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Die Grosiboomer erfinden sich neu

Die Babyboomer von einst sind Grosseltern geworden: Ein neues Buch zeigt, wie sie mit ihrer Rolle umgehen.

Von Denise Marquard Zürich &endash Marie-Louise Ries (74) befasste sich ein Leben lang mit Frauenlaufbahnen. Als ihre Tochter einen Buben auf die Welt brachte, war dies ein kleiner Schock. Unter einem Enkel hatte sie sich automatisch ein Mädchen vorgestellt. Der Schock wurde noch grösser, als das Kind grösser wurde. Lieb gewordene Vorurteile der Frauenbewegung gerieten ins Wanken, beispielsweise die These: Zum Mädchen wird man nicht geboren, zum Mädchen wird man gemacht. Wie schlecht dies in die Realität passt, erlebte Marie-Louise Ries bei jedem Besuch. Lukas war partout nicht an Blumen und auch nicht an Kuscheltieren interessiert, dafür an Steinen und Stecken. Und an jeder Baustelle musste die Grossmutter einen Halt einlegen, weil der neugierige Lukas Bagger, Kräne und Dampfwalzen bewundern wollte. Fit, gebildet und engagiert «Die Buben-Grossmutter» ist eines von 16 Porträts im Buch «Durch dick und dünn» von Paula Lanfranconi (Text) und Ursula Markus (Fotos). Es ist kein «Jöö-wie-herzig-Grossmami-Buch», sondern es geht den gesellschaftlichen Veränderungen der Grosseltern-Rolle nach. Dabei zeigt sich, dass die selbstbewusste Babyboomer-Generation nicht einfach eine traditionelle Rolle übernimmt, sondern sie neu erfindet und gestaltet. Das beginnt schon mit der Namensgebung: Anstatt Grosi, Grossmama, Opa oder Grossmutter heissen sie Omama, Meme, Nonno, Mimami, Opipa, Babaane. Die Vielfalt der porträtierten Vertreter der Babyboomer-Generation ist gross. Sie reicht von der nicht biologischen, in einer Hausgemeinschaft lebenden Grossmutter über bildungsbürgerliche oder skypende Grosseltern bis zum Grosi fürs Schräge oder die türkische Babaane. So unterschiedlich die einzelnen Grossmütter und Grossväter auch sein mögen, sie haben auch Gemeinsamkeiten: Sie sind fit, gebildet, aktiv und engagiert. Familie ist wieder wichtig geworden. Und sie freuen sich über ihre Enkel, die sie mehrheitlich einmal pro Woche betreuen. Paula Lanfranconi ist eine gute Beobachterin und eine gute Zuhörerin. Sie hat die Babyboomer-Generation in ihrer neuen Rolle liebevoll festgehalten. Schade nur, dass neben all den posi-tiven die schwierigen Grosseltern-Enkel-Beziehungen fehlen. Herausgeberin des Buchs ist die Grossmütter Revolution. Das Netzwerk versteht sich als Plattform und Thinktank für das gesellschaftliche Engagement der Grossmütter. www.helden.ch Grosi Marie-Louise Ries mit ihrem baubegeisterten Enkel Lukas. Foto: Ursula Markus

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