Zum Hauptinhalt springen

Das Kino Wildenmann ist in der Zukunft angekommen

Die Ära der Filmrollen ist im Männedörfler Kino zu Ende. Seit Anfang Jahr hat das Kino auf Digitalprojektion umgestellt. Laufstreifen, Filmkratzer und das Rattern des Projektors sind endgültig Geschichte.

Von Jacqueline Surer Männedorf – In Sachen Ästhetik kann er es mit seinem Vorgänger nicht aufnehmen. Der neue digitale Filmprojektor im Kino Wildenmann ist nichts anderes als ein schwarzer Kasten. Zu bedienen ist er dafür denkbar leicht: Einmal den Touchscreen antippen – schon beginnt der Film zu laufen. Die Zeiten, als der Operateur vor jeder Vorführung die schweren Rollen in den Projektor einlegen musste, sind in Männedorf endgültig vorbei. Seit Anfang Jahr hat hier das digitale Zeitalter begonnen. Für die Zuschauer bringt das nur Vorteile mit sich: Die Bild- und Tonqualität der Werke ist besser, das Rattern des Projektors fällt weg, Filmkratzer, Laufstreifen und Abnutzungserscheinungen gehören der Vergangenheit an. Nur auf 3-D-Filme werden die Männedörfler auch in Zukunft verzichten müssen. Über diese Funktion verfügt der Projektor im Wildenmann nicht. Verlust an Sinnlichkeit Auch die Programmgestaltung wird für Christian Pfluger, Geschäftsführer des Wildenmann, künftig leichter sein. «Wir können die Filme jetzt länger im Programm behalten und öfter zeigen.» Zudem sei es möglich, gewisse Werke aktueller vorzuführen, da man nicht mehr auf die Lieferung der Rollen warten müsse. Was aus dem alten Projektor und den jetzt überflüssigen Filmrollentellern werden soll, ist unklar. Trotz aller Freude über die gelungene Umstellung fällt es Christian Pfluger schwer, sich von den alten Geräten zu trennen. «Durch die Digitalisierung hat das Kino ein Stück Sinnlichkeit verloren. Das bedauere ich etwas.» Ganz freiwillig hat das Wildenmann den Schritt in die Moderne nicht vollzogen. Bereits ab 2013 werden die Verleiher neue Kinofilme nur noch in digitaler Form vertreiben. Kinobetriebe, die es bis dahin nicht geschafft haben, ihr Format umzustellen, sind dem Untergang geweiht. Da eine Umrüstung rund 110 000 Franken kostet, kann die Digitalisierung für ein kleines Kino den finanziellen Ruin bedeuten. Auch im Wildenmann war die Finanzierung eine Zitterpartie. Obwohl das Kino bereit war, rund ein Drittel der Kosten aus Rückstellungen und mithilfe des Gönnervereins zu decken, klaffte ein Loch von rund 50 000 Franken in der Kasse. Dank Benefizveranstaltungen, einem Zuschuss des Bundesamtes für Kultur, zahlreichen privaten Spenden und einem Beitrag der Gemeinde Männedorf konnten die Kosten für die Digitalisierung letztlich vollumfänglich gedeckt werden. Der Beginn der digitalen Ära hat dem Kino nicht nur technische Neuerungen gebracht, sondern auch neuen Aufwind. «Die Unterstützung der Bevölkerung hat unserer Motivation neuen Schwung verliehen», sagt Christian Pfluger. Das Kinoteam ist denn auch eifrig daran, Pläne für die Zukunft zu schmieden. So steht bereits fest, dass es im kommenden Sommer eine zweite Ausgabe des Männedörfler Filmfestivals geben wird. Ursprünglich hätte dieses bereits im letzten August stattfinden sollen. Wegen der bevorstehenden Digitalisierung wurde das Projekt aber zurückgestellt. Am Samstag gibts ein Fest Diskutiert wird derzeit auch über eine Neuausrichtung der Kinobar mit längeren Öffnungszeiten. Am nächsten Samstag, 21. Januar, findet im Kino Wildenmann zur Einweihung des neuen digitalen Projektors das «Digi-Fest» statt. An diesem Tag werden im Kino ab 15 Uhr drei – selbstverständlich digitale – Filme gezeigt. Zudem haben die Besucher die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Kinos zu werfen und den neuen Projektor zu begutachten. Die Kinobar ist ab 14 Uhr durchgehend geöffnet und bietet zur Feier ein erweitertes Angebot. Kino Wildenmann, Dorfgasse 42, Männedorf, www.kino-maennedorf.ch. Im Vordergrund der alte 35-mm-Projektor, im Hintergrund das neue digitale Gerät. Foto: Reto Schneider

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch