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Die «AHV-Teenager» im Rebberg

Im ersten Jahr nach der Melioration verzeichnet Winzer Hans Perrot Einbussen. Trotzdem rechnet er mit einer guten Ernte.

Vreny Perrot schlägt Alarm: «Es riecht nach Wespen!» Oben am Berg sei es noch besser gewesen, warnt sie die Erntehelfer. «Hier unten haben die Wespen die Traubenbeeren angestochen.» Die Trauben, die von den Wespen angestochen wurden, riechen nach Essig. Nur leicht zwar, doch eine erfahrene Winzerfrau, die wie Vreny Perrot seit über 50 Jahren Trauben erntet, hat einen feinen Geruchssinn entwickelt. Flink löst sie mit der Rebenschere einige aufgeschlagene Beeren aus der Traube. Schliesslich sollen die Rebstöcke des Hangs «Les Vergères» gleich vor dem Ortsschild Ligerz zu gutem Sauvignon blanc verarbeitet werden. Die angestochenen Traubenbeeren müssen deshalb fein säuberlich aussortiert werden. Vreny Perrot, siebte Winzergeneration ihrer Familie, pflückt derweil weiter – im pinkfarbenen T-Shirt mit der Aufschrift «Leukerbad Switzerland», gut frisiert und mit Steckern im Ohr. Später, beim Richten des «Zimmis», zieht sie die Chirurgenhandschuhe, die sie zum «Läset» verwendet, aus. Zum Vorschein kommen lackierte Fingernägel. Vreny Perrots Lieblingswein: Chasselas. Ihre Begründung: Der passe gut, wenn man zusammen «einen nehmen will». Zum Sauvignon blanc, dessen Trauben sie derzeit erntet, gehörten Blätterteiggebäck, Melone mit Rohschinken oder Lachs, sagt sie. Von den Vorzügen des Chasselas der Perrots weiss bereits der ganze Kanton: Der Chasselas der Twanner Familie, bereits zuvor mehrfach ausgezeichnet, wurde gar zum Staatswein 2009 auserkoren. Nach der Natur richten Sieben Personen waren gestern Morgen mit dem Ehepaar Perrot zum «Läset» gekommen. Verwandte, Kunden und die «AHV-Teenager», wie Vreny Perrot die vielen frisch Pensionierten nennt, die sich als Erntehelfer engagieren. In den fünf oder sechs «Läset»-Tagen werden 30 Personen zum Einsatz kommen. «Meine «AHV-Teenager» sind zeitlich ungebunden», sagt Vreny Perrot lachend. «Wir Weinbauern müssen uns nach der Natur richten, und das können viele andersweitig Berufstätige schlecht.» Auch die Tochter schaffte es gestern nicht in den Hang. Zwar habe sie ihre Ferien nach dem «Läset» richten wollen, doch das Wetter war so gut, dass dieses Jahr besonders früh geerntet wird. Wein und Treberwurst Die Erntehelfer verdienen nicht viel – jedenfalls nicht viel Geld. Einige lassen sich in Wein bezahlen, andere freuen sich bereits auf das grosse Treberwurstessen für die Erntehelfer im Februar, wieder andere bekommen einen kleinen Lohn. Ein Richtwert ist zwölf Franken die Stunde. Im Hang zugegen sind auch Winzer Hans Perrot, Sohn Olivier sowie Neffe Christoph Tanner, im Betrieb die rechte Hand von Perrot. Mit der diesjährigen Ernte sind die Perrots schon vor dem ersten Tag des «Läset» zufrieden: «Kein Hagel», bilanziert Hans und rechnet mit insgesamt 12000 bis 14000 Kilogramm Trauben oder 11000 bis 12000 Liter Wein. Insgesamt besitzen die Perrots rund zwei Hektaren Rebenland und keltern neben verschiedenen Chasselas und Sauvignons blancs auch Pinot noir und Œil-de-Perdrix. Kalkhaltiger Boden Mit dem Hang «Les Vergères» und seinen elf Reihen Traubenstöcken ist Hans Perrot ganz besonders zufrieden: Auf Grund des kalkhaltigen Bodens werde der Sauvignon blanc hier «nicht nur gut, sondern sehr gut». Dass er diesen Hang bewirtschaften kann, verdankt er seiner Frau. Sie übernahm das Rebgut von ihren Eltern, und er wurde zum Winzer. Bereits zuvor, als sie knapp 30 Jahre alt war, habe ihr Vater den Hang verkaufen wollen, erzählt sie. «Wehre dich», habe sie ihre Mutter damals inständig gewarnt. «Vater darf den Hang nicht verkaufen.» Die beiden Frauen setzten sich durch. «Znüni» mit Chasselas Auf Grund der Rebmelioration haben die Perrots jetzt nicht mehr 17, sondern nur noch 7 Parzellen, den geliebten kalkhaltigen Hang haben sie behalten. Die Zusammenlegung der Rebgüter erleichtere die Arbeit, sagt Hans Perrot. Anstatt 800 Arbeitsstunden pro Hektar sollten es dereinst mit den kompakten Parzellen nur noch 550 Stunden sein, erzählt er. Die Lust am «Läset» vergeht den Perrots darob aber nicht. Und auch nicht die Lust am Genuss. Kurz nach neun Uhr wird die Zwischenverpflegung, das «Zimmis», aufgetischt: Brot, Cervelat, Käse und Schokolade. Die «AHV-Teenager» trinken Wein, und die Winzerfrau nimmt eine Tasse Tee. Erst beim Nachfragen wird klar: Die Tasse ist nicht immer mit Tee gefüllt, sondern zuweilen auch mit ihrem Lieblingswein. Claudia Kenan «Läset-Sunntige» in Ligerz und Erlach. 26., 27.September sowie 3., 4.Oktober. Ligerz: samstags ab 14 Uhr, sonntags ab 10 Uhr. – Erlach: Am Samstag kulinarischer Spaziergang auf «Läset»-Weg, Abend: offene Weinkeller, Fondue, Raclette. Sonntag ab 10 Uhr Markt, offene Weinkeller, 14.15 Uhr Festumzug. •www.laeset-sunntige.ch >

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