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Der Mann, der unbedingt ins Gefängnis wollte, möchte am 17. Dezember 2017 entlassen werdenDer Mann, der unbedingt ins Gefängnis wollte, möchte Ende 2017 entlassen werden

Er schoss auf Menschen, weil er ins Gefängnis wollte. Knapp der Verwahrung entronnen, wird jetzt seine «grösste Angst» wahr: Er soll eine Therapie beginnen.

Von Thomas Hasler Hinwil – Es war wohl eines der bizarrsten Motive, die ein Gericht hörte. Auf die Frage, warum er am 13. Dezember 2005 an der Ferrachstrasse in Rüti von seinem Zimmerfenster aus mit dem Sturmgewehr 41 Schüsse abfeuerte und dabei bewusst jene Fenster der gegenüberliegenden Liegenschaft ins Visier nahm, hinter denen er Menschen erkennen konnte, sagte der 21-jährige Felix A. damals: «Ich wollte ins Gefängnis kommen. Und wenn ich mit den Schüssen jemanden treffe, gibts noch ein paar Jahre mehr.» Eine 45-jährige Frau überlebte nur dank einer sofortigen Notoperation. Ein 20-Jährige erlitt Splitterverletzungen. Das Obergericht verurteilte ihn wegen mehrfach versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Die Voraussetzungen für eine Verwahrung seien «noch knapp nicht erfüllt». Eine Richterin sagte: «Ich sehe seiner Entlassung mit Sorge entgegen.» Aber es sei möglich, dass er aus seiner Hoffnungslosigkeit noch herausfinde. «Grösster Fehler meines Lebens Die Möglichkeit scheint zu bestehen. Vier Jahre nach der Verurteilung sitzt Felix A. im Gerichtssaal Hinwil. Das Amt für Justizvollzug beantragt, nachträglich eine stationäre Massnahme anzuordnen. Bleibe der Mann im «nackten Strafvollzug», sei er am Ende der Strafzeit im Dezember 2017 noch gleich gefährlich wie bei seinem Strafantritt zwölf Jahre zuvor. Mit einer therapeutischen Behandlung bestehe eine Chance, die Rückfallgefahr zu senken. Es gebe «ein paar Hinweise», dass Felix A. «für therapeutische Interventionen erreichbar» sei, konkret: dass er sich auf eine Therapie einlassen könnte. Felix A. sagt: Die stationäre Massnahme «ist meine grösste Angst». Der heute 25-Jährige spricht offen, lächelt oft, gibt auf Fragen mal kurz, mal ausführlicher Antwort. Kaum vorstellbar, dass der gleiche Mann vor vier Jahren auf die Frage, ob ihm die Tat leidtue, geantwortet hatte: «Reue empfinden? Das kann ich von Natur aus nicht.» Er gibt zu, dass eine Therapie ihm nützen könnte. Doch er weiss, dass eine stationäre Massnahme eigentlich keine zeitliche Begrenzung hat. Er möchte sich aber an einem Ziel orientieren können – am 17. Dezember 2017, dem vermeintlichen Strafende. Dass er je so unbedingt ins Gefängnis wollte, nennt er heute «den grössten Fehler meines Lebens». Er glaubt, mit seinen Problemen selber fertigwerden zu können. Er wolle in Zukunft möglichen Problemen einfach aus dem Weg gehen. Verwahrung kein leeres Wort Dass das auf dem Hintergrund seiner schizoiden und antisozialen Persönlichkeitsstörung nicht so ganz einfach ist, geben die Richter klar zu erkennen. Sie stimmen A.s Verteidiger zu, der gesagt hatte: «Wir treffen heute einen grundlegend anderen Menschen, als in den Gerichtsakten geschildert wird.» Eigentlich müsse er gegen den Antrag des Amts argumentieren. Aber er befürwortet die Massnahme. Sie sei die einzige Chance, dass der junge Mann, der heute eine ganze andere Einstellung zum Leben habe, je wieder entlassen werde. Die Ankündigung des Amts, bei einem Scheitern der Massnahme müsse man eine Verwahrung prüfen, «waren früher vielleicht leere Worte», sagte A.s Verteidiger. «Heute ist das genau so gemeint».Das Gericht ordnete die stationäre Massnahme an. «Ohne Massnahme müssen Sie damit rechnen, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag drin zu bleiben», sagte es zu Felix A. «Und ohne Massnahme wird es Ihnen nie gelingen, Ihre Ungefährlichkeit zu beweisen. Sie täuschen sich, wenn Sie meinen, einfach das Strafende abwarten zu können.»

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