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Dämpfer für Textilmaschinen Textilmaschinen: Nach dem Aufschwung droht der erste Dämpfer

Der hohe Baumwollpreis kann bewirken, dass Baumwollspinner schon bald weniger Maschinen bestellen.Der hohe Baumwollpreis dürfte dazu führen, dass die Spinnereien schon bald weniger Maschinen ordern.

Von Andreas Flütsch Wenige Branchen durchlaufen so jähe Berg-und-Tal-Fahrten wie die Textilmaschinenindustrie. Nach einem schweren Einbruch in der Krise explodierte der Auftragseingang. Rieter steigerte die Bestellungen von Textilmaschinen im ersten Halbjahr 2010 um fast das Dreifache auf 740 Millionen Franken. Oerlikon Textile erhöhte die Textilmaschinen-Orders als grösster Schweizer Anbieter um 154 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. Am Horizont bilden sich indes bereits wieder erste Wolken. Die Baumwollspinnereien, eine wichtige Kundengruppe, leiden an den hohen Baumwollpreisen: Der Rohstoff, den sie zu Garn spinnen, ist rund 70 Prozent teurer als im Januar (siehe Chart). Entscheidend für die Spinnereien ist nun, wie weit sie die höheren Baumwollpreise an die Kunden weitergeben können. Je weniger ihnen dies gelingt, desto mehr leiden ihre Margen – was dazu führt, dass sie dann weniger Textilmaschinen bestellen. Just eine solche Margenverengung sieht Volkan Göçmen, Analyst von Helvea: Die Garnpreise seien im September nicht so stark gestiegen wie die Baumwollpreise, sodass es netto zu einer Schrumpfung der Margen kam. Der Anpassungsprozess an die Baumwoll-Hausse dürfte laut Helvea nicht sanft ablaufen, die Margen der Spinner noch stärker unter Druck kommen. Die Aussichten punkto Profitabilität der Spinner habe sich deutlich verschlechtert, sagt Göçmen, weshalb man die Prognosen für Rieter, Oerlikon und andere Textilmaschinenfirmen nach unten revidiert habe. Rieter etwa wurde von Helvea von kaufen auf halten zurückgestuft. Oerlikon berichtet nächste Woche über das dritte Quartal und nahm darum nicht Stellung. Und Rieter bleibt optimistisch. «Die Stimmung bei den Spinnereien ist immer noch positiv», sagt Sprecher Peter Grädel, «sie verdienen Geld und wollen investieren. Von einer Trendwende sprechen wir erst, wenn das langjährige Mittel unterschritten wird, was nicht der Fall ist.» Ein Rückgang von 30 Prozent? Noch nicht. Das kann sich aber rasch ändern. Rieters Bestellungen von Textilmaschinen dürften von 1,3 Milliarden Franken im laufenden Jahr 2011 auf 900 Millionen zurückgehen, schätzt Göçmen – ein Minus von 30 Prozent. Unterschritten wäre damit auch das langjährige Mittel der Bestellungen, das laut Rieter bei 1,1 Milliarden Franken liegt. Ob diese Entwicklung 2011 eintritt, ist offen. Helvea sieht jedenfalls gute Gründe dafür, dass nach dem kurzen Boom bei den Textilmaschinen ein erster Dämpfer kommt. Die indische Textilbehörde hat am letzten Freitag ein Meeting organisiert, um die Probleme wegen der hohen Baumwollpreise zu diskutieren. Es gebe Stimmen aus der Textilindustrie in Indien und der Türkei, welche die Situation als problematisch für die ganze Produktionskette einstufen, sagt Göçmen. Und aus der Türkei sei zu hören, dass mehrere Spinnereien kaum noch etwas verdienen an der Verarbeitung von Baumwolle. Spinnmaschinen in der Spinnerei Hermann Bühler AG in Winterthur. Foto: Peter Fisch (Keystone)

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