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Bündner Dörfer profitieren von Entwicklungshilfe

Ein Bergdorf will seine Schule ausbauen. Opfikon hilft mit 13 000 Franken – obschon die Gemeinde selbst oder der Kanton das Vorhaben bezahlen müsste.

Von Florian Schaer Opfikon/Tenna – Tenna im Safiental im Kanton Graubünden hat 112 Einwohner, liegt arg zersiedelt an einem Hang auf 1654 Metern über Meer, umgeben von Wäldern und Fels. Politisch denkt man hier aber fortschrittlich: Per 1. Januar 2013 fusioniert Tenna mit den umliegenden Dörfern Valendas (298 Einwohner), Versam (235) und Safien (305). Die neue Gemeinde Safiental hat 950 Einwohner, etwas weniger als Weiach – und eine Fläche von über 150 Quadratkilometern, so viel wie der ganze Bezirk Dielsdorf. Solche Fusionen sind ganz im Sinne des Kantons Graubünden, der, ähnlich wie der Kanton Zürich, fusionswillige Gemeinden finanziell unterstützt. Das 2,4-Millionen-Projekt Hochzeitsgeld gibt es zum Beispiel jetzt, da Tenna eine grosse Investition getätigt hat: Das örtliche Primarschulhaus musste dringend erneuert und erweitert werden, denn man erwartet einen erheblichen Anstieg der Schülerzahl von aktuell 8 auf bis zu 17 Schüler. «Das hat damit zu tun, dass viele junge Familien mit Kindern hierhergezogen sind», sagt Gemeindepräsident Thomas Buchli. Darüber hinaus werde die Anlage regelmässig von Schulklassen aus den Niederungen genutzt und soll neu Platz für die Gemeindeversammlung und für Vereine bieten. Kostenpunkt: 2,4 Millionen Franken. «Unsere jährlichen Steuereinnahmen belaufen sich auf 100 000 Franken», sagt Buchli. Zusammen mit den Einnahmen aus der Wasserkraft verfügt das Dorf über 450 000 Franken Budget. «Die Schule ist ein gigantischer Brocken.» Tenna machte einen Spendenaufruf. Eingeschneit und abgeschnitten «Natürlich wurde die Frage gestellt, warum ein Dorf von 112 Leuten ein eigenes Schulhaus brauche», sagt Buchli. «Die nächste Schule liegt zehn Kilometer entfernt – und das sind keine zehn Kilometer gerade Landstrasse. Das hat Folgen: Zum Beispiel ist heute mit dem anhaltenden Schneefall unsere Hauptzufahrtsstrasse bis zum Mittag gesperrt.» Man kam zum Schluss, dass die eigene Schule existenziell wichtig sei, «nicht zuletzt, um das Dorf attraktiv zu halten». Die Organisation Patenschaft für Berggemeinden nahm sich der Sache an und stellte das Schulhausprojekt auf die Liste, die sie den Spendergemeinden präsentiert. Über diesen Weg greifen auch Unterländer Gemeinden den Bergdörfern finanziell unter die Arme. So hat die Stadt Opfikon beschlossen, den Tennern 13 000 Franken ans Schulhaus zu zahlen – für jeden Opfiker einen Franken.Allerdings fällt ein Schulhausbau klar in den Aufgabenbereich der Gemeinde. Müsste da nicht der Finanzausgleich spielen? Tatsächlich hat Graubünden für das Tenner Schulhaus rund eine Million Franken an finanziellem Ausgleich gesprochen. 613 000 Franken gab es alleine aufgrund der Fusion. Beim Entscheid, zu fusionieren oder nicht, sei jede Gemeinde autonom, sagt Thomas Kollegger, Leiter des Amts für Gemeinden. Das heisse auch, dass sie sich selber um die Finanzierung ihrer Investitionen bemühen müsse. «Was wir nicht machen, ist ein Strukturerhalt um des Strukturerhalts willen.» Der Kanton Graubünden wird also kaum Millionen in ein Bergdorf buttern, bloss damit es existiert. Der Finanzausgleich gewährt Tenna ein Minimum, um zu funktionieren. Platz für den Braunbären Hätte Tenna keine zusätzlichen Spenden erhalten, hätte sich das Dorf für den Schulhausbau verschulden müssen – mit 12 000 Franken pro Einwohner. Ohne die Fusionsmitgift läge der Betrag bei 17 000 Franken. «Es bringt nichts, so grosse Schulden anzuhäufen, die dann unsere Fusionspartner mit bezahlen müssten», sagt Gemeindepräsident Buchli. Zumal man aus vier finanzschwachen Gemeinden keine einzige finanzstarke machen könne. «Zudem führt Verschuldung zu Zinslasten, diese zu Sparmassnahmen, die die Attraktivität senken. Und das führt zur Abwanderung. Die Alternative ist also das, was man heute alpine Brache nennt: keine Leute, dafür viel mehr Wald und jede Menge Platz für Braunbären.»

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