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Der Pfadtester

Was Themenweg-Experte Thomas Hofstetter vom Walderlebnispfad Sihlwald hält.

Von Andreas Jäggi Sihlwald – Wenn Thomas Hofstetter den Walderlebnispfad Sihlwald abschreitet, sieht er mehr als andere Besucher. Seit drei Jahren analysiert er als Assistent an der ZHAW Themenwege in der Schweiz. Sein Urteil: «Es gibt zu viele schlechte Themenwege.» Oft seien sie didaktisch schlecht aufbereitet: «Einige ältere Geologiepfade in den Alpen sind halbe Lehrbücher, die kein Mensch draussen vor Ort zu lesen vermag.» Der Walderlebnispfad Sihlwald kommt hingegen sehr unintellektuell daher: Er bietet viel Erlebnis und wenig Informationen. Das mache auch Sinn, sagt Hofstetter: Wer mehr Informationen sucht, findet sie im Naturzentrum Sihlwald am Ende des Wegs. Vom ersten Posten ist Hofstetter angetan. Hier soll der Besucher auf einem Baumstrunk anhand der Jahresringe das eigene Geburtsdatum finden. «Das schafft einen vorbildlichen Bezug zum eigenen Leben.» Hofstetter übt aber auch Kritik: Die Posten seien zwar gut gemacht, hätten aber wenig mit den einzigartigen Elementen des Gebiets zu tun. Davon zeuge auch, dass beinahe derselbe Erlebnispfad in den Wäldern Oltens stehe. Bezug zur Region ist wichtig Am besten gefällt Hofstetter der Posten fünf. Es ist der Holzsteg, der durch den Moorwald zum Langmoos führt (siehe Bild). «Der Pfad geht auf die Besonderheit dieses Moorgebiets ein», sagt er. Clever sei auch, dass er gerade dort anfängt, wo der Pfad einen Wanderweg kreuzt. So kann man sozusagen Laufkundschaft abfangen. «Die Landschaft ist hier sehr gut inszeniert, der Text auf der Infotafel ist einladend.» Fazit: Der Walderlebnispfad ist gut gestaltet und unterhalten, sollte aber einen stärkeren Bezug zur Region herstellen. Themenwege als Marketing Die ersten Themenwege Europas entstanden im Deutschland der Nachkriegsjahre. Von dort kam die Idee in den Sechzigerjahren in die Schweiz. Damals stand die Umweltbildung im Vordergrund – trockene Informationen also. In den Achtzigerjahren ging der Trend Richtung Erlebnispfad und weg von Lerninhalten. In den letzten Jahren hat die Tourismusbranche Themenwege als Angebot und auch als Marketinginstrument entdeckt. Wegen der Klimaerwärmung versuchen viele Winterorte, ihr Sommerangebot auszubauen. Hofstetter schätzt, dass es heute in der Schweiz gegen 2000 Themenwege gibt. Zu seiner Definition zählen allerdings auch Orte wie der Botanische Garten Zürich. Klassische Themenwege wie im Sihlwald gibt es laut Schweiz Tourismus rund 500. Diese und zukünftige Themenwege sollen von Hofstetters Erkenntnissen profitieren. Er arbeitet an einem System, mit dem man die Qualität von Themenwegen analysieren kann. Thomas Hofstetter im «Märchenwald» beim Langmoos: «Das ist der beste Teil des Erlebnispfads, weil er auf die Besonderheit dieses Moorwaldes eingeht.» Foto: Patrick Gutenberg

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