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die grossen fragen

Fertig Misanthropie: Der Zürcher Michel Schröder beschäftigt sich nun mit den positiven Seiten der Menschheit. Schön trashig wird sein Schaffen allemal bleiben.

von andreas tobler theater Er ist der Lieblingsregisseur der schockresistenten Theaterzuschauer: Michel Schröder, Co-Leiter des Fabriktheaters und regieführender Kopf der Gruppe Kraut_Produktion. In den vergangenen Jahren durchwühlte Schröder den Video- und Textmüll des Internets und bereitet das gefundene Material in lustvoll zelebrierten Trashrevuen auf. Mit ihm blickten wir hinter die Fassade der bürgerlichen Normalität und der religiösen Scheinheiligkeit. Dank Schröder lernten wir, wie er es nennt, «brutal spontane» Melancholiker kennen, die Gott gefunden haben. Und mit ihm entwickelten wir eine Ahnung von den Abgründen der menschlichen Existenz: Im letzten Stück, «Babylon», öffnete sich ein schimmliger Kühlschrank, ein Klo lief über und verbreitete einen bestialischen Gestank. Im Projekt davor knallte ein Schauspieler über den Schlussapplaus hinaus mit seinem Gesicht immer wieder gegen eine Bühnenwand. «Mit vergänglichem Theater bleibende Schäden anrichten», das war Schröders Devise. Nun aber soll alles ganz anders werden: Nach seiner «menschenfeindlichen» Schaffensperiode will sich Schröder in einem vierteiligen Zyklus den positiven Seiten unseres Daseins zuwenden. Was gefällt am Leben? Und wofür hat man bislang gekämpft? «Von der Kürze des Lebens» nennt Schröder den Abend, in dem er diese Fragen stellen will. Gespielt wird die neue Kraut-Produktion in einem Raum der First-Class-Bühnenbildnerin Frieda Schneider, die bereits für Christoph Marthaler Bühnen baute. In Schneiders Raum wird man gleich mehrere Kraut-Veteranen sehen können, die mit Schröder seine misanthropische Schaffenszeit durchmachten: Sandra Utzinger, Ilja Komarov und der unverwüstliche Thomas U. Hostettler, der in der letzten Produktion «seine» Organe in einer Pfanne briet. Fragen wie «Was gefällt am Leben?» führen bei Kraut_Produktion zu solchen Bildern. Do (Premiere, ausverkauft), Sa / Di 20 Uhr Bis 28.1. Eintritt 30 / 20 Franken Bilder: Roberto Flores Moncada/zvg, Marek Lamprecht/zvg

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