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Bevor der neue Gubrist kommt, wird der alte saniert Stau am Tag, fräsen in der Nacht

Tagsüber ist das berüchtigtste Nadelör der Schweiz meistens verstopft. Nachts ist es nicht viel besser, weil eine von zwei Röhren gesperrt wird. Grund: Für 75 Millionen muss die Belüftung erneuert werden.Tagsüber ist der Gubristtunnel meistens verstopft, nachts wird er unter grösstem Zeitdruck saniert.

Von Ruedi Baumann Weiningen/Regensdorf – Für normale Arbeiter wäre das Horror: Arbeitsbeginn um 20.30 Uhr, Arbeitsschluss um 5 Uhr. Vor allem aber müssen die 40 Arbeiter, die an sechs Nächten in der Woche im Turnus arbeiten, den Tunnel bis Punkt 5 Uhr blitzblank aufgeräumt haben. Dann zwängt sich der Verkehr wieder durch beide Röhren. Nur in der «Ausgangsnacht» vom Freitag auf den Samstag ist Pause, weil es sonst bis weit nach Mitternacht zu Staus käme. Warum, so fragen sich 115 000 Autofahrer, die sich täglich durch den Tunnel drängen, muss jetzt noch saniert und schikaniert werden, wenn doch bald die dritte Röhre kommt? «Die Lüftung muss dringend ersetzt werden», sagt Gesamtprojektleiter Marco Knecht vom Bundesamt für Strassen. Sein Argument: «Der Tunnel ist 25 Jahre alt, Elektronik und Elektrotechnik haben sich komplett verändert.» Ziel der Sanierung ist es, den Tunnel im Brandfall möglichst sicher zu machen. Kosten: 75 Millionen Franken. Vorbild ist der Uetlibergtunnel. Die Letzten fahren bei Rot durch Tagsüber auch nur eine Glühbirne auszuwechseln, ist unmöglich ohne kilometerlangen Rückstau. Deshalb nutzt ein seit 2008 eingespieltes Team von Bauarbeitern, Elektrikern und Kranführern die Nacht. Nur schon die Tunnelsperrung um 20.30 Uhr ist eine Meisterleistung. Zuerst wird die Röhre Richtung St. Gallen auf eine Spur reduziert, dann die Röhre Richtung Bern gesperrt und schliesslich der Verkehr beim Portal Regensdorf auf die Gegenfahrbahn geleitet. Dabei lernt man die Autofahrer sehr gut kennen. «Die Letzten schlüpfen auch bei Rot noch durch», sagt Marco Knecht. Sicherheit für die Arbeiter bietet erst ein quer gestellter Lastwagen. Weil die neue Belüftung grundlegend anders funktioniert, muss im Portalbereich die Zwischendecke auf je 180 Metern abgebrochen werden. Mit Fräsen werden 2-Meter-Schnitze herausgetrennt, mit dem Kran auf Lastwagen verladen und entsorgt. Die zusätzliche Deckenhöhe wird für je vier Strahlventilatoren im Eingangsbereich benötigt. Clevere Lüftung bei Autobrand So funktioniert das neue Belüftungssystem: Im Brandfall – durchschnittlich einmal pro Jahr – sprechen optische und termische Detektoren an, der Tunnel wird gesperrt, die beiden grossen, je 1000 PS starken Axialventilatoren in der Tunnelmitte springen an und blasen den Rauch über den Abluftkamin 150 Meter hoch in den Wald auf dem Gubrist. Die Brandklappen in der Tunneldecke und die Ventilatoren werden durch Computer so gesteuert, dass der Rauch automatisch an der richtigen Stelle abgesogen wird und der Rest des Tunnels möglichst sauber bleibt. Die alte Entlüftung konnte weniger gut gesteuert werden. Pro Nacht fräsen die Arbeiter zehn Meter Decke weg. Bis 5 Uhr morgens müssen Lampen und Signale wieder funktionieren. «Wenn wir den Tunnel nicht pünktlich öffnen, droht sofort der Kollaps», sagt Marco Knecht. Die wichtigsten Arbeiten sind bis Ende 2011 abgeschlossen, aber auch 2012 wird es noch zu nächtlichen Sperrungen kommen. Eine Fräse schneidet die Tunneldecke streifenweise weg, damit es Platz gibt für die grossen Ventilatoren. Fotos: Dominique Meienberg Das weggefräste Element wird verladen und entsorgt – morgens um 5 Uhr merkt der Autofahrer nichts mehr von den Arbeiten.

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