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Die Kündigung war missbräuchlich

Eine Pflegerin im Altersheim Nauengut wehrte sich gegen ihre fristlose Entlassung und erhielt Recht. Das kostete die Gemeinde Dürnten über 100 000 Franken.

Von Regula Lienin Dürnten – Silvia Baumann ist erleichtert. «Es hat sich gelohnt, dass ich gegen die fristlose Kündigung rekurriert habe», sagt sie. Ein erster Rekurs zeigte, dass ihr Arbeitgeber, das Alters- und Pflegeheim Nauengut in Dürnten, die Kündigung Ende März 2010 zu Unrecht ausgesprochen hatte. Ein zweiter Rekurs, bei dem es um eine Abfindung ging, endete mit einer Vereinbarung. Die Geschichte sei abgeschlossen, sagt Baumann, aber: «Ich will andere in einer ähnlichen Lage ermuntern, sich zu wehren.» Baumann arbeitete seit fast 20 Jahren im Altersheim, als sie Ende März 2010 die fristlose Kündigung erhielt. Dass es um das Arbeitsverhältnis nicht zum Besten stand, war ihr bewusst. «Aber ich hätte nie mit einer fristlosen Kündigung gerechnet», sagt sie. Die heute 53-Jährige engagierte einen Anwalt. Zunächst sah es aus, als ob es zu einem Vergleich mit der Gemeinde kommen würde. Doch dieser platzte im letzten Moment – weil der zuständige Gemeinderat ohne zu unterschreiben in die Ferien fuhr. Daraufhin reichte Baumann im April 2010 beim Bezirksrat Hinwil einen Rekurs gegen die fristlose Kündigung ein. Der Beschluss des Bezirksrats fiel im Mai 2011. Im 54-seitigen Bericht findet die Behörde klare Worte: Es sei «kein wichtiger Grund nachgewiesen, weswegen die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses und das Abwarten des ordentlichen Kündigungstermins für die Arbeitgeberin unzumutbar gewesen wäre.» Bis zur Kündigung tadellos Als im Herbst 2009 zwei Mitglieder der Alterskommission Silvia Baummann zum gerüchteweise schlechten Arbeitsklima im Nauengut befragten, fühlte sie sich zur Darlegung ihrer Sichtweise verpflichtet. Seit dem Stellenantritt einer neuen Pflegedienstleiterin 2007 verschlechterte sich das Arbeitsklima, und es häuften sich Konflikte. Silvia Baumanns Qualifikationen waren bis vier Monate vor ihrer fristlosen Kündigung tadellos. Mit der Auskunft gegenüber den zwei Mitgliedern der Alterskommission wendete sich das Blatt gegen sie. Zudem verfasste sie im Dezember 2009 zusammen mit zehn Arbeitskolleginnen zu den kritischen Punkten einen Brief an die Pflegedienstleiterin. Beides sei zulässig gewesen, befand der Bezirksrat. Er hält sogar explizit fest, dass die Loyalität zum Arbeitgeber «keine jede Kritik ausschliessende Dienstfertigkeit» erfordere. Zudem bemängelte er, dass die Arbeitgeberin die Krebserkrankung von Baumann – sie war von Mitte Dezember 2009 bis Ende Februar 2010 arbeitsunfähig – in ihrer Beurteilung zur fristlosen Kündigung nicht berücksichtigte. Mit dem Rekursbescheid wurde die Gemeinde Dürnten zur Bezahlung von mehreren Zehntausend Franken verpflichtet. Zudem forderte der Bezirksrat den Gemeinderat auf, zu prüfen, ob Baumann zusätzlich eine Abfindung zustehe. Der Gemeinderat verneinte einen Anspruch. «Die Behörde hat mir vorgängig das rechtliche Gehör verwehrt», kritisiert Martin Pestalozzi, der Anwalt Baumanns. Es zähle zu den elementaren Verfassungsrechten, in einem solchen Fall angehört zu werden. Über 100 000 Franken Kosten Silvia Baumann reichte nach dem negativen Befund erneut Rekurs ein. Diesen zog sie aber zurück, weil die Gemeinde plötzlich einlenkte. In einer Vereinbarung von Ende November wurde die Höhe der Abfindung für Baumann geregelt. Insgesamt hat die Gemeinde die missbräuchliche Kündigung zusammen mit den Verfahrenskosten und Entschädigungen wohl mindestens 100 000 Franken gekostet. Anwalt Martin Pestalozzi spricht von einem ungewöhnlichen Fall. «Es sind grobe formale Fehler gemacht worden», sagt er. Gemeindepräsident Herbert Rüegg bedauert die Umstände, die zu dieser arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung geführt haben. Als Konsequenz will die Gemeinde künftig in heiklen Personalangelegenheiten rechtzeitig fachkundige Unterstützung beiziehen. Nicht nur Silvia Baumanns Leben wurde Anfang 2010 auf den Kopf gestellt, auch für die beiden Mitglieder der Alterskommission hatte ihr Handeln Konsequenzen: Sie wurden gegen ihren Willen ersetzt. Die besagte Pflegedienstleiterin arbeitet inzwischen nicht mehr im Nauengut. Der damalige Heimleiter ist pensioniert. Baumann arbeitet seit Juli 2010 in einem Altersheim in Schmerikon. Sie strahlt, wenn sie von ihrem neuen Arbeitsort erzählt: «Ich habe es gut dort. Meine Arbeit wird geschätzt», sagt sie. Das Kapitel im Altersheim Nauengut, das 100 Meter von ihrer Wohnung entfernt steht, ist abgeschlossen. Silvia Baumann arbeitete während fast 20 Jahren im Alters- und Pflegeheim Nauengut. Foto: David Kündig

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