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Dinner für drei mit Seeblick

Gesehen & Gehört Im Ratssaal dürfen Politiker weder demonstrieren noch essen. Und erst recht keinen Alkohol trinken. Statt gleich dreifach die Etikette zu brechen, reduzierten drei bürgerliche Kantonsräte ihren rebellischen Auftritt auf einen einfachen Verstoss. Sie besetzten gestern Mittag Punkt zwölf Uhr – ohne Bewilligung – öffentlichen Raum, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen: den Bau eines Seerestaurants am Bürkliplatz. Und so tafelten Lorenz Schmid (CVP, Männedorf), Marco Camin (FDP, Zürich) und Martin Arnold (SVP, Oberrieden) gestern Mittag direkt neben dem Schiffsteg am weiss gedeckten Tischlein. Eine Kellnerin vom Restaurant Bohemia am Kreuzplatz servierte Tortellini an Tomatensauce, Rotwein und Bier von der Flüegass im Seefeld. Die drei hatten sich als repräsentativen Querschnitt der Zürcher Restaurantbesucherszene verkleidet. Apotheker Schmid spielte den Wanderer mit Rucksack und Feldstecher, Zahntechniker Camin den Kulturtouristen und Arnold, der Geschäftsführer des Gewerbeverbands, den Banker. Die beiden Japaner, die prompt fotografierten, dachten wohl: Dieses Ein-Tisch-Restaurant gehört zu Zürich – how wonderful! * Es war aber nicht bloss Wining & Dining, was die drei Politiker spielten. Im Kantonsrat hatten sie am Morgen eine trockene Motion eingereicht. «Der Regierungsrat wird beauftragt, dem Kantonsrat einen Richtplanbeschluss vorzulegen, welcher den Bau eines Seerestaurants im Bereich des Bürkliplatz ermöglicht.» «Ausgerechnet im schönsten Teil der Stadt gibts kein Restaurant», sagt Camin. Schmid als Fraumünster-Apotheker möchte einen «Frequenzbringer» für die obere Bahnhofstrasse. Und Arnold sagt: «Luzern und Genf machen uns vor, wie man Leute am See bewirtet.» Die drei stützen sich auf eine Idee von Architekt Walter Wäschle, der nach dem Aus des Kongresshaus-Projektes ein auf Pfählen in den See gebautes Restaurant für 600 Leute vorschlug. * Ob die Aktion für die Katz war, wird sich zeigen. Am Ausflug des Kantonsrats vor einer Woche jedenfalls hatte sich Susanne Brunner (SVP, Zürich) auf dem Bauernhof von Ratspräsident Gerhard Fischer (EVP, Bäretswil) in ein schwarz-weisses Kätzchen verliebt. Fischer schenkte ihr das Büsi spontan. Doch gestern musste Susanne Brunner, die mitten in der Stadt wohnt, absagen. «So schön wie auf dem Bauernhof kanns das Büsi bei mir gar nicht haben.» * Rolf André Siegenthaler (SVP, Zürich), Oberst im Generalstab und Kommandant des Waffenplatzes Bremgarten, trägt seit neuem einen Schnauz – und sieht damit zehn Jahre älter aus. Immerhin scheint er auch zehn Jahre weiser geworden zu sein. Jedenfalls gelang ihm gestern beim Thema «Ausbrüche aus dem Strafvollzug» folgende Wortkreation: «Wir wollen einen Strafvollzug und nicht einen Rückfallgefahrreduktionsvollzug.» * Die FDP hat im Moment eine grosse Passion: den Abbau der Bürokratie. Sie schafft es, jedes Geschäft mit überbor-dender Bürokratie in Zusammenhang zu bringen. Nur im eigenen Parteiapparat modert der Papierkram weiter. So wurden die Medien gestern Nachmittag mit einer Fraktionserklärung bedient, die am Morgen von Gabriela Winkler (Oberglatt) oder Fraktionschef Thomas Vogel (Illnau-Effretikon) im Rat hätte vorgetragen worden sein sollen. Eine halbe Stunde später traf ein weiteres Mail ein mit dem Hinweis, dass die Erklärung nicht abgegeben wurde, sondern «aus organisatorischen Gründen» nächste Woche vorgetragen werden wird. Titel der Erklärung: «Sinnentleerte Bürokratie.» Ruedi Baumann Schmid, Arnold und Camin dinieren beim zukünftigen Seerestaurant. Foto: Nicola Pitaro

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