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Die späte Blüte eines Kloteners in der Familie Gottéron

Fribourgs Benjamin Plüss erlebt die bisher beste Phase seiner Karriere. Heute trifft er auf den Leader, der ihn einst ausbildete.

Von Silvan Schweizer, Freiburg «Es gibt Situationen, die alles verändern, in denen du machtlos bist», hat Benjamin Plüss gelernt. So spricht nur einer, der sich durch Widrigkeiten kämpfen musste. Als der Bülacher 2001 seine erste NLA-Partie für Langnau bestritt, war sein zwei Jahre älterer Bruder Martin bereits ein gestandener Stammspieler in Kloten und hatte Erfahrungen im Nationalteam gesammelt. Benjamin indes war 21 und hatte einen herben Schicksalsschlag hinter sich. Als treffsicherer Klotener Elite-Junior hatte er 1999 den Titel geholt und stand vor dem Schritt in die Nationalliga A. Aber bei einem schweren Autounfall wurde seine rechte Kniescheibe zertrümmert. Acht Monate lang konnte er nur an Krücken gehen, Plüss verpasste eine entscheidende Saison. Über die 1. Liga in Winterthur und die NLB bei Lausanne kämpfte er sich danach hoch – bis nach Langnau. Allerdings fand er auch im Emmental sein Glück nicht. 2003 wurde er vom damaligen Trainer Jim Koleff trotz laufenden Vertrags aussortiert. Verankert in der Bevölkerung Die lange gesuchte Heimat bot ihm erst Gottéron. Ein Verein, der wie eine Familie funktioniere, wie Plüss sagt. Und der in Freiburg derart verankert sei, weil er keine sportliche Konkurrenz habe. «Es ist eindrücklich: Jeder, mit dem ich spreche, hat seine Geschichte, die ihn mit diesem Klub verbindet», sagt Plüss. Sein persönliches Kapitel, das er vor sieben Jahren aufschlug, hat er in diesem Herbst um den besten Saisonstart seiner Karriere erweitert. Acht Treffer hat der 31-jährige Stürmer bisher erzielt. «Ich will in jedem Training besser werden, arbeite mehr als andere. Das zahlt sich irgendwann aus», erklärt Plüss sein Hoch. Und er sieht es auch im Zusammenhang mit Sandy Jeannin und Sturmpartner Julien Sprunger, die für einmal die WM im April ausliessen. Gottéron kam so zu einer «optimalen Saisonvorbereitung» mit allen Teamstützen. Jeannin (2.), Sprunger (10.) und Plüss (12.) sind auch die besten drei Schweizer der NLA-Skorerwertung – im Gegensatz zu anderen Mannschaften baut Fribourg auf ein einheimisches Gerüst in der Offensive. Mit Erfolg: 63 Treffer hat das Team in 16 Partien produziert – zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr hatte es seinen Anhang mit nur drei Siegen und 27 Toren schockiert. «Ein stiller, ernster Typ» Benjamin Plüss ist in Freiburg zu einer Leaderfigur und in diesem Frühling zum spätberufenen Nationalspieler gereift. Im Sommer band ihn der Verein vorzeitig bis 2014, was er als eine Wertschätzung des Vorstandes wahrnahm. Manchmal wird er zum neuen Präsidenten Laurent Haymoz zitiert, der bei ihm den Puls der Mannschaft fühlen möchte. Und Trainer Serge Pelletier sagt über ihn: «Er ist ein stiller, ernster Typ. Er bringt Ruhe in die Garderobe. Man merkt, dass er sich hier wohlfühlt.» Nebenbei hat sich Plüss in einem Treuhandbüro in Düdingen zum Buchhalter ausgebildet. Er geniesst die ländliche Umgebung von Tafers, wo er mit Frau und Tochter lebt, genau so wie die «übersichtliche Stadt», wo er alles findet, was er braucht. Den Röstigraben spürt er weniger als noch bei seiner Ankunft in der Westschweiz. Doch wenn es ihn benötigt, fungiert Plüss gemäss Pelletier als «Bindeglied zwischen den Kulturen im Team». Auf dem Eis sprechen derzeit aber ohnehin alle dieselbe Sprache. Strahlender Benjamin Plüss. Foto: Imago Bildlegende Text. Foto: Vorname Name, Agentur

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