Zum Hauptinhalt springen

Bülach feiert mit Freilichtspektakel

Die Bülacher zelebrieren mit einem aufwendigen Schauspiel den 1200. Geburtstag ihrer Stadt. Das Schauspiel beginnt harzig. Die Rettung bringt der Stadtheilige Laurentius und ein sinnlicher Spaziergang durch die Altstadt.

Von Michael Weber Bülach – Graue Klötze bevölkern den Lindenhof, neben diesen «Wohnhäusern» stehen sauber aufgereiht jeweils eine graue Abfall- und eine grüne Biotonne. «Dies ist symbolisch für Bülach – oder gar für die ganze Schweiz», sagt Sophie Reinhard. Die Studentin der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) hat das Szenenbild entworfen, in dem der erste Teil des Bülacher Freilichtspektakels spielt, das anlässlich der 1200-Jahr-Feier stattfindet. Ein Dutzend festlich gekleidete Mädchen eröffnen das Stück. Sie tanzen mit bunten Bändern in den Händen um einen Maibaum, der inmitten der «Häuser» steht. Im Hintergrund strahlt die Abendsonne über die echten Bülacher Altstadtdächer. Die Idylle ist perfekt – donnernde Paukenschläge zerstören sie. Landammann und Stadtschreiber trampeln auf die «Bühne» und beenden das bunte Treiben. Das Publikum beschwert sich lautstark – vergebens. Die beiden verwandeln das Volksfest in eine Gemeindeversammlung, denn der Unterländer Stadt droht der Untergang. Bülacher muss auf einen Schlag all seine Schulden begleichen. Erinnert an Schultheater Was spannend beginnt, verliert schnell an Fahrt. Gefühlte zehn Minuten wartet das Publikum, bis die Darsteller einige «Frauenfürze» mit einem Katapult in die Luft schiessen. Dies verkaufen die beiden immer streitenden Politiker als Feuerwerk – ein Zeichen für die marode Stadtkasse. Das Publikum – unterwandert mit Schauspielern – äussert wieder seine Unzufriedenheit. Diese zanken lauthals miteinander darüber, wie Bülach gerettet werden soll. Werden ausfällig und gar unnötig primitiv. Die Figuren von Öko-Tante bis SVP-Bünzli sind derart überzeichnet, dass das Aufgeführte an ein Schultheater erinnert. Schade, denn etwas mehr Gesellschaftskritik statt Klamauk hätte diesem Abschnitt gutgetan.Erlösung bringt dann ein kurzes Zwischenstück. Fünf Schülerinnen führen die Geschichte des heiligen Laurentius – des Stadtheiligen von Bülach – auf. Zum ersten Mal kommt Action im Spektakel auf. Die Spielfreude der Darstellerinnen springt aufs Publikum über. Der Heilige, der in einen Bülacher gefahren sein muss, wird gesucht. In geführten Gruppen macht sich das Publikum nun auf, diesen in der Altstadt zu finden.Im Städtchen haben die Studenten der ZHdK ein Dutzend Posten erstellt. «Alle zu sehen, wird vom Zeitrahmen her kaum zu schaffen sein», sagt Jörg Drittenbass vom Organisationskomitee des Freilichtspektakels. Und so besuchen die Zuschauer jene Posten, an die sie geführt werden oder die sie auf eigene Faust entdecken.In einem Vorgarten spielt eine Gruppe heimatliche Klänge, bei einem Brunnen erzählt eine ältere Dame ein Märchen, und vor der Kirchenwiese tanzen Jugendliche und sprechen Sätze ins Mikrofon, welche darauf in Endlosschlaufen immer wieder über Lautsprecher wiederholt werden. Hörcollage in den Gässchen Auf dem «Hörspaziergang» erkunden die Besucher mit einem Kopfhörer Bülachs gut verstecktes Marronigässchen. Die dabei abgespielten Tonschnipsel und Interviewausschnitte sind wunderschön verwoben zu einer stimmigen Hörcollage. «Die Studenten haben versucht, Bülach einzufangen», sagt Dramaturg Jochen Kiefer. Und das ist ihnen gelungen. Während des Durchstreifens der Altstadt wünscht sich der Zuschauer, dass hier immer so viel los ist. Und mit dem Eindunkeln wächst das Gefühl, etwas zu verpassen. Tatsächlich reicht es nicht mal für die Hälfte der Posten. Punkt halb zehn rufen die Turmbläser wieder zur Gemeindeversammlung und dem grossen Showdown auf dem Lindenhof. «Gottalk» auf dem Grill Dieser hat sich unterdessen in ein Fernsehstudio verwandelt. Moderator «Gotttalk» führt überzeugend die Live-Spendensendung «Rettet Bülach» durch. Am Ende gelingt das schier Unmögliche, und der Moderator wird als neuer Laurentius gefeiert und – wie sein Vorgänger – danach auf dem Rost gebraten. Die Zuschauer scherts nicht. Sie werfen symbolisch eine Bratwurst auf einen der aufgestellten Grills und geniessen den Abschluss-Rap zweier Jungtalente. Ihr Gesang schafft die passende Atmosphäre für den Abschluss eines fast gelungenen Spektakels, und so mancher Besucher wird auf dem Nachhauseweg noch die Melodie in den Ohren haben von «Büli, Büli, eusi Stadt». Das Bülacher Freilichtspektakel findet vom 16. bis 26. Juni täglich um 19.30 Uhr auf dem Lindenhof statt. Festlich gekleidete Mädchen eröffnen das Bülacher Freilichtspektakel. Foto: Balz Murer

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch