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Die Fitness der Bassersdorfer Sekschüler hat abgenommen

Ein- bis zweimal pro Semester unterzieht Sportlehrer Marco Fassler alle seine Klassen dem gleichen Fitnesstest. Dieser dient als Standortbestimmung. Er umfasst fünf Disziplinen: fünf Minuten Springseilen, Klimmzüge an der Reckstange, Bankdrücken, Bankhüpfen und eine Rumpfkraft-Übung.

Von Alexander Lanner Bassersdorf &endash Morgens um 7.30 Uhr schlendern die Schüler der Klasse 3B von Marco Fassler in die Turnhalle. Heute hat der Sportlehrer für seine Schützlinge eine altbewährte Lektion vorbereitet: den Fitnesstest 06. Vor fünf Jahren hat ihn Fassler in sein Sportkonzept aufgenommen. Ein- bis zweimal pro Semester unterzieht der Sportlehrer seine Klassen dem Test. Dieser umfasst fünf Disziplinen: fünf Minuten Seilspringen, Klimmzüge an der Reckstange, je 90 Sekunden Bankdrücken und Bankhüpfen sowie eine Rumpfkraftübung. Marc absolviert den Fitnesstest von Lehrer Fassler ohne Mühe. «Ich spiele seit acht Saisons Eishockey», sagt er. Zu den drei bis vier Trainings pro Woche kommen noch die Meisterschaftsspiele hinzu. Da bleibe nicht mehr viel Zeit für andere Hobbys. Etwas anders sieht es bei Luca aus. In seiner Freizeit spielt er gerne Action- und Rollenspiele auf der Playstation. Daneben hänge er gerne mit Kollegen rum. «Ich spiele aber auch seit vier Jahren Squash», sagt er. Dies sei aber nur zum Plausch. Selbstkritisch fügt er auch an: «Um meine Fitness steht es nicht so gut.» Seit dem Test in der 1. Klasse habe sich an seiner Sportlichkeit nicht sehr viel verändert. Qualität stimmt nicht mehr Schon bei der ersten Übung &endash dem Seilspringen &endash zeigen sich grosse Unterschiede zwischen der Leistungsfähigkeit der Schüler. Während einige Schüler problemlos mit dem Sportgerät umgehen können, tragen andere mit dem Seil einen persönlichen Kampf aus. Höchstens drei Sprünge schaffen sie in Folge, ehe sie sich wieder im Seil verheddern. Nicht nur bei der Koordination hapert es bei vielen. Auch um die Kondition steht es nicht bei allen Schülern zum Besten. Unsportliche Schüler habe es immer gegeben und werde es immer geben. «Daneben erreichen Schüler auch stets Topresultate», sagt Fassler. «Was sich in den letzten Jahren merklich verschlechtert hat, ist die Qualität.» Früher habe der durchschnittliche Fitnessgrad aller Schüler etwa dem Mittelwert zwischen dem besten und dem schwächsten entsprochen. Heute liege er deutlich darunter. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung muss Fassler den getesteten Drittklässlern ein negatives Zeugnis ausstellen. Die Klasse sei in ihrer Fitness unterdurchschnittlich. Dass die meisten seiner Schüler wegen der mangelnden Bewegung auch Übergewicht haben, ist allerdings ein Trugschluss. Auf gesunde Ernährung werde im Elternhaus geachtet &endash auf genügend Bewegung weniger. Mädchen trauen sich nichts zu «Das grösste Problem ist aber die Faulheit der Jugendlichen selbst», sagt Fassler. Das Angebot von medialer Ablenkung sei riesig. «Es ist eben viel bequemer, den Schalter der Playstation zu drücken, als Sport zu treiben.» Auch der Turnunterricht leide unter dieser Zeiterscheinung. Der Lehrplan müsse viel offener gestaltet werden. Klassiker wie das Geräteturnen könnten fast gar nicht mehr stattfinden. Bei den Mädchen zeigt sich ein ähnliches Bild. Fasslers Kollegin Mona Schürch ist seit vielen Jahren Lehrerin in Bassersdorf und kann auf fundierte Daten zurückgreifen. 1992 schafften beispielsweise 51 Prozent der Mädchen zwei Kilometer unter zehn Minuten. 2010 waren es noch 11 Prozent. «Viele trauen sich heute weniger zu», sagt Schürch. Erst vor kurzem hatte sie eine Klasse auf einen Ausflug begleitet.Es galt, einen relativ steilen Fussmarsch bergab zu bewältigen. «Einige sagten erst ‹das schaffen wir nie›», so Sportlehrerin Schürch. Am Ende hätten sie den Abstieg gleich wiederholen wollen. 2008 hat das Bundesamt für Sport den Kinder- und Jugendbericht vorgestellt. Dieser basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1530 Schülern zwischen 10 und 14 Jahren und 1534 zwischen 15 und 19 Jahren. Der Bericht zeigt, dass 18 Prozent der Jugendlichen neben dem Schulsport keinerlei sportliche Aktivitäten betreiben. An einem Wochentag kommt etwa die Hälfte aller Kinder auf mindestens zwei Stunden Bewegung. 27 Prozent der Kinder sind am Wochenende gar nicht sportlich aktiv. (TA) «Es ist bequemer, den Schalter der Playstation zu drücken, als Sport zu treiben. Darunter leidet der Turnunterricht.» Marco Fassler, Sportlehrer Grosse Unterschiede: Während einige Schüler beim Bankdrücken kämpfen, stemmen andere das Gewicht mühelos. Foto: Madeleine Schoder

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