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Brauchtum mit Knalleffekt

An der Chlausgeisselchlöpf-Meisterschaft in Steg knallten Männer, Kinder und Frauen. Entscheidend war die Stilnote.

Von Daniel Hess Fischenthal &endash Lautes Knallen. Wieder und wieder, in regelmässigen Abständen. Was ist bloss los im beschaulichen Steg? Ist der Skilift mangels Schnee in eine Schiessanlage umfunktioniert worden? Oder haben sich petardenwerfende FCZ-Fans ins obere Tösstal verirrt? Der Schreck, der Spaziergängern in die Glieder fahren konnte, die am vergangenen Samstagnachmittag der Töss entlangspazierten, erwies sich als unnötig. Gefahr besteht für Passanten keine. Zumindest solange sie den rund zwei Dutzend Teilnehmern der vierten Chlausgeisselchlöpf-Meisterschaft nicht zu nahe kamen. Diese waren es, die für den ohrenbetäubenden Lärm auf dem Skiliftparkplatz verantwortlich waren. Ein Moment des Überschalls Für die überwiegend jungen Chlöpfer sind die Knallgeräusche Musik in den Ohren. «Je lauter, desto besser», sagte der einheimische Dominik Peter, der sich gerade auf seine Darbietung vorbereitete. Schwierig sei das Chlöpfen nicht, er habe es schon im allerersten Training gelernt. Es gelte einfach, mit dem Holzstab der Peitsche über dem Kopf eine Acht zu zeichnen und jeweils im richtigen Moment heftig in die Gegenrichtung zu ziehen, sagte der Zehnjährige, der mit den Jugendgeisselchlöpfern Steg ein- bis zweimal monatlich übt. Dann nämlich erreicht der aus einem farbigen «Busch» bestehende Zwick am Ende des Seils für einen Moment Überschallgeschwindigkeit und verdrängt die Luft so rasch, dass ein Knall mit einer Lautstärke bis zu 100 Dezibel entstehen kann. Der erst fünfjährige Oliver eiferte seinem grossen Bruder nach, und auch er vermag &endash mit Kappe und Brille behelfsmässig geschützt &endash seiner bedeutend kürzeren Geissel erstaunlich laute Töne zu entlocken. Dem geschichtlichen Erbe verpflichtet fühlt sich offenbar Mike Widmer, der in ein Sennenhemd gekleidet präsentierte. Erst vor drei Wochen durch einen Kollegen auf das Geisselspiel gestossen, hat der Russiker sofort Gefallen daran gefunden.Auch Frauen und Mädchen dringen in die ursprüngliche Männerdomäne ein. «Warum sollten wir das nicht auch machen dürfen?», fragt Jill Tautscher von der Ohrüti. Sie habe einst Chlöpfern zugeschaut und das so «lässig» gefunden, dass sie es gleich selbst habe ausprobieren wollen. Allerdings habe es bei ihr etwas länger gedauert, bis sich der Knalleffekt eingestellt habe, gestand die Elfjährige.Im Wettkampf stehen die Teilnehmer in einem roten Kreis, den sie nicht verlassen dürfen, und zeigen während 30 Sekunden ihr Können, das von vier Wertungsrichtern beurteilt wird. Perfekte Haltungsnoten bekam der Baumer Martin Rüegg. Entsprechend zufrieden war der 15-Jährige, auch wenn es ihn fuchst, dass er den Strick am Ende seiner Vorführung nicht reglementskonform um seinen Körper wickeln konnte. «Da habe ich mit der Geissel den Boden berührt, das gibt Abzüge», bedauerte er. Bei einigen der Ungeübteren sah man, dass es ohne die richtige Technik nicht geht. Bei einem Mädchen, das sich zum ersten Mal im Chlöpfen versuchte, war von einem solchen nichts zu hören &endash dafür wickelte sich das Seil um ihren Hals. Weltrekordversuch geplant Werner Peter, der Organisator der Meisterschaft und Trainer der Jugendgeisselchlöpfer, hatte mehr Teilnehmer erwartet. Trotzdem will er den eidgenössischen Brauch, den vor zwei Jahrzehnten ein zugezogener Entlebucher nach Steg gebracht hatte, weiter pflegen. Im nächsten Jahr soll das Chlauschlöpfen gleich zwei Tage dauern. Und auch ein Weltrekordversuch inklusive Eintrag ins Guinnessbuch ist geplant. Ein junger Teilnehmer übt am Rand des Geschehens den Schwung. Foto: Seraina Boner

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