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«Die Arbeit im Stadtrat habe ich leicht unterschätzt»

Priska Seiler Graf (SP) ist seit 100 Tagen in der Klotener Exekutive. Dort will die 42-Jährige Verkehrsprobleme lösen und das Littering bekämpfen.

Mit Priska Seiler Graf sprachDoro Baumgartner Frau Seiler Graf, die Schonzeit von 100 Tagen im Klotener Stadtrat ist vorbei. Wie war Ihr Einstieg? Ich muss zugeben, dass ich die Arbeit eines Stadtrates etwas unterschätzt habe. In diesen rund 100 Tagen ist enorm viel Neues auf mich zugekommen. Und ich bin immer noch am Lernen. Es ist sehr streng, aber auch spannend. Streng sind vor allem die vielen Einladungen von Zweckverbänden oder Organisationen. Ich bin durchschnittlich an zwei Abenden pro Woche als Delegierte des Stadtrates unterwegs. Sie sassen zwölf Jahre im Gemeinderat. Was sind die grössten Unterschiede zwischen Gemeinde- und Stadtrat? Als Gemeinderat kann man reklamieren und fordern. Als Stadtrat habe ich die grössere Verantwortung und muss Entscheidungen treffen. Das Interessante ist aber auch, dass wir in der Exekutive einen Wissensvorsprung gegenüber dem Parlament haben. Mit 42 Jahren sind Sie das Nesthäkchen im Stadtrat. Haben Sie keine Mühe, sich Gehör zu verschaffen? Nein, überhaupt nicht. Meine Kollegen wissen, dass ich einen grossen politischen Rucksack habe. Seit fünf Jahren sitze ich auch im Kantonsrat. Sie stehen dem Ressort Sicherheit vor. Wo sind hier die grössten Baustellen? In Kloten haben wir ein sehr grosses Verkehrsproblem. Dazu gehören der Schleichverkehr sowie der starke Durchgangsverkehr. Nach dem tragischen Unfall von letzter Woche braucht es meiner Meinung nach auch Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit auf der Gerlisbergstrasse. Ein Problem ist ausserdem der Veloweg an der Dorfstrasse, der immer noch nicht durchgehend ist. Wir müssen ein lokales Gesamtverkehrskonzept erstellen. Tönt schön und gut. Doch ist das nicht nur ein Lippenbekenntnis? Nein. Wir werden ein lokales Gesamtverkehrskonzept erarbeiten und es so bald wie möglich dem Gemeinderat vorlegen. Dann machen wir Nägel mit Köpfen. Es kann nicht sein, dass der Veloweg an einer Hauptverkehrsachse nicht durchgehend ist. Das ist zu gefährlich. Zudem ist es mein Ziel, den Langsamverkehr zu stärken und die Verkehrssicherheit in Kloten zu verbessern. In der lokalen Presse beschweren sich immer mehr Leute über die Kriminalität und das Littering. Was die Kriminalität angeht, kann ich nur sagen, dass Kloten im kantonalen Mittelfeld liegt. Opfikon, Wallisellen, Dietlikon und auch Bassersdorf weisen eine höhere Kriminalitätsrate aus. Das grössere Problem ist das Littering. Es ist leider so, dass am Boden liegender Dreck die Leute hemmungsloser macht und sie ihren Abfall ebenfalls auf den Boden werfen. Schlimm sieht es vor allem in der Migros-Passage und beim Bahnhof aus. Es ist ein Problem, das ich während meiner Amtszeit anpacken werde. Konkret habe ich noch nichts im Köcher. Doch wir werden gegen die Abfallberge etwas unternehmen. Sie sprechen die Migros-Passage an. Die Verantwortlichen der Migros monieren auch, dass die Passage immer mehr zur öffentlichen Toilette verkommt. Auch das ist uns bekannt. Und deshalb sind vorwiegend an den Wochenenden Polizeipatrouillen im Dorfzentrum unterwegs. Wird jemand erwischt, nimmt die Polizei seine Personalien auf und verzeigt ihn. Die Polizeipräsenz soll abschreckend wirken. Wo wird die Bevölkerung Ihre Handschrift erkennen? Mit meinem lokalen Verkehrskonzept und einer Lösung gegen Abfallsünder. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat letzte Woche in einer Verordnungsänderung vorgeschlagen, dass künftig Flugzeuge jederzeit starten und landen können, wenn dies «zur Wahrung bedeutender öffentlicher Interessen» nötig ist. Sie sind Präsidentin des Dachverbandes Fluglärm. Was unternehmen Sie, damit diese Änderung nicht in Kraft tritt? Da kann ich nur sagen: Wehret den Anfängen! Die Gefahr ist gross, dass diese ‹Ausnahmen› immer zahlreicher werden. Das bedeutet einen Verlust der Lebensqualität für die Flughafenanwohner. Die Nachtruhe ist eine grosse Errungenschaft, die der Bevölkerung auch tatsächlich etwas bringt. Ich habe schon vor einiger Zeit einen Vorstoss bezüglich Aufweichung des Nachtflugverbots im Zusammenhang mit der Euro 08 im Kantonsrat eingereicht und werde da gerne nochmals nachdoppeln, sollten sich meine Befürchtungen bewahrheiten. Der Kanton Zürich soll sich beim Bund für das berechtigte Ruhebedürfnis der Zürcher einsetzen. Sie sind Sekundarschullehrerin, Kantonsrätin, Stadträtin und Mutter von drei Kindern im Alter von 13 Jahren, 11 Jahren und einem Jahr. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut? Ich musste tatsächlich Prioritäten setzen und habe deshalb meinen Beruf als Lehrerin aufgegeben. Die Politik liegt mir sehr am Herzen, und ich bin aus Leidenschaft Politikerin. Aber es kann nur funktionieren, weil ich auch von meinem Mann und meinen Eltern unterstützt werde. «Nach dem Unfall auf der Gerlisbergstrasse braucht es Massnahmenzur Verbesserung der Sicherheit.» Priska Seiler Graf

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