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«Der Schularzt muss nahe bei den Leuten sein»

Nach 30 Jahren als Schul- und Kinderarzt in Wädenswil hat sich Beat Bornhauser (66) zur Ruhe gesetzt.

Von Bettina Ledergerber Wädenswil &endash Grob geschnitzt, archaisch und polysportiv &endash diese Attribute schreibt sich der gebürtige Bündner Beat Bornhauser selber zu. In Thusis aufgewachsen, macht der Schul- und Kinderarzt auch nach 30 Jahren in Wädenswil gern markige Sprüche in Bündner Dialekt. Seine Praxis im Oberdorf hat der 66-Jährige Ende September an zwei Nachfolger übergeben. Das Praxispersonal hat zum Schluss mit ihm angestossen und ihn durch das Fenster abgeseilt. «Es war nicht übermässig emotional, aber doch noch lustig», sagt er über den Schlusspunkt seiner Berufstätigkeit. Jetzt sitzt er in seinem Haus und ist trotzdem sehr beschäftigt. In Baar hilft er einem Kollegen aus, und auch in seiner alten Praxis schaut er tageweise vorbei, wenn seine beiden Nachfolger einen Stellvertreter brauchen. Schwierige Nachfolgersuche Bornhauser hat ein Jahr über das offizielle Pensionsalter hinaus gearbeitet. Eine Bedingung fürs Aufhören war für ihn, die Praxis in gute Hände geben zu können. «Gute Nachfolger zu finden, ist zunehmend schwierig», sagt er. Vor allem wenn man &endash wie er &endash nicht irgendeinen nehmen wolle. Mit Madeleine Gartenmann Benz und Daniel Suter werden seine langjährige Praxispartnerin und ein ehemaliger Oberarzt des Zürcher Kinderspitals die Arztpraxis für Kinder und Jugendliche weiterführen. Seine Frau arbeitet dort weiterhin als Assistentin. Bei seiner Berufswahl sei er von Zufälligkeiten geleitet worden, sagt Bornhauser. Als Arzt im Spital in Basel merkte er, dass eine Spitalkarriere nicht unbedingt erstrebenswert ist. Die Tätigkeit in einer eigenen Praxis schien ihm da verheissungsvoller. «Um einen vielleicht etwas strapazierten Begriff aus der Alternativmedizin zu verwenden: Mir war das Ganzheitliche wichtig», sagt Bornhauser. Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen und einer erwachsenen Tochter hat seine jungen Patienten immer auch in ihrem Umfeld gesehen. «Kinder sind unsere gesellschaftliche Zukunft, ihnen gilt es Sorge zu tragen.»Als Schularzt und als Heimarzt in der Stiftung Bühl hat Bornhauser einen Eindruck von der Wädenswiler «Zukunft» gewonnen. Er sagt: «Es ist klar, dass Kinder in Schwamendingen unter anderen Bedingungen aufwachsen als Kinder am Zürichseeufer. Der sozioökonomische Hintergrund prägt unglaublich.» Ökonomie wird immer wichtiger Bornhauser beendet seine Karriere in einer Zeit, in der der Schularzt an Bedeutung verliert und Patienten wie auch Schüler zunehmend zu Klienten und marktwirtschaftlichen Grössen werden. «Der ökonomische Standpunkt nimmt an Gewicht zu. Ob die Ökonomie aber alles besser macht, kann ich nicht beantworten.» Die Position des Schularztes wird nach Ansicht von Bornhauser mehr und mehr marginalisiert. Dass der Schularzt ein Auslaufmodell ist, glaubt er aber nicht. Ansonsten seien die Ärzte selbst schuld. Es brauche die Nähe zur Gemeinde, zu den Institutionen, zu den Leuten. Er selbst habe diese Nähe gesucht, indem er in verschiedenen Schulkommissionen aktiv mitwirkte und damit neben dem pädagogischen auch den medizinischen Blick auf Probleme des Schulalltags einbrachte. Seiner Ansicht nach braucht es auch in Zukunft einen Schularzt. Einen, der bei Schuleintritt das Impfbüchlein kontrolliert. Aber auch einen, der jedes Kind individuell anschaut, anstatt Routineübungen abzurufen. Beat Bornhauser hat nach seiner Pensionierung mehr Zeit zum Lesen. Viel unterwegs ist er aber immer noch. Foto: kh

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