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Die Langeweile als härtester Gegner im 24-Stunden-Rennen

Ein ganzer Tag auf dem Mountainbike – im Kampf gegen Müdigkeit und Wetter: Martin Müntener aus Rüti nimmt an einem solchen Rennen teil.

Von Mirko Hofmann Rüti/Davos – Die Berge sind sein liebstes Terrain. Unberührte Natur und rauer Untergrund lassen das Bikerherz von Martin Müntener aus Rüti höherschlagen. Er hat schon so manchen Pass bezwungen und viele Länder bereist, wenn immer möglich auf zwei Rädern. Selbst dem Ruf der Anden ist er vor drei Jahren gefolgt. Dort hat er in Ecuador auf gegen 5000 Meter über Meer seine Leidenschaft ausgelebt. Nun will Müntener wissen: «Ist es mir möglich, in einem 24-Stunden-Rennen zu bestehen und bis ans Ende durchzuhalten?» Diese Frage stellte er sich vor einem Jahr. Dann hat er den Entschluss gefasst, dieses Jahr die Antwort zu finden. Und so startet er heute um 14 Uhr in Davos zum höchstgelegenen 24-Stunden-Rennen in den Alpen. Müntener fährt dabei in der Kategorie der Einzelfahrer. Er ist einer von 22 Startenden. Kein sportlicher Winterschlaf Einen ganzen Tag lang wird «Münti», wie ihn seine Freunde nennen, auf einer Strecke von 7,5 Kilometern und 170 Höhenmetern seine Runden drehen. «Ganz ehrlich, ich weiss nicht, wie ich das Rennen erleben werde», sagt Müntener. Kein Wunder, schliesslich hat der Bikefreak bisher noch keine solche Erfahrung gemacht. Die grösste Herausforderung werde wohl die allfällige Langeweile, da es sich um einen Rundkurs handelt, sagt der 36-Jährige. Diese könne zu seinem härtesten Gegner im Rennen werden. Er hofft, dass die harte Zeit mit Schmerzen möglichst spät im Rennen beginnt. Doch spätestens dann gelte es, den inneren Schweinehund zu bekämpfen, die Schmerzen zu überwinden und sich durchzubeissen, so gut es geht. Für diese neue und spezielle Herausforderung hat Müntener für einmal auf seinen «fahrradtechnischen Winterschlaf» verzichtet. Normalerweise verbringt er in den Wintermonaten weniger Stunden auf seinem Fahrrad.Um gerüstet zu sein für das 24-Stunden-Rennen, hat Müntener auch einige Einheiten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt aufs Programm gesetzt. Dabei kam vor allem das Rennvelo und nicht das Mountainbike zum Einsatz. Der warme Frühling kam dem Rütner gelegen. Seit April ist er regelmässig fünfmal in der Woche mit Rennvelo oder Mountainbike unterwegs, um sich Kondition und Stehvermögen anzueignen. Das Trainieren des Durchhaltewillens sei hingegen recht schwierig, sagt er. «Ich stelle mich einfach darauf ein, dass es sehr hart wird und keine gemütliche Fahrradtour.» Ganze neun verschiedene Fahrräder stehen im Bastelraum von Müntener und seiner Freundin. Der Raum wurde mittlerweile komplett zum Velokeller umfunktioniert. 225 Franken pro Runde Der leidenschaftliche Biker bezeichnet sich selbst als Freizeitsportler. Doch von seinem sportlichen Können und seiner Erfahrung als weit gereister Mountainbiker profitieren auch andere. Mit der Gründung von Bike on Rocks bietet er Gleichgesinnten kostenlos geführte Biketouren an. Mehrmals im Jahr organisiert er mehrtägige Fahrradausflüge. Das 24-Stunden-Rennen in Davos will der Informatiker dazu nutzen, krebskranke Kinder zu unterstützen. Aufgrund der Arbeit seiner Freundin ist er in Kontakt mit der Vereinigung zur Unterstützung krebskranker Kinder gekommen. Freunde, Kollegen, Verwandte und Interessierte hat er aufgerufen, für jede Runde am Rennen einen Betrag zu spenden, der den Kindern mit Krebs zukommen wird. Insgesamt sind bis jetzt gut 225 Franken pro Runde zusammengekommen. Für Müntener selbst ist dies mehr als nur ein gemeinnütziges Engagement, es ist eine grosse Motivation. Denn die Frage, warum er sich so etwas antut, war in der Vorbereitung immer mal wieder präsent. Doch ein Abbruch kam durch das zugesicherte Engagement nie infrage. Ebenfalls motivieren ihn die krebskranken Kinder, so viele Runden wie möglich zu absolvieren. Eine konkrete Zahl hat sich Müntener jedoch nicht in den Kopf gesetzt. «Hauptsache ich komme nach 24 Stunden auf dem Fahrrad ins Ziel», sagt er. Nächste Tour schon geplant Martin Müntener ist bereit, eine spezielle Herausforderung anzugehen. Er weiss, dass ihn eine Grenzerfahrung erwartet und er sowohl mental als auch physisch bis aufs Äusserste gefordert wird. «Es kann gut sein, dass ich danach für eine Woche gar keine Lust auf ein Bike habe», sagt Müntener. Doch ein richtiger Bikefreak rechnet damit, dass die Freude schon bald wieder zurückkehrt. Denn zwei Wochen nach dem Rennen geht es bereits wieder auf die nächste grössere Biketour. Martin Müntener hat Grosses vor: Er nimmt am Rennen teil, das einen ganzen Tag dauert. Foto: Nicolas Zonvi

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