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Der knappe Personalbestand ist bei Lidl Programm

Ein Ex-Filialleiter aus dem Oberland prangert die Geschäftspolitik des Lebensmitteldiscounters an.

Von Camilla Alabor Wetzikon – Der Lidl in Pfäffikon ist eine Geisterfiliale. Bezugsbereit ist die Filiale schon seit Ende 2010. Schon mehrfach hat Lidl einen Eröffnungstermin genannt, der dann immer wieder verschoben wurde. Auf Anfrage schreibt der Lebensmittelhändler jetzt, dass der Laden in Pfäffikon im Frühsommer 2012 eröffnet werde. Die Wetziker Gewerkschafterin Andrea Jerger, die gute Kontakte zu Lidl-Mitarbeitern unterhält, sagt: «Lidl benutzt den Laden seit längerem als Lager.» Ein im Oberland wohnhafter ehemaliger Leiter einer regionalen Lidl-Filiale kann dies bestätigen: «Fast alle leer stehenden Filialen – und davon gibt es viele – werden von Lidl als Lager benutzt.» Dass Lidl in Weinfelden nur über ein einziges Verteilzentrum für die ganze Schweiz verfügt, führt zu Problemen. «In vielen Filialen treffen die Warenlieferungen zu spät ein», sagt Jerger. «Dies bedeutet für die Mitarbeiter Stress und längere Arbeitszeiten. Speziell, wenn die zweite Lieferung erst kurz vor Ladenschluss ankommt.» Der ehemalige Filialleiter hat dieselbe Erfahrung gemacht: «Ich weiss, dass Mitarbeiter für kurzfristige Lieferungen zu Hause auf Abruf verfügbar sein mussten.» Wem dies nicht passte, der konnte gehen. Dabei leide Lidl unter Personalmangel. Die Arbeitsbedingungen hätten sich seit der Eröffnung der ersten Filiale 2009 stetig verschlechtert. «Am Anfang hatten die Mitarbeiter zum Beispiel Anrecht auf mindestens einen arbeitsfreien Samstag pro Monat. Das wurde abgeschafft.» So werde es für das Unternehmen immer schwieriger, genügend Mitarbeiter zu finden – was es wiederum erschwere, weitere Filialen aufzumachen. «Anfangs kriegten wir stapelweise Bewerbungen», erzählt der ehemalige Leiter. «Als ich bei Lidl aufhörte, waren es viel weniger. Und Schweizer bewerben sich sowieso kaum.» Die mangelnde Produktivität der Schweizer Filialen sei der Grund dafür, dass Lidl das Personal dazu auffordere, schneller und effizienter zu arbeiten, meint der Ex-Filialleiter. Die Zentrale in Weinfelden mache deshalb Druck auf die Vertriebsleiter und diese wiederum auf ihre Untergebenen. Die permanente Unterbesetzung der Filialen sei von oben verordnet: «Wenn man sagt, dass man mehr Personal braucht, kriegt man Antworten wie: ‹Sieh zu, wie du das hinkriegst.›» Gemäss den Angaben von Gewerkschafterin Andrea Jerger beschäftigt der Lidl in Wetzikon, der anfangs 24 Mitarbeiter zählte, heute nur noch rund ein Dutzend. Was den Umsatz betrifft, so hüllt sich die Firma in Schweigen. Nicht einmal die Filialleiter wüssten, wie viel Gewinn ihre Filiale mache, sagt der Ex-Kadermann aus dem Oberland. «Die Einkaufspreise der Artikel sind geheim.» Lidl bestreitet alle Vorwürfe Lidl Schweiz weist sämtliche Vorwürfe von sich. Man sehe keine Arbeit auf Abruf vor, schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Weiter sei die Behauptung von sich verschlechternden Arbeitsbedingungen nicht korrekt: «Ein schriftliches Anrecht auf einen arbeitsfreien Samstag pro Monat hat nie bestanden.» Das Unternehmen sei aber bestrebt, diesen möglichst zu gewähren. Zudem habe der Gesamtarbeitsvertrag, den es seit diesem Jahr gibt, die Arbeitszeit von 42 auf 41 Stunden pro Woche reduziert. Zur Reduktion der Zahl der Mitarbeiter in den Filialen schreibt das Unternehmen, dass diese so vorgesehen war. «Viele Filialen sind und waren Einarbeitungsfilialen für die nächsten Filialeröffnungen.» Von einer Reduktion des Mitarbeiterbestands innerhalb der Filialen könne indes nicht gesprochen werden, da die Zielgrösse pro Filiale von Beginn weg definiert gewesen sei.

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