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Bei den PsalmsängernDas Gebet als monotoner Gesang

Bei den PsalmsängernMario Spiekermann lehrt in Meilen die Kunst des Psalmgesangs. Mario Spiekermann lehrt in Meilen die Kunst des Psalmgesangs. Was für Laien tönen mag, als hätte die Platte einen Sprung, ist eine uralte Form des christlichen Gebets.

Von Lorenzo Petrò Meilen – Mario Spiekermann steht wie ein Fels hinter dem Klavier im Meilemer Kirchgemeindehaus. Über seinen breiten Schultern spannt die Strickjacke. Locker lässt er seine Schultern fallen. Seine Schüler tun es ihm gleich. Auf die Atemübungen folgen Tonleitern. Spiekermann bearbeitet einhändig die Tasten. «Einen noch, einen noch», sagt er, und lässt seine Schützlinge höhere und höhere Töne singen. Solche gibt es auch in der Schweiz zu leisten, das wurde Spiekermann bald klar: Das Singen von Psalmen hat hierzulande nur noch in wenigen Kirchen Tradition. «Es sind vielfältige Texte zu allen erdenklichen Lebenssituationen. Seit 20 Jahren engagiert sich Spiekermann als Organist und Chorleiter. Ihm ist wichtig, dass der Gottesdienst lebendig ist und von möglichst vielen Mitwirkenden getragen wird. Deshalb liegt ihm der Kantorendienst so am Herzen. Aber ausgebildete Kantoren und Kantorinnen sind Mangelware. Alte Tradition wiederbelebt Die Stadtzürcher Liebfrauenkirche hat die Tradition zwar erfolgreich wiederbelebt. Aber auch die Liebfrauen-Kantorin Gisela Cöppicus kann noch neues lernen in Spiekermanns Kurs. «Mir fehlte der theologische Hintergrund», sagt sie. Die Erlenbacher Lektorin Irena Alpert ist selbst auf den Geschmack gekommen: Psalmen kämen einfach zu kurz, sagt sie. Kurz darauf gab ihm das Radio die Möglichkeit, für seinen Kurs zu werben, «sogar mit Gesangsbeispiel», sagt er nicht ohne stolz. Spiekermanns Ruf sind nicht nur Frauen gefolgt. «Heute ist die Kirche ja sehr offen, da bietet es sich doch an, einmal zusammenspannen.» Apfelschorle hilft Die Sache hat erst einmal auch mehr mit dem korrekten Lesen eines Hexameters oder eines anderen lateinischen Versmasses zu tun, denn mit Meditation. Ein Psalmton ist eine vorgeschriebene Tonabfolge, notiert in einer speziellen Abwandlung der Notenschrift. Sie nimmt einen grossen Schluck Apfelschorle. Davon wird noch viel getrunken an diesem Abend. Doch es geht besser und besser, und nach eineinhalb Stunden üben, tönt der Singsang immer ruhiger. «Es tönt halt etwas monoton», sagt eine Teilnehmerin fast entschuldigend. Doch Yogalehrer Rohrbach lächelt zufrieden. Und Kursleiter Spiekermann tut es ihm gleich. Von Lorenzo Petrò Meilen – Mario Spiekermann steht wie ein Fels hinter dem Klavier im Meilemer Kirchgemeindehaus. Über seinen breiten Schultern spannt die Strickjacke. Locker lässt er seine Schultern fallen. Seine Schüler tun es ihm gleich. Auf die Atemübungen folgen Tonleitern. Spiekermann bearbeitet einhändig die Tasten. «Einen noch, einen noch», sagt er, und lässt seine Schützlinge höhere und höhere Töne singen. Dann geht es endlich zur Sache: Auf dem Kursprogramm stehen die Psalmtöne V und VI. Spiekermann ist Diakon in der katholischen Kirche Meilen, seit 6 Monaten erst, vorher weilte er mit Frau und drei Kindern zehn Jahre lang im deutschen Osten und leistete als Religionspädagoge Aufbauarbeit. Solche gibt es auch in der Schweiz zu leisten, das wurde Spiekermann bald klar: Das Singen von Psalmen hat hierzulande nur noch in wenigen Kirchen Tradition. Die uralten Gebete werden im Wechsel mit der Kirchgemeinde während der Messe gesungen. «Es sind vielfältige Texte zu allen erdenklichen Lebenssituationen. Gebete, in denen sich jeder mit seinen Sorgen und Nöten wiederfinden kann.»Seit 20 Jahren engagiert sich Spiekermann als Organist und Chorleiter. Ihm ist wichtig, dass der Gottesdienst lebendig ist und von möglichst vielen Mitwirkenden getragen wird. Deshalb liegt ihm der Kantorendienst so am Herzen. Aber ausgebildete Kantoren und Kantorinnen sind Mangelware. Die Stadtzürcher Liebfrauenkirche hat die Tradition zwar erfolgreich wiederbelebt. Aber auch die Liebfrauen-Kantorin Gisela Cöppicus kann noch Neues lernen in Spiekermanns Kurs. «Mir fehlte der theologische Hintergrund», sagt sie. Ihre neun Mitstudenten sind meist weniger weit als sie: Claudia Hiltbrunner ist Chorsängerin in Volketswil und soll im Januar erstmals Solo als Kantorin wirken. Die Erlenbacher Lektorin Irena Alpert ist selbst auf den Geschmack gekommen: Psalmen kämen einfach zu kurz, sagt sie. Als Lektorin liest sie während der Gottesdienste bereits aus der Bibel vor, und nun würde sie sich gerne auch als Kantorin engagieren. Aufmerksam geworden auf Spiekermanns Kantorenkurs sind die hiesigen katholischen Kirchgemeinden wegen Spiekermanns unbescheidener Werbeaktion: Als sich in einer ersten Ausschreibung nur gerade zwei Personen aus Meilen für seinen Kurs anmeldeten, eine davon gar reformiert, entschied er zusammen mit dem Generalvikar, den Kurs zu öffnen und die Medien zu informieren. Kurz darauf gab ihm das Radio die Möglichkeit, für seinen Kurs zu werben, «sogar mit Gesangsbeispiel», sagt er nicht ohne stolz. Spiekermanns Ruf sind nicht nur Frauen gefolgt. Doch auch die Tradition des katholischen gesungenen Gebets interessierte ihn. Und sie tut es noch: Er hat noch keinen Termin geschwänzt, wie alle Kursteilnehmer. Yogalehrer Rohrbach schwebt eine gemeinsame Meditation seiner Schüler mit einer katholischen Kirchgemeinde, eine Form des gemeinsamen Gebetes, vor. «Heute ist die Kirche ja sehr offen, da bietet es sich doch an, einmal zusammenzuspannen.» Apfelschorle hilft Die Sache hat erst einmal auch mehr mit dem korrekten Lesen eines Hexameters oder eines anderen lateinischen Versmasses zu tun, denn mit Meditation. Ein Psalmton ist eine vorgeschriebene Tonabfolge, notiert in einer speziellen Abwandlung der Notenschrift. «Die Schwierigkeit beim Singen besteht darin, dieses Gesangsmodell auf den Psalmtext anzupassen», erklärt die Liebfrauen-Kantorin, als ihr zwischendurch kurz die Stimme versagt. Doch es geht immer besser. Nach eineinhalb Stunden üben tönt der Singsang immer ruhiger. «Es tönt halt etwas monoton», sagt eine Teilnehmerin fast entschuldigend. Doch Yogalehrer Rohrbach und Kursleiter Spiekermann lächeln zufrieden. Auf die Details in den Texten komme es nicht immer an, sagt Spiekermann, «sondern vielmehr darum, ein Bild des Psalmes aufzunehmen und zu meditieren.» Von Lorenzo Petrò Meilen – Mario Spiekermann steht wie ein Fels hinter dem Klavier im Meilemer Kirchgemeindehaus. Über seinen breiten Schultern spannt die Strickjacke. Er atmet langsam und tief ein und stösst die Luft in kurzen Sequenzen wieder aus. Locker lässt er seine Schultern fallen. Seine Schüler tun es ihm gleich. Auf die Atemübungen folgen Tonleitern. Spiekermann bearbeitet einhändig die Tasten. «Einen noch, einen noch», sagt er, und lässt seine Schützlinge höhere und höhere Töne singen. Dann geht es endlich zur Sache: Auf dem Kursprogramm stehen die Psalmtöne V und VI. Spiekermann ist Diakon in der katholischen Kirche Meilen, seit sechs Monaten erst, vorher weilte er mit Frau und drei Kindern zehn Jahre lang im deutschen Osten und leistete als Religionspädagoge Aufbauarbeit. Solche steht auch in der Schweiz an, das wurde Spiekermann bald klar: Das Singen von Psalmen hat hierzulande nur noch in wenigen Kirchen Tradition. Die uralten Gebete werden im Wechsel mit der Kirchgemeinde während der Messe gesungen. «Es sind vielfältige Texte zu allen erdenklichen Lebenssituationen. Gebete, in denen sich jeder mit seinen Sorgen und Nöten wiederfinden kann.»Seit 20 Jahren engagiert sich Spiekermann als Organist und Chorleiter. Ihm ist wichtig, dass der Gottesdienst lebendig ist und von möglichst vielen Mitwirkenden getragen wird. Deshalb liegt ihm der Kantorendienst so am Herzen. Aber ausgebildete Kantoren sind Mangelware. Die Stadtzürcher Liebfrauenkirche hat die Tradition zwar erfolgreich wiederbelebt. Aber auch die Liebfrauen-Kantorin Gisela Cöppicus kann noch Neues lernen in Spiekermanns Kurs. «Mir fehlte der theologische Hintergrund», sagt sie. Ihre neun Mitstudenten sind meist weniger weit: Claudia Hiltbrunner ist Chorsängerin in Volketswil und soll im Januar erstmals solo als Kantorin wirken. Die Erlenbacher Lektorin Irena Alpert ist selbst auf den Geschmack gekommen: Psalmen kämen einfach zu kurz, sagt sie. Alpert würde sich gerne als Kantorin engagieren. Spiekermann wirbt im Radio Aufmerksam geworden auf Spiekermanns Kantorenkurs sind die hiesigen katholischen Kirchgemeinden wegen Spiekermanns unbescheidener Werbeaktion. Als sich in einer ersten Ausschreibung nur gerade zwei Personen aus Meilen für seinen Kurs anmeldeten, entschied er zusammen mit dem Generalvikar, den Kurs zu öffnen und die Medien zu informieren. Kurz darauf gab ihm das Radio die Möglichkeit, für seinen Kurs zu werben, «sogar mit Gesangsbeispiel», sagt er nicht ohne Stolz. Spiekermanns Ruf sind nicht nur Frauen gefolgt. Urs Rohrbach ist der einzige Mann an diesem Abend und noch aus einem anderen Grund ein Exot: Er ist Yogalehrer und singt als solcher normalerweise Mantras. Doch auch die Tradition des katholischen gesungenen Gebets interessierte ihn. Und sie tut es noch: Er hat noch keinen Termin geschwänzt, wie alle Kursteilnehmer. Yogalehrer Rohrbach schwebt eine gemeinsame Meditation seiner Schüler mit einer katholischen Kirchgemeinde, eine Form des gemeinsamen Gebets, vor. «Heute ist die Kirche ja sehr offen, da bietet es sich doch an, einmal zusammenzuspannen.» Details sind nicht immer wichtig Als die Sänger loslegen – sie repetieren die im Kurs bereits gelernten Psalmtöne und lernen zwei neue –, hört sich das zeitweise an wie in der Logopädiegruppe: Es stottert und stockt. Die Sache hat erst einmal auch mehr mit dem korrekten Lesen eines Hexameters oder eines anderen lateinischen Versmasses zu tun denn mit Meditation. Ein Psalmton ist eine vorgeschriebene Tonabfolge, notiert in einer speziellen Abwandlung der Notenschrift. «Die Schwierigkeit beim Singen besteht darin, dieses Gesangsmodell auf den Psalmtext anzupassen», erklärt die Liebfrauen-Kantorin. Doch es geht immer besser. Nach eineinhalb Stunden Üben tönt der Singsang immer ruhiger. «Es tönt halt etwas monoton», sagt eine Teilnehmerin fast entschuldigend. Doch Yogalehrer Rohrbach und Kursleiter Spiekermann lächeln zufrieden. Auf die Details in den Texten komme es nicht immer an, sagt Spiekermann, «sondern vielmehr darum, ein Bild des Psalmes aufzunehmen und zu meditieren». Mario Spiekermann (rechts) will den Psalmgesang verbreiten. Foto: Dieter Seeger

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