Zum Hauptinhalt springen

«Die Qualität der Lager ist sehr hoch»

Trotz des tragischen Unfalls in einem Pfingstlager: Auch künftig werden solche stattfinden. Lagerleiter und J+S-Chef sind überzeugt, dass Ausbildung und Sicherheitsstandards genügen.

Von Liliane Minor Zürich/Bern – Es ist der Albtraum aller Lagerleiter, in Oetwil an der Limmat ist er eingetreten: Ein achtjähriges Mädchen starb bei einer Aktivität, die in Jugendverbänden wie Pfadi und Cevi häufig durchgeführt wird. Seilbrücken, Seilbahnen und Abseilübungen gehören zum Standardrepertoire solcher Lager. Ändert sich das jetzt? Wie organisiert man ein Sommerlager, wenn sich kurz vorher ein solches Unglück ereignet? Bei der Cevi will sich niemand dazu äussern. Die Leiterinnen und Leiter in den Cevi-Ortsgruppen, welche die Lager organisieren, haben explizit die Aufforderung vom nationalen Verband erhalten, keine Auskunft zu geben. «Wir sind alle noch viel zu betroffen, um jetzt solche Fragen zu beantworten», sagt Cevi-Pressesprecher Jürg Schelldorfer.«Schockiert und betroffen» sind auch Leiterinnen und Leiter bei der Pfadi. Dennoch sollen die Sommerlager im üblichen Rahmen stattfinden, ein Verzicht auf die sogenannte Pioniertechnik, wie Seilkonstruktionen und Holzbauwerke genannt werden, steht für drei Leiter der Pfadi Rheinfelden, die dem TA gestern Auskunft gaben, nicht zur Diskussion. Der 18-jährige Colin Müller betont, er führe nur Übungen durch, bei denen er überzeugt sei, alles für die Sicherheit getan zu haben: «Ich mache meine Vorsicht nicht von einem Unfall abhängig, der jemand anderem passiert ist.» Auch die 20-jährige Noëlle Weber glaubt, bereits bisher immer genügend auf die Sicherheit geachtet zu haben. Künftig will sie noch genauer hinschauen: «Wir überlegen uns nach diesem Vorfall schon, was wir jetzt noch alles durchführen, damit die Sicherheit der Teilnehmer gewährleistet ist.» Ähnlich sieht es der 19-jährige Vincent Hohler: «Wir werden unsere Sicherheitsmassnahmen überdenken.» Sicherheit stark verbessert Stellt sich die Frage, ob Lagerleiter genügend ausgebildet sind, um das Risiko richtig einzuschätzen. Markus Wolf, Chef Jugend und Sport (J + S) beim Bundesamt für Sport, bejaht diese Frage: «Unser Ausbildungssystem hat sich bewährt und funktioniert.» Lagerleiter müssen 18 Jahre alt sein und mindestens einen einwöchigen Kurs absolviert haben, um von J + S anerkannt zu werden. Pioniertechnik ist ein wichtiger Kursinhalt. Alle zwei Jahre ist eine Weiterbildung vorgeschrieben. Der Hauptlagerleiter muss zusätzlich eine eigene Lagerleiterausbildung sowie einen Nothilfekurs absolviert haben. Wolf ist überzeugt, dass das reicht: Immerhin würden jedes Jahr rund 2000 Lager mit über 50 000 Kindern durchgeführt, und schwere Unfälle passierten höchst selten. Er glaubt, dass eine noch intensivere Ausbildung kontraproduktiv wäre: «Man muss sehen, dass diese Lagerleiter ehrenamtlich arbeiten. Würden wir eine längere Ausbildung verlangen, würde nur noch ein Bruchteil der Lager stattfinden.» Oder, noch problematischer, sie würden zwar durchgeführt, aber ohne Bewilligung durch J + S – und damit auch ohne die vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung. Wolf hält auch die Kontrollen für genügend. «An die Lager, die von J + S bewilligt werden, werden sehr hohe Qualitätsanforderungen gestellt. Und die Jugendverbände unternehmen in diesem Bereich viel, auch im Vergleich mit anderen Vereinen.» Gerade in den vergangenen Jahren habe sich dank einem neuen System in diesem Punkt sehr viel verbessert. Seit 2003 werden die Jugendgruppen bei der Organisation von Lagern eng betreut. Sogenannte Coachs begleiten die Vorbereitungen und weisen auf Gefahren hin. Bei gewissen Aktivitäten ist ein eigenes Sicherheitskonzept nötig. «Darin geht es um die Frage, was zu tun ist, wenn es auf einer Wanderung schneit oder wenn ein Lagerplatz überschwemmt wird.»Kommentar Seite 2 Dossier – Unfall im Cevi-Lagerwww.seilbahn.tagesanzeiger.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch