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Die Christbäume flogen vielleicht zum letzten Mal

Die Uetiker Christbaum-Olympiade ist schon fast eine Tradition. Weil es aber an Helfern mangelt, droht ihr bereits wieder der Tod.

Von Regine Imholz Uetikon – Auf dem Hof Kappelweid in Uetikon strecken zwei Kälber verwundert die Köpfe aus ihren Plastikhäuschen. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem seltsamen Treiben auf dem Vorplatz: Tannenbäume schweben am hohen Silo empor, werden in Schubkarren durch den Dreck gestossen und durch die Luft geworfen. Trotz des garstigen Wetters sind etliche Familien und Paare zum sportlichen Wettkampf an der dritten Christbaum-Olympiade angetreten. So werden die Tannen nach Weihnachten nicht lieblos entsorgt, sondern kommen noch einmal zum Einsatz. Sie dienen als Sportgeräte bei Weitwurf, Hindernislauf, Stammsägen und weiteren Disziplinen. Matthias Rüegg, der Erfinder des vergnüglichen Anlasses, hat es auch dieses Jahr wieder geschafft, genügend Sponsoren aufzutreiben. Einer ist diesmal allerdings nicht dabei: Der Betreiber eines Onlineshops für Sexspielzeug hatte letztes Jahr mit seinem Plakat über dem Scheunentor für Aufregung bei einzelnen Besuchern gesorgt. «Ich wollte das nicht noch einmal erleben», sagt Rüegg. Schliesslich gehe es um die Olympiade und nicht um Nebensächliches. Der Initiant denkt aber trotz genügend Sponsoren laut über das Ende des sportlichen Spasses nach: «Es wird immer schwieriger, genügend Helfer zu finden», sagt er. Rund 50 Besucher haben sich auf dem Hofplatz eingefunden, um an der Olympiade mitzumachen. Dass es diesen Event bereits nächstes Jahr nicht mehr geben könnte, ist für viele unvorstellbar: «Das gehört zu Weihnachten wie die Christbäume», sagt eine Frau. Unterdessen kämpfen Miriam Schmid und Sandra Hofstetter am Sägevelo um Sekunden. Oder eher um Minuten, denn der Stamm zeigt sich sehr widerspenstig. Immer wieder verkeilt sich das Sägeblatt im Holz, und die Pedalen bewegen sich nicht mehr vor und auch nicht mehr zurück. Doch die jungen Frauen geben nicht so schnell auf. Strategie statt Sportlichkeit Die eine im Einkaufswagen hockend, die andere schiebend, rasen derweil Miriam Schmid und Sandra Hofstetter über den Platz. Sie pendeln zwischen Kisten mit Baumschmuck und einer Tanne hin und her. Viereinhalb Minuten brauchen sie, um den Baum zu schmücken. «Nicht gerade Rekordzeit», konstatiert Schmid lachend. Aber es sei ein Riesenspass. Weniger Spass scheint ein Mädchen beim «Baumhochziehen» zu haben: Die neue Jacke ist von oben bis unten mit Dreck verspritzt. Dem elfjährigen Juri hingegen kann der Dreck nichts anhaben. Mit Schmutzspuren im Gesicht zieht er den vierten Tannenbaum am Silo hoch. «Er hat langjährige Erfahrung», sagt sein Vater grinsend, «diesmal könnte es für einen Podestplatz reichen.» Wie es ist, tatsächlich unter den Siegern zu sein, weiss Leonie. Die Zwölfjährige ist mit der ganzen Familie im Beizlein am Aufwärmen. «Letztes Jahr schafften wir es auf den dritten Platz», sagt sie stolz. Doch dieses Jahr sei die Konkurrenz gross. Ihr gefalle der Anlass, weil jede Disziplin Spass mache und weil man für einmal nicht so sportlich sein müsse. «Hier zählt eine gute Strategie», sagt Leonie. Und genau da habe der Papa nicht gerade brilliert: «Er hat beim Baumschmücken zuerst die Lametta genommen», sagt sie, «danach war es schwieriger, den Schmuck anzubringen.» Zur Stärkung verdrückt sie mit Genuss einen hofeigenen Hamburger.

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