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Dank Industrieller ist die Halbinsel Au grün geblieben

Das beliebte Ausflugsziel ist nur deshalb nicht überbaut worden, weil sich vor 100 Jahren Angehörige lokaler Industriellenfamilien dagegen wehrten. Ihre Erben feiern dies am kommenden Wochenende.

Von Marianne Bosshard Wädenswil – Zum Ersten, zum Zweiten und zum . . . – fast wäre es um die Halbinsel Au geschehen gewesen. Vor 100 Jahren ereignete sich ein Auktionskrimi um das grüne Kleinod, das heute ein beliebtes Ausflugsziel ist. Denn der damalige Eigentümer des Gasthauses auf dem Au-Hügel stand vor dem Konkurs, Haus und Hof sollten auf einer öffentlichen Gant versteigert werden. Das Interesse war enorm, und es lagen bereits Pläne vor, die Halbinsel mit lauter Einfamilienhäusern zu parzellieren. Betonwüste statt sattes Grün und einladender Pfade zum Lustwandeln? Der Brauereibesitzer und frühere Gemeindepräsident Fritz Weber wusste das Ruder gerade noch rechtzeitig herumzureissen. Er gründete das Au-Konsortium, um das Naherholungsgebiet zu schützen. Es war eine Rettung in allerletzter Sekunde.Am Wochenende vom 18. und 19. Juni lädt das Au-Konsortium zum grossen Fest anlässlich seines 100. Geburtstags auf die Halbinsel. Es lockt unter anderem mit Musik, einem Kinderparadies, Führungen durch den renovierten Landgasthof und Kutschenfahrten (siehe Kasten). Beatrice Gattiker, die Urgrossnichte von Fritz Weber, ist noch heute von dessen Weitsicht beeindruckt. Sie leitet ehrenamtlich das Ressort Kultur der Genossenschaft und organisiert mit Aktuarin Doris Stüdli das Au-Fest. «Die meisten Leute denken, die Halbinsel Au gehöre dem Kanton Zürich», sagt sie. «Dass sie dank einer privaten Genossenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich ist, kommt für viele überraschend.» Letztlich wollen die beiden Organisatorinnen mit ihrem Fest an diesen Ursprungsgedanken des Konsortiums erinnern: der Bevölkerung die Schönheit der Halbinsel zu erschliessen. Mithilfe der Schlossherrin Die Vereinigung, die heute 350 Mitglieder zählt, begann anno dazumal mit einem harten Kern von 5 Gründungsmitgliedern aus lokalen Industriellenfamilien. Der Anfang war kein Zuckerschlecken. Bald schon musste das Konsortium aufgrund finanzieller Engpässe Landteile an die Schlossherrin Fanny Moser verkaufen. Diese versicherte jedoch, das Grün zu belassen – eine Infotafel auf dem Themenspaziergang rund um die Halbinsel erinnert daran. Geht man auf dem Pfad weiter, erfährt man noch mehr über die Geschichte der Halbinsel. Wer weiss heute schon, dass zwischen dem kleinen Hafen auf der Au und Meilen bis in die 1920er-Jahre eine Fähre für Ziegelsteine verkehrte? Oder dass sich dort, wo heute der Landgasthof steht, eine berühmte Kuranstalt befand, in der man sich wie Kleopatra mit Molkekuren entschlacken konnte? Zu erfahren ist auch, dass der Landgasthof 1959 so baufällig war, dass er von Grund auf neu gebaut werden musste. «Das war ein ‹Riesenhoselupf› für das Konsortium», sagt Doris Stüdli. In den Archiven nach der Geschichte der Halbinsel Au zu wühlen, habe ihr viel Spass bereitet, sagt Beatrice Gattiker. Ein umso grösserer wird es wohl sein, die spannende Geschichte am Au-Fest selbst zu ergründen. Das romantische Badehäuschen ist bis heute eines der wenigen Gebäude auf der Halbinsel. Foto: TA Archiv Beatrice Gattiker. Doris Stüdli.

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