Zum Hauptinhalt springen

Der Selbstunfall war kein grobes Verkehrsdelikt

Schlappe für den Raser-schreck Jürg Boll. Der Staatsanwalt wollte den Unfall eines Junglenkers in Oberembrach härter als angemessen bestrafen.

Von Attila Szenogrady Oberembrach – Der spektakuläre Selbstunfall vom 8. April 2009 war grundsätzlich nicht mehr bestritten. Fest steht, dass damals ein heute 20-jähriger Autolenker aus Nürensdorf mit seinem Personenwagen durch Oberembrach fuhr. Ebenso sicher ist, dass er nach dem Weiler Sunnenbüel mit 85 km/h eine Linkskurve erreichte. Dabei verlor der unerfahrene Lenker die Herrschaft über das Fahrzeug und landete im nahen Feld, wobei der Wagen kippte und auf dem Dach liegend zum Stillstand kam. In der Folge schaltete sich der bekannte Zürcher Raserexperte Jürg Boll in den Fall ein. Er erhob im August 2010 im Namen der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat Anklage und lastete dem Junglenker ein grobes Verkehrsdelikt an. Der Strafantrag fiel mit einer beding-ten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 70 Franken vergleichsweise hoch aus für einen Ersttäter. Boll warf dem Beschuldigten eine rennsportliche Fahrweise sowie ein krasses Fehlverhalten in Bezug auf die Geschwindigkeit vor. Dem widersprach die Verteidigung bereits vor dem Bezirksgericht Bülach im November 2010. Und dies mit Erfolg, da das Bülacher Bezirksgericht bloss von einer fahrlässig einfachen Verletzung der Verkehrsregeln ausging und eine Busse von 600 Franken aussprach.Boll legte Berufung ein und erneuerte am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht seine Anträge. Der Staatsanwalt zeigte sich überzeugt, dass der Angeklagte eine hohe abstrakte Gefahr einer Frontalkollision geschaffen habe. Anders sah es die Verteidigerin, die den Ankläger scharf kritisierte: «Was hat Herr Boll überhaupt in Bülach zu suchen?», wollte die Rechtsanwältin wissen. Er wolle mit seinem missionarischen Eifer als «Raserschreck» rechtsstaatliche Prinzipien aushebeln. Die Anwältin bezweifelte, dass Jürg Boll für den Bezirk Bülach zuständig sei. Zudem sei ein grobes Verkehrsdelikt schlicht nicht erwiesen. Bülacher Urteil bestätigt Nach einer mehrstündigen Verhandlung stand fest, dass vor Obergericht das Urteil des Bülacher Bezirksgerichts in Kraft bleiben würde. So zogen zum Schluss beide Parteien ihre Berufungsanträge zurück. In einem letzten Punkt wollte das Obergericht aber Klarheit schaffen. Es wird das Plädoyer der Verteidigerin an die Oberstaatsanwaltschaft weiterleiten. Diese soll die umstrittene Frage der Zuständigkeit abklären.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch