Zum Hauptinhalt springen

Der Streit um ein altes Gartenhäuschen und seine Folgen

Am Bezirksgericht Meilen klagte gestern ein Küsnachter gegen den Verwalter seiner Wohnung - und gewährte Einblick in eine seit Jahren zerstrittene Siedlung.

Meilen. - Die Fronten zwischen den langjährigen Nachbarn aus Küsnacht sind verhärtet. Das war schon vor der gestrigen Verhandlung am Bezirksgericht Meilen offensichtlich. Der Kläger sitzt allein auf einem Stuhl, wartet auf die Verhandlung und schweigt. Er will, dass der Verwalter der Miteigentümer-Gemeinschaft abgesetzt wird. Die sechs Vertreter der Gemeinschaft stehen nur ein paar Meter daneben und erzählen frohgemut von den Erlebnissen des Wochenendes. Im Gerichtssaal wird dann schnell einmal klar, dass es um mehr geht als um die Absetzung des langjährigen Verwalters. Mit jeder Aussage der Parteien nimmt das Ausmass des Nachbarschaftsstreits konkretere Formen an. Über Jahre haben sich kleinere Konflikte zu einem veritablen Krach ausgeweitet. Seit 2006 nimmt der Kläger nicht mehr an den regelmässigen Mitgliederversammlungen teil. Eine der Begründungen: «Ich will niemanden zwingen, mich grüssen zu müssen.» «Er flüchtet, wenn er mich sieht» Er werde von den übrigen Nachbarn ausgegrenzt. Etwa als es kürzlich darum ging, für einen verstorbenen Siedlungsbewohner einen Kranz zu kaufen. «Ich wurde gar nicht angefragt», sagte er. Noch schlimmer: «Der Verwalter flüchtet jedes Mal sofort rückwärts in seine Wohnung, wenn er mich oder meine Frau sieht. Wo bleibt da bloss die emotionale Intelligenz eines erwachsenen Mannes?», fragte der Kläger. Vor Gericht ging es aber nicht primär um die menschlichen Eigenschaften des Verwalters, der selber in der Häusergemeinschaft wohnt, sondern um dessen fachliche Qualitäten. Er sei seinen Pflichten nicht nachgekommen und informiere nur mangelhaft, so der Vorwurf des Klägers. Weiter habe er 2008 seinen Mitgliederbeitrag von 750 Franken nicht einbezahlt. Die Liegenschaft sei teilweise in einem schlechten Zustand, die Treppen voller Moos, Holzbalken morsch, Teile der Fassade mit Efeu überwuchert, an gewissen Stellen bröckle gar der Beton ab. «Und in der Tiefgarage tropft es», sagte der Kläger. Da helfe nur eines: Der Verwalter müsse durch ein externe Person ersetzt werden. «Ein aussenstehender Verwalter wäre zu teuer», meinte darauf der Sprecher der Miteigentümer. Dass der Verwalter seinen Mitgliederbeitrag nicht bezahlt habe, sei ein Fehler gewesen, räumte er ein. Er habe es schlicht vergessen - danach aber umgehend gezahlt. «Von Unterschlagung oder ungerechtfertigter Bereicherung kann keine Rede sein», sagte der Sprecher. Eine Absetzung des Verwalters sei darum nicht gerechtfertigt. Er mache seit 29 Jahren einen guten Job. Alljährlich werde er deutlich im Amt bestätigt. Die Nachbarn vermuten darum persönliche Motive hinter der Absetzungsklage. «Der Kläger ist mit dem Verwalter im Streit wegen eines Gartenhauses, das 1980 ohne Baubewilligung erstellt wurde», erklärte er. Zudem habe er 2005 ein Wegerecht verlangt, damit er schweres Gerät nicht mehr durch seine Stube in den Garten schleppen müsse. «Der Verwalter wäre bereit gewesen, ihm dieses Recht zu gewähren. Er wollte es aber nicht im Grundbuch eintragen lassen, wie es der Kläger verlangte. Die Liegenschaft hätte dann an Wert verloren», sagte der Sprecher der Miteigentümer. Bereits 2006 stritten sich die Parteien vor dem Friedensrichter um die Aufteilung von Handwerkerkosten. Komplett verfahrene Situation «Eigentlich müsste ich Ihnen jetzt ja einen Vergleichsvorschlag machen», sagte die Einzelrichterin nach der einstündigen Befragung der Parteien. «Ich würde Ihnen gerne helfen. Die Situation ist aber dermassen verfahren, da wird es schwierig, sich in einem Vergleich zu einigen.» Ein Entscheid des Bezirksgerichts Meilen steht noch aus. Er wird den Parteien schriftlich zugestellt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch