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Böses Erwachen für einen Buchhalter

Mit der Hoffnung auf eine bedingte Strafe erschien der ehemalige Buchhalter des Jugendsekretariats Bülach vor dem Obergericht. Er hat sich gründlich verrechnet.

Von Thomas Hasler Zürich/Bülach – Während Gerichtspräsident Peter Marti am späten Donnerstagnachmittag das Urteil begründete, vergrub der bald 40-jährige Buchhalter das Gesicht in seinen Händen. Damit hatte er nicht gerechnet. Das Bezirksgericht Bülach hatte ihn zwar zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Davon sollte er aber nur 10 Monate unbedingt absitzen. Vor dem Obergericht stellte sein Verteidiger den Antrag, sein Mandant sei mit lediglich 24 Monaten zu bestrafen. Damit hätte die Strafe noch bedingt ausgesprochen werden können, der Gang ins Gefängnis wäre ihm erspart geblieben. Doch das Obergericht hatte in geheimer Urteilsberatung zuvor über das pure Gegenteil gestritten. Der schärfste Richter wurde von seinen beiden Kollegen zwar überstimmt. Doch auch der Mehrheitsentscheid muss den 40-Jährigen schockiert haben: Statt 10 Monate muss er 36 Monate ins Gefängnis – und zwar unbedingt. Fast 1 Million veruntreut Der Mann hatte in seiner Funktion als Rechnungsführer des Jugendsekretariats seine Vertrauensstellung benützt, um zwischen Mai 2002 und August 2006 insgesamt 958 000 Franken zu veruntreuen und für seine eigenen Bedürfnisse zu verwenden. Was das bedeutet, zeigt eine einfache Umrechnung: Während dieser Zeit flossen jeden einzelnen Monat, nebst dem Lohn, 12 773 Franken in seine Taschen. Das meiste Geld habe er für die Anschaffung teurer Autos verwendet. Rund 200 000 Franken flossen in die Kasse seines Vaters, seiner Mutter und seiner Schwester. Das Geld wurde für die Renovation der Familienliegenschaft verwendet. Der Mann, seit kurzem verheiratet und bereits Vater von zwei Kindern, sagte vor Gericht: «Ich verstehe mich heute selber nicht mehr.» Damals habe er das Gefühl gehabt, dass er diese Autos einfach brauche, um jemand zu sein. Es ging «um Gier, Luxus und Status», meinte das Gericht, das dem Buchhalter ein «beachtliches Mass an krimineller Energie und Kreativität» attestierte. Doch warum plötzlich diese massiv erhöhte Strafe? Das Bezirksgericht Bülach hatte den Mann im Zusammenhang mit fast 60 Geldverschiebungen freigesprochen. Weil er dafür jeweils eine Zweitunterschrift benötigte, die ihm blind gewährt wurde, sei ein Straftatbestand der Veruntreuung, das Anvertrautsein des Geldes, nicht erfüllt. Diese Auffassung korrigierte das Obergericht. Zudem hatte auch die Staatsanwaltschaft das erstinstanzliche Urteil angefochten. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, das ihn auch verpflichtet, dem Staat 300 000 Franken abzuliefern, dürfte der 40-Jährige seine neue Arbeitsstelle verlieren. Er war Gesamtverantwortlicher für die Finanzverwaltung einer Einrichtung, die von seinen Verfehlungen keine Kenntnis hatte.

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