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Blumenkränze für die Toten, Bären für die Lebenden

Der russische Präsident Dmitri Medwedew besuchte gestern in der Innerschweiz historische Orte. Seine Frau schenkte Bern zwei Bären und ass später in der Nähe der Zürcher Langstrasse.

Scharfschützen in den Hügeln, diskrete russische Bodyguards und das unaufhörliche Rattern der Helikopter prägten auch den zweiten Tag des Besuchs von Dmitri Medwedew. Selbst die Musiker der russischen Militärkapelle, die vor dem Suworow-Denkmal bei Andermatt für den russischen Präsidenten aufspielten, mussten sich vor ihrem Auftritt einer strengen Kontrolle unterziehen. Etwas ratlos wirkten dabei die Tuba- und Susafon-Bläser, als sie unter ohrenbetäubendem Piepen ihre riesigen Instrumente durch den engen Metalldetektor zwängten.

Weiter unten in der engen Schöllenen mussten die uniformierten Musiker dann lange auf den hohen Besuch warten. Als die Sonne langsam über die Gipfel stieg und ein gespenstiges Licht in die Schlucht warf, meinte ein russischer Journalist, dass die schroffen Felsen und die tosende Reuss stark an die tschetschenischen Berge erinnerten, in denen seit vielen Jahren die Rebellen auf feindliche russische Soldaten lauerten.

Kurz vor Mittag heulten schliesslich die Motoren auf. In einem Tross von 19 Fahrzeugen kam Medwedew angebraust, um vor dem Denkmal der russischen Soldaten zu gedenken, die 1799 in der Schlacht gegen Napoleons Truppen in der Nähe der Teufelsbrücke ihr Leben liessen.

Ein russischer Wilhelm Tell

Die Feier vor dem Denkmal dauerte nicht länger als 15 Minuten. Zu den Journalisten und Fotografen, die rund 200 Meter entfernt von einer Brücke zuschauen durften, drang nicht mehr als gelegentliche Fetzen der russischen Nationalhymne. Fast unerkennbar aus der Distanz, legte Medwedew einen Kranz nieder.

Der Urner Sicherheitsdirektor Josef Dittli erzählte eine halbe Stunde später, die Feier habe unter den russischen Gästen starke Gefühle geweckt: «Ich habe miterlebt, wie nahe ihnen die Geschichte des Generalissimus Suworow geht.» Er müsse so etwas wie ein russischer Wilhelm Tell sein.

Von der engen Schöllenen bewegte sich der lange Tross dann über die kurvenreiche Strasse hinunter nach Flüelen am Vierwaldstättersee, wo Medwedew das Dampfschiff DS Schiller nach Brunnen bestieg. Wo immer er vorbeikam, waren Strassen, Plätze oder ganze Quartiere gesperrt. Wer in einem Haus oder einer Wohnung an der Reiseroute wohnte, musste gestern die Fenster schliessen und die Vorhänge ziehen. Selbst im Gotthardtunnel durften in Richtung Norden eine Zeit lang keine Autos mehr fahren.

In Schwyz besuchte Medwedew das Bundesbriefmuseum, wo er eine Einführung in die Geschichte des Bundesbriefes erhielt und von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz ein Schweizer Sackmesser entgegennahm. Danach wurde Medwedew offiziell verabschiedet und begab sich zum Flughafen Kloten, wo er am frühen Nachmittag in Richtung Amerika abflog, um an der Uno-Generalversammlung in New York teilzunehmen.

Während Medwedew durch die Innerschweiz reiste, überreichte seine Gattin Swetlana der Stadt Bern die beiden jungen Bären Mischa und Mascha als offizielles Gastgeschenk. Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät revanchierte sich mit einem goldenen Bären von einem Berner Bijoutier und einem grossen Bären aus Schweizer Schokolade. Die beiden in Ussurien gefundenen Bärenwaisen sind im vergangenen Januar geboren. Sie sollen im Oktober gemeinsam mit zwei skandinavischen Braunbären vom Tierpark Dählhölzli in den neu gebauten Bärenpark umziehen.

Im Seidenspinner gegessen

Laut Berichten mehrerer Privatradios reiste Frau Medwedewa danach nach Zürich, wo sie im Restaurant Seidenspinner im Zürcher Langstrassenquartier zu Mittag ass. Anwohner berichteten, dass die Polizei die Strassen im Umkreis des Restaurant gesperrt und parkierte Autos abgeschleppt habe. Der Besitzer des Restaurants, Andy Stutz, ist mit einer Russin verheiratet.

Der russische Gast und Bundespräsident Merz auf dem Dampfschiff DS Schiller.

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