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Dem Kanton passt der Weiher nicht

Ein kleiner Weiher, zwei Brüder und verschiedene Akteure: Daraus ist eine Verwaltungskomödie entstanden, die nunmehr schon 15 Jahre dauert. Und das Ende ist nicht absehbar.

Von Caroline Bossert Niederhasli – «Da wollten wir etwas Schönes für die Natur machen und werden dafür nur geplagt», sagen Heinz und Walter Maag verärgert. Traurig blicken die beiden Brüder auf ihren Weiher im Niederhasler Waldstück Oberholz. Überall sammeln sich Grünzeug und Schlamm an. Die Brüder wissen nicht, wie es weitergehen soll mit ihrem kleinen Bauprojekt. Seit Jahren warten sie auf einen Entscheid des Kantons. Darf der Weiher bestehen bleiben, und wenn ja, in welcher Form? Dabei fing alles vielversprechend an. Vor fast 15 Jahren kamen Maags auf die Idee für den Teich. «Damals überschwemmte der Furtbach regelmässig unser Waldstück. Das Gebiet versumpfte, und der Waldweg wurde ständig unterspült», sagt Heinz Maag. Mit dem Weiher wollten die beiden nicht nur das Problem der Überschwemmungen lösen, sondern auch etwas Hübsches auf dem versumpften Land erschaffen. Maags reichten ein Baugesuch für den Weiher beim damaligen Kreisförster Alain Morier ein. Dieser bewilligte den Antrag, da der Weiher im öffentlichen Interesse stehe und die Waldbewirtschaftung kaum beeinträchtige. Der Weiher liege zudem in der Nutzungszone. Deshalb sah er die Voraussetzungen als erfüllt an. Wichtigen Mitspieler vergessen Doch der Förster vergass einen Akteur. Da jegliche Gewässer dem Kanton unterstehen, hätten die Maags auch die Bewilligung des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) gebraucht. Dieses schritt 2002 in die Handlung ein, stoppte den Bau und zog sich wieder zurück. Nach jahrelanger Funkstille entschlossen sich die Brüder 2006, den Weiher fertigzustellen. 2007 kam der Entscheid des Kantons: Der Weiher soll verschwinden, samt der illegal errichteten Betonsperre, die den reissenden Furtbach zähmen sollte, und samt der Sperre beim Auslauf, der das Wasser im Teich zurückbehält. Die Brüder wurden wegen illegaler Bautätigkeit angeklagt. «Zudem verlangte der Kanton, dass der Weiher mit dem ursprünglichen Aushubmaterial wieder zugedeckt werde, nach Bodenschichten sortiert. Doch das ist gar nicht mehr möglich», erklärt Andreas Leuch, Anwalt der Brüder Maag.Heinz und Walter Maag rekurrierten beim Verwaltungsgericht und stellten ein Wiedererwägungsgesuch. Sie erhielten Unterstützung von prominenter Seite: Der damalige Gemeindepräsident Hansruedi Hug schlüpfte in die Rolle des Vermittlers. «Ich war daran interessiert, eine gütliche Lösung für alle zu finden», sagt er. Ihm sei klar, dass gewisse illegale Elemente wie der Betondamm weg müssten. «Doch am Weiher haben viele Spaziergänger Freude. Auch haben sich schon viele Tiere wie Libellen und Frösche dort angesiedelt.» Warten auf Kanton Bis heute liegt kein Entscheid auf das Wiedererwägungsgesuch vor. Leuch sieht jedoch schwarz für die beiden Brüder. Denn nun hat sich auch noch Fischereiaufseher Urs Philipp in die Posse eingeschaltet. Diesem ist der Weiher ein Dorn im Auge: «Der Teich ist ein zusätzliches Hindernis, das die Wanderung von Fischen und anderen Wassertieren vollständig verhindert», erklärt Philipp. Anwalt Leuch und Vermittler Hug haben dafür kein Verständnis: «Das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Der Bach ist schon weiter unten so stark verbaut, dass die Fische bis zum Weiher gar nicht hinaufschwimmen können», sagt Hug. Auch die beiden Brüder haben für diese Sätze nur ein Kopfschütteln übrig: «Seit wir Kinder sind, haben wir hier oben keinen einzigen Fisch gesehen.» Urs Philipp jedoch lässt diese Antwort nicht gelten. Die Fischerei- und Jagdverwaltung habe den gesetzlichen Auftrag, die Gewässer so durchlässig wie möglich zu machen. Dass weiter unten bereits Hindernisse im Bach bestünden, sei kein Argument dafür, zusätzliche Barrieren zu bauen. Zudem würde der Weiher zu weiteren Problemen führen wie etwa der unerwünschten Erwärmung des Wassers und der Ansammlung von Schlamm. Schon jetzt seien verbotenerweise Regenbogenforellen im Weiher ausgesetzt worden, sagt Philipp. Titelhelden werden nicht müde Im Moment sieht zwar alles so aus, als ob nur die beiden Sperren wegmüssten. Doch damit sind die Brüder nicht einverstanden. «Wenn wir die Sperre beim Teichauslauf wegnehmen, hätte es kaum mehr Wasser im Teich. Wir könnten ihn genauso gut zuschütten», sagen sie. Sie wollen noch lange nicht nachgeben. «Wenn es nötig ist, dann gehen wir bis vors Bundesgericht nach Lausanne.» Walter (l.) und Heinz Maag sollen den Weiher mit dem ursprünglichen Aushubmaterial wieder zuschütten.Foto: Leo Wyden

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