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Den Zürchern droht eine stärkere Ozonbelastung Die Luft im Kanton Zürich war auch 2011 zu stark belastet

Die Luft im Kanton Zürich war auch im letzten Jahr zu stark belastet. Der Klimawandel werde die Problematik beim Ozon verschärfen, sagt ein Fachmann. Allen Verbesserungen zum Trotz: Die Luftqualität bleibt ungenügend, die Ozonbelastung hoch. Der Klimawandel könnte die Problematik verschärfen.

Von Stefan Häne Zürich – Auf dem Kasernenareal im Kreis 4 war die Ozonbelastung 2011 deutlich überhöht. Der Grenzwert für das Stundenmittel beträgt 120 Mikrogramm pro Kubikmeter. Eine Überschreitung wäre gemäss Luftreinhalteverordnung des Bundes während einer Stunde im Jahr erlaubt. In Tat und Wahrheit war dies während 246 Stunden der Fall. Hohe Werte registrierten auch die Messstationen in Dübendorf (255 Stunden) und in Wettswil (304 Stunden). Dies zeigt die gestern publizierte Jahresbilanz von Ostluft, der gemeinsamen Luftqualitätsüberwachung der Ostschweizer Kantone, der auch Zürich angehört. Ein Umschwung ist nicht in Sicht. «Wir rechnen damit, dass die Ozonbelastung weiter hoch bleiben wird», sagt Valentin Delb vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Der Fachmann verweist auf Studien des Weltklimarats IPCC, wonach mit der Klimaänderung die lokale und regionale Luftverschmutzung zunehmen könnte. So ist es möglich, dass häufiger und ausgedehnter als heute Hitzeperioden mit hoher Ozonbelastung auftreten. Das Reizgas bildet sich in der Luft aus anderen Schadstoffen, speziell aus Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Scheint die Sonne intensiv, wird seine Entstehung zusätzlich gefördert. Exemplarisch zeigte sich dies im Hitzesommer 2003 (siehe Grafik). Ozon kann nicht nur die Atemwege und die Lungenfunktionen beeinträchtigen, sondern auch vorzeitig zum Tod führen. In Europa sterben so gemäss einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation rund 21 000 Menschen pro Jahr, in der Schweiz sind es bis zu 300. Auflagen für Zürcher Gewerbe Bekämpfen lässt sich das Ozon, indem man seine Vorläuferschadstoffe verringert. Seit über 25 Jahren verfolgt der Bund eine entsprechende Politik: Die Stickoxid-Belastung wurde unter anderem dank der Einführung von Katalysatoren seit 1985 halbiert, die VOC-Emissionen auf ein Drittel reduziert. «Die Luft ist aber nach wie vor zu stark belastet», sagt Awel-Fachmann Delb. Der Kanton versuche deshalb, im Rahmen seiner Möglichkeiten die Vorläufersubstanzen zu reduzieren. So müssen Zürcher Betriebe, die hohe VOC-Emissionen verursachen, einen Sanierungsplan vorlegen und ihren Ausstoss senken. Diese Massnahme wirkt ergänzend zur VOC-Lenkungsabgabe des Bundes. Auf diese Weise lasse sich die VOC-Menge vergleichsweise tief halten, so Delb. Die Luft wird durch weitere Schadstoffe belastet. Messreihen für Stickstoffdioxid zeigen mittlerweile zwar deutlich tiefere Werte als in den 90er-Jahren, seit dem Jahr 2000 hat sich der Abwärtstrend aber verflacht. Zudem werden die Grenzwerte vielerorts noch immer überschritten, etwa entlang der Autobahn in Opfikon. Nicht zufällig: Während die Abgasvorschriften laufend verschärft werden, schwillt die Verkehrslawine ungebrochen an – die Menge macht also den technischen Fortschritt zunichte. Gemäss Awel-Fachmann Delb wird die Schadstoffbelastung erst dann auf ein gesundheitlich unbedenkliches Niveau fallen, wenn sich die Autoflotte komplett erneuert hat – in 10 bis 15 Jahren. Holzfeuerungen kontrollieren Im Kanton Zürich führt die Luftverschmutzung zu externen Kosten von jährlich 800 Millionen Franken, wovon zwei Drittel aus gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bevölkerung resultieren. Hoffnung setzt der Kanton auf den Massnahmenplan Luftreinhaltung, den der Regierungsrat 2010 verabschiedet hat. Vordringliches Ziel ist es, die Feinstaubpartikel zu reduzieren. Potenzial besteht bei den Holzfeuerungen. Sogenannte Feuerungskontrolleure, angestellt von den Gemeinden, prüfen seit zwei Jahren, ob die Holzfeuerungen in den Zürcher Haushalten die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Grosse Anlagen etwa müssen über einen sogenannten Feinstaubabscheider verfügen. Die Kontrollen werden laut Delb die erhoffte Wirkung erzielen. Offen sei in welchem Ausmass.

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