Zum Hauptinhalt springen

Die Uetiker Polizei ist selbständig und doch nicht allein

Seit Januar hat Uetikon eine eigene Polizei. Die Gemeinde ist aus dem Verbund mit Männedorf und Oetwil ausgestiegen. Im Alltag ist die Zusammenarbeit aber weiterhin eng.

Der Trend im Bezirk Meilen geht Richtung polizeiliche Zusammenarbeit. Einzelne Gemeinderäte denken sogar laut über eine Bezirkspolizei nach. Weshalb hat Uetikon seit diesem Jahr eine eigene Polizei? Markus Hafner: Wir stellen uns nicht gegen den Trend. Man muss unterscheiden zwischen der politischen und der operativen Ebene. Politisch konnten wir im Verbund mit Männedorf und Oetwil zu wenig Einfluss nehmen, deshalb sind wir ausgetreten. Was wollte Uetikon denn beeinflussen? Hafner: Der Posten des Polizeiverbunds war in Männedorf. Da haben wir als eine Art Aussenwacht logischerweise eher zweite Priorität genossen. Uetikon will aber eine bürgernahe Polizei. Da braucht es einen Posten im Dorf. Wie sieht es auf der operativen Ebene aus? Hafner: Wir machen bei der Patrouille mit, die nachts im ganzen Bezirk unterwegs ist. Da ist Männedorf unser Hauptpartner. Daniel Capaul: Diese Patrouille ist die Hauptsache. Grundsätzlich arbeiten aber alle Korps zusammen gemäss Bezirksvertrag. Es gibt eine verschworene Gemeinschaft der Polizei. Wenn ich eine zweite Patrouille brauche, dann frage ich an, wer von den anderen Gemeinden gerade verfügbar ist. Da wird dann nicht diskutiert. Das funktioniert im Bezirk Meilen und mit Egg, das den Vertrag auch unterschrieben hat, sehr gut. Ausserdem arbeiten wir natürlich mit der Kantonspolizei zusammen. Der Uetiker Posten erfüllt mit zwei Polizisten die Vorgabe der Kantonspolizei, es brauche einen Mann pro 3000 Einwohner. Dennoch sind ja nicht immer beide da, denn Sie haben auch mal Ferien oder sind krank. Im Militär gilt der Grundsatz, ein Mann sei kein Mann. Macht eine Einerpatrouille Sinn? Capaul: Der Grundsatz gilt auch bei uns. Wenn aber jemand meldet, beim Schulhaus vorne sei einer in einen Pfosten gefahren, dann gehe ich allein hin. Wie gesagt, kann ich aber Verstärkung holen. Und in der Nacht sind wir immer zu zweit unterwegs. Da haben wir es auch mit einer anderen, potenziell gefährlicheren Klientel wie etwa Einbrechern zu tun. Sie haben die Bürgernähe angesprochen. Reichen zwei Polizisten dafür? Capaul: Die Anzahl spielt keine Rolle. Ob wir zwei sind oder zehn, wir können bürgernah sein oder nicht. Es geht um die Qualität unserer Arbeit. Natürlich wäre es mir als Chef wohler mit mehr Leuten. Das sogenannte Community Policing (siehe Artikel unten) hängt aber nicht von der Quantität ab. Hafner: Es braucht immer auch ein vernünftiges Mass. Wenn in Uetikon zehn Polizisten vorhanden wären, würden die Leute sagen, da stimme etwas nicht. Das Ziel ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ist dieses Ziel mit zwei Leuten erreichbar? Hafner (überlegt): Ja, mehr oder weniger. Es gibt zudem noch den Schalterdienst. Die Gemeindeverwaltung stellt sicher, dass zu Bürozeiten der Schalter besetzt ist, wo auch Anliegen oder Fragen deponiert werden können. Dieser Dienst stellt auch sicher, dass, falls notwendig, die ersten Schritte eingeleitet werden. Capaul: Rein aus dem Bauch heraus kann ich sagen, dass wir auf gutem Weg sind. Die Statistiken zeigen das Gleiche, auch wenn deren Interpretation problematisch ist. Welche Statistiken? Capaul: Die Kommunalpolizei hat ja grundsätzlich mit dem Bereich Ruhe und Ordnung zu tun, während schwere Kriminalität und Unfälle Sache der Kantonspolizei sind. In Uetikon beschäftigen uns vor allem Sachbeschädigungen. Die Anzeigen auf diesem Gebiet sind massiv zurückgegangen, seit es uns gibt. Aber das kann natürlich auch daran liegen, dass gewisse Jugendliche sich nicht mehr in der Gemeinde aufhalten. Uetikon arbeitet mit der Securitas zusammen. Viele Bürger empfinden das als problematisch, da der Staat sein Gewaltmonopol aufweicht. Wäre es nicht besser, einen zusätzlichen Polizisten anzustellen? Hafner: Nein. Die Securitas leistet in unserem Auftrag gewisse Dienste. Das ist im Moment die richtige Lösung. Ist es auch eine günstige Lösung? Hafner: Ja. Ein Ausbau der Polizei würde mehr kosten. Zudem können wir die Securitas nach unseren Bedürfnissen stärker oder weniger stark einsetzen und so die Kosten regulieren. Die Polizei müssen wir das ganze Jahr zahlen, unabhängig von den Einsätzen. Apropos Kosten: Der Gemeinderat hat rund 290 000 Franken für die Polizei budgetiert. Stimmt diese Zahl noch? Hafner: Sie stimmt. Wir haben deshalb für nächstes Jahr wieder damit budgetiert. Was macht die Securitas genau? Hafner: Sie kontrolliert kritische Orte gemäss unserer Prioritätenliste. Capaul: Das ist wie ein Puzzle. Die Klientel der Securitas ist auch unsere Klientel. Wenn wir am Freitagabend im Einsatz sind und die privaten Sicherheitsleute am Samstagabend, haben wir und sie mit den gleichen Leuten zu tun. So ergibt sich ein Gesamtbild über die problematischen Fälle in Uetikon. Die Securitas hat zudem den Vorteil, dass sie aus einem grossen Personenreservoir schöpfen und somit immer einsatzbereit sein kann. Wären das zusätzliche Polizisten nicht auch? Capaul: Wenn ich an vier Wochenenden im Monat patrouillieren möchte, brauche ich sehr viel mehr Personal. Die Einsätze müssen für die Polizisten auch sozial verträglich sein. Da können nicht dauernd die gleichen Leute draussen sein. Und das Problem mit dem Gewaltmonopol? Capaul: Ich bin auch der Meinung, dieses müsse beim Staat liegen. Das ist für Uetikon auch kein Problem, da die Securitas eine etablierte Sicherheitsfirma ist. Die Leute sind gut ausgebildet und ausgerüstet. Sie wissen, dass sie nur Dialoge führen, auf Verstösse hinweisen und diese rapportieren dürfen. Es gibt aber andere Firmen, die irgendwelche glatzköpfigen Russentypen patrouillieren lassen. Dafür fehlt mir das Verständnis. Kommen wir zu unserem Grundthema zurück. Kann sich Uetikon vorstellen, in Zukunft wieder in einen Polizeiverbund, gar einen bezirksweiten, einzutreten? Hafner: Im Moment ist das kein Thema. Wir haben jedoch bei der gemeinsamen Polizeiverordnung mitgemacht. Grundsätzlich wäre es wahrscheinlich kein grosser Unterschied zu heute, wenn es eine Bezirkspolizei gäbe. Wir hätten wohl in Uetikon weiterhin Polizisten stationiert. Aber wie bereits gesagt, ist es uns auf der politischen Ebene wichtig, dass wir einen direkten Einfluss auf die Arbeit der Polizei haben. Den haben wir mit einem eigenen Korps. * Markus Hafner (SVP), 57, ist seit vergangenem Februar Uetiker Sicherheitsvorstand. Er trat die Nachfolge von Renate Hämmig an. Der diplomierte Betriebsfachmann leitet die Heizungsabteilung eines Uetiker Sanitär- und Heizungsbetriebs. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Daniel Capaul, 36, leitet die Gemeindepolizei Uetikon. Er arbeitete bei der Stadtpolizei Zürich und der Bundeskriminalpolizei. Er ist in festen Händen und lebt in der Nähe von Uster.

Der Politiker: «Wir konnten im Verbund zu wenig Einfluss nehmen.»

Der Polizist: «Brauche ich eine zweite Patrouille, wird nicht diskutiert.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch