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Der Umzug der Dromedare

In Dielsdorf war seine Dromedarfarm nicht länger gefragt. Jetzt hat Züchter Kamel Ben Salem in einem Geflügelhof in Oberglatt eine neue Bleibe für seine Tiere gefunden. Gestern war Zügeltag.

Von Caroline Bossert Dielsdorf/Oberglatt – Velofahrer bleiben stehen und trauen ihren Augen kaum, Spaziergänger ziehen verblüfft ihre Kameras hervor, Autofahrer winken fröhlich, und selbst die Hochlandrinder im Neeracherried verdrehen verdutzt ihre Köpfe. Obwohl die Luft am gestrigen Sonntag fast flimmerte – was die Unterländer dermassen ins Staunen versetzte war keine Fata Morgana. Tatsächlich zog eine Dromedar-Karawane von Dielsdorf nach Oberglatt. Kamel Ben Salems Wüstentiere nahmen den langen Marsch nicht aus Spass auf sich. Ihre bisherigen Stallungen an der Pferderennbahn Dielsdorf mussten sie verlassen, weil Dromedare nicht ins Konzept des neuen Rennbahnbesitzers passen. Eigentlich hatte Ben Salem dort internationale Rennen veranstalten wollen. Ein neues Zuhause fanden die Dromedare in Paul von Euws Geflügelfarm in Oberglatt. Als der Geflügelzüchter von Ben Salems Stallsuche erfuhr, meldete er sich gleich bei ihm. Der Stall in Oberglatt stand ohnehin leer, seitdem seine Hühner in ein moderneres Gebäude gezogen waren. «Die Dromedare passen perfekt hierher», ist von Euw überzeugt. Dass es zwischen den Trampeltieren und seinem Gefieder zu Hahnenkämpfen kommen könnte, schliesst der Eierproduzent aus. «Die Hühner wohnen jetzt auf der anderen Seite der Strasse. Da können sich die Tiere gar nicht in die Quere kommen.»Zuversichtlich zeigt sich auch Ben Salem: «Ich bin überzeugt, dass wir hier nun für immer bleiben werden. Momentan misst die Weide in Oberglatt für die elf Dromedare eine halbe Hektare. Sie könnte aber problemlos auf zwei Hektaren ausgedehnt werden, wenn der Bedarf dazu gegeben ist. Auch sonst ist das neue Zuhause dromedargerecht eingerichtet. Auf der Weide liegen Sandhaufen, in denen sich die Tiere wälzen können, um ihr Fell von Parasiten zu befreien. Jede Box verfügt über eine automatische Wassertränke, und alle Holzbretter und Verschlüsse sind abgerundet, damit sich die Tiere nicht verletzen können. «Von so einem Stall habe ich immer geträumt», sagt Ben Salem. «Es schaukelt etwas» Beim Umzug am Sonntag säumen viele Schaulustige den Weg. Manche begleiten die Dromedare spontan ein Stück weit, so wie Irmi Engel aus Nürensdorf. «Da kommen wieder all die schönen Erinnerungen an meine Tunesien-Ferien », sagt sie: «Dromedare sind so königliche Tiere – allein schon dieser stolze und elegante Gang, das fasziniert mich.» Yves und Naskja dürfen ein Dromedar reiten. Ihnen gefällt die schwankende Aussicht hoch oben auf dem Rücken. «Es ist super», meint der Bub aus Niederweningen, «ich frage mich nur, wie ich da wieder runterkomme.» Alex Wagner ist für den Wüstenritt durchs Unterland extra aus dem Glarnerland angereist. Den Ausflug hat er von seiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen. «Es schaukelt etwas, aber sonst ist es ganz bequem», erzählt er fröhlich.Die Dromedare nehmen den ganzen Rummel gelassen. Manchmal scheinen sie sich sogar darüber zu amüsieren. Nur das Jüngste im Bunde, der fünfjährige Shems, ist etwas aufgeregt. Er quietscht und zappelt ohne Ende. «Ich glaube, Shems erwartet ein Dromedarwettrennen. Der will gleich loslegen», meint Ben Salim. Stallvermieter Paul von Euw freut sich über den orientalischen Zuwachs auf seiner Geflügelfarm. Stolz dirigiert er bei jeder Strassenüberquerung den Verkehr. «Welcome to Oberglatt!», ruft er, als die Karawane das Ortsschild passiert. Manche Unterländer waren von Kamel Ben Salems Wüstentieren so fasziniert, dass sie sich der Karawane spontan anschlossen. Foto: Daniel Zannantonio

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