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Bunte bewegte Bilder in den U-Bahn-Stationen Londons Andris Nelsons dirigiert Bruckner und Martinsson Leben, Abschied – und ein Preis für Matti Salminen

Kurz & kritisch Filmfestival London, U-Bahn – Ein Astronaut tippt einen Mond in dunkle Sphären. Rotäugige Schattentiere ziehen durch die Stadt. Ein Löwendenkmal erwacht zum Leben. Einen Jungen, der sich kaum halten kann vor Lachen, bespritzt ein Elefantenrüssel aus Pappe. Darwin schüttelt das weise Haupt. Viel diverser konnte das Potpourri bewegter Bilder nicht sein, das diese Woche in einer Reihe Londoner U-Bahn-Stationen geboten wurde. Wer genau hinschaute, konnte sogar Keira Knightley unter den unterirdischen Kinoattraktionen ausmachen: Sie lässt sich, zurückversetzt ins elisabethanische Zeitalter, in einem Labyrinth von einem Höfling suchen. Schauen musste man freilich schnell, denn die drei Dutzend Streifen, die immer wieder gezeigt wurden, waren jeweils nur 23 Sekunden lang. Das erste Minifilm-Festival der U-Bahn («Smile for London») offerierte seine Stummfilmschnipsel auf den ansonsten für Werbestreifen genutzten Flächen über den Geleisen als bunte Spielerei. Seit einigen Jahren bemüht man sich bei London Transport wieder um «Kunst in der Underground», um eine kulturelle Begrünung der weit verzweigten, sonnenlichtlosen Welt. Mit monumentalen Panda-Köpfen (an der Gloucester Road) und überdimensionalen Kreuzworträtseln (in Stanmore Station) versuchte man die Kundschaft aufzuheitern. Den neuen U-Bahnhof Stratford, beim künftigen Olympiagelände, schmückt eine Filminstallation mit Szenen aus der Geschichte des Stadtteils. Und in Canary Wharf, im Herzen des Finanzviertels, malt ein virtueller Handwerker eine Scheune im fernen Kansas mit einem schwarzen Filzstift an. In 30 Jahren soll er mit dem Malen fertig sein. Bis dahin, heisst es, werden die USA ihre Ölvorräte aufgebraucht haben. Man soll nämlich auch etwas lernen auf dem Weg zur Arbeit. Auf stolze Anfänge kann Londons Underground-Kunst zurückblicken. Das weltbekannte Logo der «Tube», die wunderbaren Werbeplakate der 30er und Harry Becks klassische U-Bahn-Karte, bildeten das Vorkriegsdesign, das bis heute prägt. Künstler aus aller Welt haben sich an Variationen dieser Ikonen versucht. In den Nachkriegsjahrzehnten fiel die Rekultivierung der U-Bahn-Schächte aber eher dünn aus. Eine Ausnahme bildeten literarische Initiativen: «Poems on the Underground», die in den U-Bahn-Zügen mitreisenden Gedichte, suchten schon in den 80er-Jahren aufzuwecken. Versucht hat man es auch mit philosophischen Aperçus. Oder mit Umfragen zu den Tagträumen von U-Bahn-Reisenden, die sich offenbar alle nach Sonne und Wiese sehnen und gern noch zur selben Stunde ihre leidigen Bürojobs kündigen würden. Und die den Traum dann doch nicht umsetzen, weiter viel Zeit in der U-Bahn verbringen – und dankbar sind für die Bemühungen um ein paar originelle Anstösse beim Warten. Peter Nonnenmacher Konzert Zürich, Tonhalle – Selten vergehen 70?Konzertminuten so schnell wie am Dienstag, als Andris Nelsons Bruckners 4. Sinfonie dirigierte. Nicht dass er besonders auf Action oder Tempo gesetzt hätte – im Gegenteil: Wenn Bruckner in drei von vier Satzüberschriften die Vorgabe «bewegt» gleich wieder mit einem «nicht zu schnell» relativiert, so nimmt Nelsons das durchaus ernst. Und es war gerade seine Ruhe, die einen in dieses Werk hineinzog und bis zum letzten Ton in Bann hielt – seine Konsequenz bei der Gestaltung der verschiedenen Atmosphären, seine Fähigkeit, Entwicklungen auch über lange Strecken hinweg hörbar zu machen. Wie das Hornmotiv vom Anfang zur Keimzelle der ganzen Musik wird, wie diese vom Tänzerischen ins Rabiate und dann wieder ins Liebliche umschwingt: Das wird man nicht so schnell wieder vergessen. Dass das Tonhalle-Orchester diesem Dirigenten besonders herzlich zugetan ist, hat man denn auch einmal mehr verstanden und gespürt: Wenn man schon im Publikum auf der Stuhlkante sass, so galt das für die Musikerinnen und Musiker erst recht. Wie Stahl schliffen sie ihre Klänge, dann wieder packten sie sie in Watte, und das Andante hätte man am liebsten gleich noch einmal gehört. Weil es in dieser Interpretation die zärtlichste und dabei unsentimentalste Musik bot, die man sich denken kann. Und weil selbst in den extremsten Pianissimi dieselbe Kraft und Konzentration steckte wie in den ebenso extrem ausgespielten Fortissimi des Finals. Die Intensität der Interpretation war in der ersten Konzerthälfte dieselbe gewesen. Und nicht nur vom Titel her passte das Trompetenkonzert «Bridge» des Schweden Rolf Martinssons gut zu Bruckner: Auch hier gibt es einen raunenden Anfang, auch hier steigert sich die Musik zu einem Hexenritt, auch hier werden die Klangfarben delikat gemischt. Dazu kam noch der Solist, der Trompeter Håkan Hardenberger, der das Werk 1999 uraufgeführt hatte – und der seiner Virtuosität und Farbigkeit nichts schuldig blieb (wobei er immer wieder anklingen liess, dass er vermutlich auch ein guter Jazztrompeter ist). Dass die knappe halbe Stunde dennoch fast so lang wirkte wie die 70 Bruckner-Minuten: Das lag daran, dass das Konzert zwischen Höhepunkten doch auch Flauten enthält. Wie Nelsons und das Orchester auch in diesen Momenten das Flämmchen am Züngeln hielten, war trotzdem sehr hörenswert. Susanne Kübler Wiederholung heute Freitag 19.30 Uhr. Zürcher Festspiele Seit 39 Jahren gehört der finnische Bass Matti Salminen zu den Publikumslieblingen im Zürcher Opernhaus. Nun erhält er den Festspielpreis – und singt den Gurnemanz im «Parsifal». Dirigiert wird diese Festspielproduktion von Daniele Gatti, Regie führt Claus Guth. Und noch eine Premiere bietet das Opernhaus: Mozarts «Il re pastore», mit Dirigent William Christie, Regisseur Grischa Asagaroff und Stargast Rolando Villazón. «Leben und Abschied» lautet das Motto der diesjährigen Festspiele, die vom 17. Juni bis 10. Juli dauern. In der Tonhalle gibts dazu unter anderem vier Chorwerke: Mozarts «Requiem» (mit Ton Koopman), Bachs h-Moll-Messe (René Jacobs), Beethovens 9.?Sinfonie (Kurt Masur) und Verdis «Requiem» (Daniele Gatti). Unter Masur wird zum letzten Mal der Schweizer Kammerchor auftreten – Tonhalle-Intendant Elmar Weingarten kündigte aber gestern an, dass ein Nachfolgechor gegründet werde. Des Weiteren gibt es: Stücke von Ruedi Häusermann und Elfriede Jelinek im Schauspielhaus. Eine von Stefan Kaegi («Rimini-Protokoll») und Lola Arias konzipierte Theaterproduktion «Ciudades paralelas/Parallele Städte» in öffentlichen Räumen. Die üblichen Übertragungen auf den Münsterhof. Eine Dienstmädchen-Performance «To serve» im Theaterhaus Gessnerallee. «Die Möwe» nach Tschechow und Woody Allen im Neumarkt. Ein Symposium zur Komponistin Isabel Mundry. Franz Gertsch im Kunsthaus. Und, erstmals: David Zinman an den Zürcher Festspielen. Er hat die Leitung des Sommerfestivals in Aspen abgegeben und feiert deshalb seinen 75. Geburtstag mit einer Gala und einem Dirigierkurs in Zürich. Susanne Kübler www.zuercher-festspiele.ch Ein Astronaut in der Londoner U-Bahn.Foto: PD

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