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Bezirksgericht verurteilt den Raser von Gerlisberg

Der 21-jährige Unfallverursacher hat das Leben zweier Kollegen auf dem Gewissen. Darunter hat er heute noch stark zu leiden.

Von Fabian Boller Bülach/Kloten &endash «Ich lag am Boden und wusste nicht, ob ich je wieder aufstehen kann.» So schilderte der 21-jährige Kevin H.* sein Befinden nach dem schweren Unfall vom Gerlisberg des vergangenen Jahres gestern vor dem Bülacher Bezirksgericht. Weil er auf der schmalen Strasse zu schnell fuhr &endash etwa 100 km/h sollen es laut seiner Aussage gewesen sein &endash hat Kevin H. zwei Menschenleben auf dem Gewissen. Vor dem Richter bekannte er sich in allen Anklagepunkten für schuldig und wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von acht Monaten verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Allerdings ging es gestern gar nicht so sehr um das Urteil. Der Prozess war vielmehr ein weiteres Stück Verarbeitung des Geschehenen &endash sowohl für den Angeklagten, wie für die Angehörigen der Opfer, welche ebenfalls vor Gericht erschienen. Kevin H. machte einen angespannten, gar leidenden Eindruck. Als die Vertreterin der Geschädigten schilderte, wie der Stiefvater des einen Opfers die Unfallnacht erlebte, kämpfte er mit den Tränen. Er wolle nie mehr Auto fahren. «Benzin kann ich nicht mehr riechen, und beim Anblick von Blut wird mir übel», sagte er. Nach dem verhängnisvollen Crash war er mehrere Monate arbeitsunfähig und musste sich zwischenzeitlich in psychiatrische Behandlung begeben. «Das Einnehmen von Antidepressiva habe ich dabei stets abgelehnt», sagte er. Er wollte alles auf natürliche Art durchstehen. In einer emotionalen Schlussrede sprach er allen Angehörigen nochmals sein Beileid aus. Diese leiden weiterhin täglich unter dem Verlust. Für sie wird der Fall wohl nie abgeschlossen sein. 20 Meter weit geschleudert Der Unfall hatte landesweit Schlagzeilen gemacht: In jener Freitagnacht auf den 2. Oktober kurz nach 1 Uhr kamen in Kloten zwei Jugendliche bei einem spektakulären Unfall zu Tode. Auf dem Heimweg fuhr ihr damals 20-jähriger Kollege mit seinem Geschäftswagen von Gerlisberg hinunter nach Kloten. Ausgangs einer lang gezogenen Linkskurve oberhalb von Kloten knallte das Auto seitlich in einen Baum. Der Lenker und zwei weitere Mitfahrer hatten Glück und kamen teils unverletzt davon. Der 18-jährige Duarte und die 16-jährige Melina überlebten den Unfall aber nicht. Eines der Opfer wurde beim heftigen Aufprall aus dem Wagen geschleudert und erlag 20 Meter enfernt, im Feld liegend, seinen schweren Verletzungen. Ob es sich um einen «Raserfall» handelte, stand lange Zeit nicht fest, wurde aber heftig diskutiert. Fall rüttelte Bevölkerung auf Der tragische Unfall rüttelte die Bevölkerung und insbesondere die Freunde der beiden Opfer auf. So wurde der Ruf nach einer Temporeduktion von 80 auf 60 Stundenkilometer laut. Eine Mädchengruppe sammelte über 1500 Unterschriften und hat damit «offene Türen eingerannt», wie die zuständige Stadträtin Priska Seiler (SP) damals erklärte. Auch der Klotener Stadtrat machte sich beim Kanton für die Sicherheit auf der besagten Strecke stark. Von Massnahmen wie Leitplanken setzen, Bäume fällen und Gräben zuschütten ist die Rede. Ob dies passieren wird, ist laut Thomas Grädel, Leiter der Sicherheitsabteilung der Stadt Kloten, noch ungewiss. «Derzeit finden Abklärungen statt», sagt er. Ein benötigtes externes Verkehrsgutachten liegt erst jetzt vor. Grädel rechnet in wenigen Wochen mit einem Entscheid. * Name geändert

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