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Der Neustarter und der Rückkehrer

Die Zürcher Brüder Thomas (27) und Christopher Lambert (24) hoffen, dass sie erstmals seit 2008 wieder gemeinsam eine ganze Skiakrobatik-Saison bestreiten können – und heute auf dem SM-Podest stehen.

Von René Hauri Sie sind zum Warten verdammt. Andrea macht ihnen das Sportlerleben schwer. Das Sturmtief lässt auch das Berner Oberland nicht verschont, fegt über Meiringen-Hasliberg hinweg, wo heute die Schweizer Meisterschaft der Skiakrobaten stattfindet. Thomas Lambert ist an diesem Donnerstag im Hotelzimmer in Grindelwald geblieben, sein Bruder Christopher zu Hause in seiner Wohnung in Mettmenstetten. Nur zwei Trainingstage konnten sie bislang absolvieren. Doch beide wissen sich dennoch zu beschäftigen. Während Thomas die Ferien mit seiner Freundin geniesst, ist Wirtschaftsinformatikstudent Christopher in seine Bücher vertieft. «Es ist mühsam. Ich hatte mir viel erhofft, wollte erstmals in diesem Winter Dreifachsaltos üben», sagt er, der mit 24 drei Jahre jünger ist als Thomas. Er ist hungrig auf Schnee, auf die Schanze. Verständlicherweise. Christopher Lambert hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Im November 2009, kurz vor den Olympischen Spielen in Vancouver, riss sein Kreuzband. «Die Chance auf eine Teilnahme wäre gross gewesen. Es war ein bitterer Moment», kommentiert der Zürcher. Er verfolgte die Sprünge seines Bruders, die diesen auf den 12. Rang brachten, am Fernseher, telefonierte ab und zu mit ihm. Ursprünglich hatte er geplant, auch nach Kanada zu reisen, «aber den ganzen Zirkus nur als Zuschauer mitzuerleben, reizte mich dann doch zu wenig». Er verpasste nicht nur den Grossanlass, sondern die ganze Saison. Weniger Risiko dank Fallschule Der Aufbau im Sommer verlief dann wunschgemäss, die Zuversicht stieg – und der nächste Rückschlag kam. Wieder vor dem ersten Weltcupspringen. Im Dezember 2010 zog er sich beim Training zum Auftakt in China eine Verletzung an der Schulter zu. Bei einer misslungenen Landung kugelte diese aus, eine Operation war unumgänglich. «Ich fragte mich, ob ich meinem Körper Skiakrobatik noch antun will», gibt Christopher Lambert zu. «Doch die Motivation und die Lust auf das Springen waren zu gross. Also musste ich Massnahmen ergreifen, um das Risiko zu minimieren.» Er intensivierte das Krafttraining, durchlief eine Fallschule, die er zusammen mit einem Judotrainer absolvierte. «In unserem Sport gibt es immer Stürze. Sich dann richtig zu verhalten, ist entscheidend. Die Muskulatur muss im richtigen Moment angespannt sein», erklärt er. Diese Einheiten und die Sommertrainings, die er ab Juni wieder ohne Einschränkungen auf der Wasserschanze in seinem Heimatdorf Mettmenstetten durchführen konnte, nährten die Hoffnungen auf einen sorgenfreien und erfolgreichen Winter. In Saas-Fee sprang die Nationalmannschaft mit den Lambert-Brüdern erstmals auf Schnee. Und beide waren mit ihrem Formstand zufrieden. Im finnischen Ruka stellten sie Anfang Dezember auch unter Beweis, dass dieser stimmt. Mit den Rängen 4 (Thomas) und 5 (Christopher) verfehlten sie das Podest beim Start zum Europacup nur knapp. Wichtiger war für die Zürcher aber, dass sie viel Zeit auf der Schanze verbringen und an ihrer Technik feilen konnten. Für Christopher ist eine grosse Anzahl an Sprüngen einer der Setzsteine auf dem Weg zurück. Und Thomas braucht Routine. Der Wirtschaftsstudent hat sein Repertoire erweitert. Als einer der einzigen Skiakrobaten kombinierte er jeweils halbe, eineinhalb und zweieinhalb Drehungen. «Wieso, weiss ich gar nicht, aber es war eine gute Sache. Ich konnte schwierigere Sprünge zeigen», sagt er. Allerdings würden die Richter diese strenger bewerten als die üblichen mit ganzen Schrauben. «Das war aber nicht der Hauptgrund für die Umstellung», sagt der 27-Jährige. «Wenn Veränderung kommt, kommt auch neue Motivation.» Derselbe Sprung, dieselben Ziele Mit dem Double-Full-Full-Full, einem dreifachen Salto mit vier Schrauben, der unterschiedlich kombiniert werden kann, will er an der Schweizer Meisterschaft eine Medaille holen und es in dieser Saison zum zweiten Mal auf ein Weltcuppodest sowie in der Gesamtwertung in die Top 10 schaffen. Exakt dieselben Ziele mit demselben Sprung verfolgt Christopher Lambert. Die Brüder sind wieder näher zusammengerückt, sowohl sportlich als auch privat. Denn zum ersten Mal seit seinem Debüt 2008 kann Christopher wieder eine Weltcupsaison in Angriff nehmen. Und die Lamberts werden sich wohl häufig ein Hotelzimmer teilen, in der Hoffnung, dieses jeweils auch verlassen zu können, um ihrer grossen Passion nachzugehen. Ohne, dass sie das Wetter daran hindert. Christopher (links) und Thomas Lambert sind in dieser Saison sportlich und privat wieder näher zusammengerückt. Foto: David Birri

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