Zum Hauptinhalt springen

Der Morgen der langen Zürcher Gesichter in Bern

Weil Jacqueline Fehr nicht Bundesrätin wurde, spart der Kanton viel Geld. Trotzdem ist der Frust gross.

Von René Donzé Bern/Zürich – Es war sicher ein Zufall, dass es gerade gestern im Berner Restaurant Gfeller am Bundesplatz Züri- Gschnätzlets zum Zmittag gab. Dazu Public Viewing aus dem Bundeshaus, wo gerade der letzte Wahlgang um den FDP-Sitz lief. Schon vorher hatte die vereinigte Bundesversammlung SP-Kandidatin Jacqueline Fehr abserviert und damit die Zürcher Hoffnung auf einen zweiten Bundesratssitz zerschlagen. Dabei war der Zürcher Regierungspräsident Hans Hollenstein (CVP) so zuversichtlich gewesen, als er am Morgen im Zug nach Bern reiste: «Die Geschichte lehrt, dass häufig nicht jene gewählt werden, die in der Gunst des Publikums zuvorderst stehen.» Und der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP) war extra mit drei Stadtratskollegen schon am Vortag angereist. Er habe «auf allen Kanälen Werbung» gemacht in der «Nacht der langen Messer»: «Ihre Wahlchancen sind gestiegen, darauf deutet einiges hin.» Es wurde der Morgen der langen Gesichter für die Zürcher. Am Mittag standen sie auf der Treppe im Bundeshaus und warteten auf die Gescheiterte. Ihre Schwägerin, Winterthurs SP-Stadträtin Pearl Pedergnana, wetterte: «Jacqueline ist das Opfer der Selbstdarstellung der SVP geworden.» Regierungsrätin Regine Aeppli (SP) war «traurig, dass Fehr auf diese Weise ausscheiden musste», doch auch Sommaruga sei eine ausgezeichnete Bundesrätin. Wohlwend bedauerte, dass «die aufstrebende Stadt Winterthur nun nicht Teil haben kann an der historischen Frauenmehrheit». Und Hollenstein sagte: «Tief in meiner Seele hätte ich gerne eine Zürcher Bundesrätin gehabt. Doch das Leben geht weiter.» Erst um 13 Uhr konnten Hollenstein und Wohlwend ihre Blumen einer müden Jacqueline Fehr übergeben. Küsschen hier, Schulterklopfen da, tröstende Worte dort. Fehr hatte ihre Jacke abgezogen, die Ärmel der weissen Bluse hochgekrempelt, die Arme verschränkt und sagte in die Mikrofone: «Ich würde das jederzeit wieder machen.» Die Tränen flossen erst beim Wiedersehen mit Freundinnen und Mitkämpferinnen aus jungen Tagen. Eine meinte: «Wenigstens kannst du weiterhin ohne Security zu uns kommen.» Das Buffet war praktisch leer, als Fehr ankam. Es kostete 15?000 Franken und wird vom Kanton Bern bezahlt, der nun beide neuen Bundesräte stellt. Bei einer Wahl Fehrs hätte Zürich die Hälfte bezahlen müssen. Der Kanton spart auch die Kosten für eine Bundesratsfeier. Dafür hatte er 200?000 Franken budgetiert, Winterthur 50?000 Franken. Für Fehr gibts heute Abend ein kleines Fest, organisiert von der SP Winterthur.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch