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Den Blick übers Notenblatt hinaus gerichtet

Daniel Fueter?Der 61-jährige Musiker erhält am Sonntag den Zürcher Kulturpreis.Von Susanne Kübler Mit Christoph Marthaler hat 2009 ein international renommierter Regisseur den damals neu geschaffenen Kulturpreis des Kantons Zürich erhalten. Vergangenes Jahr ging der mit 50?000?Franken dotierte Preis an den in Washington stationierten Fotografen Samuel Schwartz. Und nun wird mit Daniel Fueter ein Komponist, Pianist, Lehrer, Musikvermittler, Autor und Kulturpolitiker geehrt, der immer in Zürich geblieben ist. Der Zürich geprägt hat, nicht nur musikalisch. Und der von hier aus durchaus die Welt im Fokus hat. Das hat sich zum Beispiel in den Jahren 2003 bis 2007 gezeigt, als Fueter die Hochschule Musik und Theater geleitet hat. Es war eine Zeit der Öffnung: musikalisch, atmosphärisch und eben auch geografisch. Immer mehr ausländische Studierende kamen nach Zürich, «zum Glück», sagt Daniel Fueter. Das Niveau der Schule sei dadurch gestiegen, «die Schweizer können und müssen sich bereits im Studium mit jener Konkurrenz auseinandersetzen, die sie später bei jedem Vorspiel für eine Orchesterstelle antreffen». Damit plädiert Fueter nun allerdings nicht für musikalischen Drill, sondern für Qualität. Und die hat nicht nur mit flinken Fingern zu tun, sondern auch mit dem Blick übers eigene Notenblatt hinaus, mit künstlerischer Eigenständigkeit, mit einem Verständnis für die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur. Musik, so ist Fueter überzeugt, dient nicht nur der Verschönerung des Feierabends, ist nicht nur Dekoration, sondern eine Notwendigkeit. «Wenn sozialer Wohnungsbau zu einem gesellschaftlichen Anliegen wird, dann nur auf dem Boden einer Kultur, die das Verständnis von Vokabeln wie Solidarität und Gemeinwohl überhaupt erst möglich macht», hat er kürzlich geschrieben. Ein offenes Kulturverständnis hat der 1949 geborene Fueter schon in seinem Elternhaus erlebt. Seine Mutter war die Schauspielerin Anne-Marie Blanc, sein Vater Heinrich Fueter, der die Condor Film AG gegründet hat. Er selbst hat Klavier studiert und sich dabei für Chansons ebenso interessiert wie für Chopin (und viel gelesen hat er auch). Als Lehrer – mit Liedklassen in Zürich, Lugano und Karlsruhe – hat er stets für jene stilistische Neugierde plädiert, die er auch als Komponist auslebt. Von der Oper bis zur Pink-Floyd-Bearbeitung für Streichquartett reicht sein Werkverzeichnis, wobei er nicht der Meinung ist, alles zu können: Die Musik, die er einst für die Werbefilme seines Bruders Martin Fueter geschrieben habe, sei richtig schlecht gewesen, sagt er heute. Derzeit komponiert Daniel Fueter eine Kammeroper nach dem ebenso skurrilen wie intensiven Stück «Forelle Stanley» der Kanadierin Claudia Dey. Das Libretto hat seine Tochter verfasst, die Schauspielerin Mona Petri; die andere Tochter, Rea Kost, wird singen, ebenso der Schwiegersohn: nicht aus dynastischen Überlegungen, sondern «weil wir uns zum Glück auch in ästhetischen Fragen verstehen». Schreiben tut er das Werk übrigens nicht in Zürich («hier kenne ich zu viele Leute»), sondern in einem Häuschen am Murtensee. Dort hat er auch seinen Lieblingssatz im Libretto entdeckt: «Ich glaube an die Zerbrechlichkeit und den langen Weg zum Ziel.» Er selbst sei ja nicht gerade der zerbrechliche Typ, sagt er, aber der Satz widerspreche so schön jener Mentalität, nach der nur Effizienz und schneller Erfolg zählten. Und vermitteltdamitsehr vieles von dem, was Fueter unter Kultur versteht.

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