberater Urs Mantel. Die Firma ist nach Winterthur umgezogen. Am Dienstag kommt es im Technopark Zürich zur regulären Generalversammlung, an der auch über die Liquidation der Wohnbaugenossenschaft Isenbach abgestimmt wird. Maya Huber wird zustimmen. Sie will aber auch Gerechtigkeit. Deshalb hat sie, wie viele andere Geschädigte, Strafanzeige eingereicht wegen vorsätzlichen Betrugs, Fälschung und Misswirtschaft. Der Fall liegt beim St. Galler Untersuchungsamt für Wirtschaftsdelikte, wie ein Sprecher bestätigt. Aus ermittlungstaktischen Gründen dürfe er aber weder zu den angeschuldigten Personen noch zu den untersuchten Delikten Auskunft geben. * Name geändert.

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